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Holsteinischer Courier

30. September 2016 | 15:26 Uhr

Erstaufnahme-Einrichtungen : Immer weniger Flüchtlinge in Neumünster

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Am Haart sind aktuell 283, in Boostedt noch 431 Asylsuchende / Neues Konzept bei der Beschulung

Neumünster | Nach Schleswig-Holstein kommen immer weniger Flüchtlinge. Wurden im August vergangenen Jahres noch 2739 Asylsuchende in den Erstaufnahmeeinrichtungen in Schleswig-Holstein registriert, waren es in diesem Jahr gerade 641. Im September meldeten sich bisher 276, im Vorjahr waren es im gesamten Monat 5137. Seit März sinken die Zugangszahlen gegenüber den Vergleichsmonaten 2015 deutlich.

In Neumünster war die Landesunterkunft am Haart am Dienstag mit 283 Personen zu 33 Prozent ausgelastet. Ursache für die geringe Zahl der Asylsuchenden war nach Auskunft von Ulf Döhring vom Landesamt für Ausländerangelegenheiten die Windpocken-Infektion eines Kindes Anfang des Monats. „Das Gesundheitsamt hat daraufhin untersagt, dass Kinder unter sechs Jahren, schwangere und potenziell schwangere Frauen hierher kommen“, sagt Döhring. Die Sperre wird in Kürze aber wieder aufgehoben. Dann rechnet Döhring mit einem Anstieg auf gut 500 Personen. Ausgelegt ist die Unterkunft für 850 Leute. In Boostedt mit einer Kapazität von 2000 Plätzen waren am Dienstag noch 431 Flüchtlinge untergebracht (Auslastung: 22 Prozent).

Trotz der im Vergleich zu Ende vergangenen Jahres geringen Zahlen hätten die Mitarbeiter des Landesamtes noch gut zu tun, sagt Ulf Döhring. Viele alte Fälle müssten abgearbeitet werden. „Wichtig ist, dass der Weg der Asylsuchenden am Ende nachvollziehbar dokumentiert werden kann.“ Daher gebe es vorerst beim Personalbestand keine Änderungen.

Anders sieht es beim Schulunterricht in den Einrichtungen aus. Mit Beginn des neuen Schuljahres hat das Land auch aufgrund der rückläufigen Zuwanderungszahlen seine Lehrer abgezogen und den Unterricht in den Erstaufnahmen per Kooperationsvereinbarung an Pädagogen und Sozialarbeiter der Landesarbeitsgemeinschaft der Wohlfahrtsverbände (LAG) übertragen. „Lehrer werden überall gebraucht, am meisten aber derzeit in den Daz-Zentren“, sagt Patricia Zimnik, Sprecherin des Bildungsministeriums in Kiel. Daz steht für „Deutsch als Zweitsprache“, ein Daz-Zentrum ist eine organisatorische Verbindung von mehreren Schulen, das schulartübergreifend und in einem dafür festgelegten Einzugsbereich Deutschkurse anbietet.

Der Zuschuss des Landes an die LAG, die vorher bereits die Nachmittagsbetreuung übernommen hatte, wurde dafür von 1,5 auf 2 Millionen Euro aufgestockt. „Obwohl sich die Aufenthaltsdauer auf drei Tage bis maximal zwei Wochen in den Unterkünften verringert hat, stellen wir damit die Schulpflicht ab dem ersten Tag sicher“, betont Patricia Zimnik. Rund ein Dutzend LAG-Lehrer gibt es für die noch aktiven Erstaufnahmen in Boostedt, Glückstadt, Kiel-Ravensberg, Rendsburg und am Haart.

Bemerkbar macht sich in der Landesunterkunft am Haart die Schließung der Balkanroute als Fluchtmöglichkeit. Die Zahl der Syrer sinkt weiter, liegt aktuell in Neumünster bei 92. Dafür steigt die Zahl der Afghanen (150), Armenier (116) und Russen (79). „Die neue Flucht-Route geht über Russland und den Ostblock“, sagt Ulf Döhring.

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erstellt am 16.Sep.2016 | 08:00 Uhr

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