zur Navigation springen

Holsteinischer Courier

03. Dezember 2016 | 22:53 Uhr

EU-Projekt : In Rendswühren wird für eine saubere Ostsee geforscht

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Ministerin Anke Spoorendonk informierte sich gestern bei Firma Blunk über ein EU-Projekt .

Rendswühren | Im Ostseeprojekt „Baltic Slurry Acidification“ geht es um Reduzierung von Nährstoffeinträgen in die Ostsee. Beteiligt an dieser europaweiten Forschung ist das Rendswührener Lohnunternehmen Blunk. Um sich über das Projekt zu informieren, war gestern Ministerin Anke Spoorendonk, unter anderem zuständig für Europa, Nord- und Ostseeangelegenheiten, bei Blunk.

Was die Entwicklung moderner Konzepte zur Ausbringung von Gülle mit dem Nährstoffeintrag in die Ostsee und damit letztlich mit der Wasserqualität und ungetrübtem Badespaß zu tun hat, erschließt sich nicht auf den ersten Blick. Deswegen hat Schleswig-Holsteins Europaministerin Anke Spoorendonk jetzt das Rendswührener Lohnunternehmen Blunk besucht. Grund des Besuchs war ein sogenanntes Interreg-Projekt der Europäischen Union, in dem es um die Entwicklung einer europäische Strategie zum Schutz der Ostsee geht. Neben der Christian-Albrechts-Universität Kiel und dem Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) ist das Rendswührener Unternehmen seit einem halben Jahr als Wirtschaftsunternehmen Partner des Projekts.

„Gülle und Gär-Reste sind die wichtigsten Quellen für Ammoniak-Stickstoff-Emissionen in der Ostseeregion und tragen wesentlich zur Überdüngung der Gewässer und damit auch der Ostsee bei“, erklärte Spoorendonk. „Allein im Lohnunternehmen Blunk werden in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern über 1,1 Millionen Kubikmeter Gülle und Gär-Reste bewegt und umgeschlagen“, sagte Firmenchef Joachim Blunk. Dabei soll der Dünger im Idealfall restlos auf den Acker und nicht als flüchtiges Ammoniak in die Luft entweichen. Letzteres ist Gülle und Gär-Resten allerdings nur mit einigen technischen Tricks abzugewöhnen. Hilfe versprechen neue Techniken bei der Gülle- und Gärstoffausbringung. „Durch eine Ansäuerung der Düngestoffe mit Schwefelsäure lässt sich deren Säuregrad ideal einstellen. Dadurch wird wertvoller Stickstoff gebunden, und die Pflanzenverträglichkeit verbessert“, erklärte Blunks Projektbegleiter Philipp Staritz. Durch die Ansäuerungstechniken (SATs) würden Ammoniakverluste deutlich gesenkt, sagte der Fachberater. Außerdem trage die Technik zu einer deutlichen Steigerung der Wirtschaftlichkeit bei. Gegenüber herkömmlicher Ausbringung von Gülle über einen sogenannten Prallteller mit etwa 36 Prozent Effizienz oder der Ausbringung mit Schleppschläuchen, die immerhin einen Nutzungsgrad von etwa 60 Prozent erreicht, kommt das neue Verfahren auf rund 80 Prozent. Außerdem verbessere die Ansäuerung und Regelung des PH-Wertes die Pflanzenverträglichkeit.

„Ganz neu ist die Technik nicht“, sagte Staritz. So wird die Ansäuerung in Dänemark bereits seit einigen Jahren erfolgreich eingesetzt. Allerdings müssen für Deutschland andere Verfahrenstechniken entwickelt werden, da mit Schwefelsäure gearbeitet werde und andere rechtliche Rahmenbedingungen vorliegen. So kommen in Dänemark zugelassene „Frontsysteme“, die an den Schleppern angebracht werden, in Deutschland nicht infrage. Deswegen muss zunächst ein Prototyp für ein Kombifahrzeug entwickelt werden, das die Beimengung der Schwefelsäure zulässt. 2017 könnte s bereits mit ersten Ergebnissen gerechnet werden, meinte Joachim Blunk. „Das Projekt könnte Modellcharakter haben, der in den gesamten Ostseeraum ausstrahlt“, meinte Verwaltungsleiter Dr. Reinhold Stauß vom begleitenden LLUR.

„Immerhin sind allein 14 Partner aus sieben Ostseeländern beteiligt“, meinte Ministerin Spoorendonk. Die Entwicklung dürfte jedenfalls spannend werden, meinten die Beteiligten beim gemeinsamen Blick auf das Potenzial für die Landwirtschaft und die Umwelt. 
Nach der Visite in Rendswühren war die Ministerin in der Stadtbücherei in Neumünster. Seite 7





zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen