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Holsteinischer Courier

01. Juli 2016 | 22:48 Uhr

Nachverhandlungen : Illegale Altkleidercontainer müssen weg

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Stadt hat den Vertrag mit dem Sammler Texaid nachverhandelt. Behälter von karitativen Organisationen können stehen bleiben.

Neumünster | Nach dem politisch umstrittenen Vertrag mit der Stadt hat die Firma Texaid die ersten zwei Altkleidersammelcontainer aufgestellt. Sie stehen auf dem Hinterhof der Neumünsteraner Tafel an der Kieler Straße. Weitere 48 Container werden im kommenden Jahr an den städtischen Wertstoff-Sammelplätzen aufgestellt.

Die Container haben einen Aufkleber, der die Tafel als Nutznießer der Texaid-Container ausweist. In Neumünster zahlt Texaid 250 Euro Jahresmiete an die Stadt, die Hälfte davon bekommt die Tafel als Spende. Ihr privater Vermieter an der Kieler Straße stiftet sogar den kompletten Betrag. 6500 Euro nimmt die Tafel so ein. „Mit der Geldspende können wir im Januar die Versicherung für unsere Kühlfahrzeuge bezahlen“, sagte die Tafel-Leiterin Christina Arpe.

SPD-Fraktionschef Uwe Döring hatte die Stadt für den „schlecht gemachten Vertrag“ in der Ratsversammlung gerügt und Nachverhandlungen, besser noch die Kündigung gefordert. Die fünf großen Wohlfahrtsverbände hatten sich der Kritik angeschlossen. Die Stadt habe Exklusivrechte an ein profitorientiertes Unternehmen vergeben, lautete die Kritik.

Manfred Rieß, Bereichsleiter von Texaid in Deutschland, wehrt sich gegen die Vorwürfe. „Wegen uns wird kein Container von karitativen Organisationen abgezogen“, sagte er zum Courier. In Nachverhandlungen mit der Stadt habe Texaid auf die übliche Klausel über einen Wettbewerbsausschluss zugunsten der karitativen Träger wie etwa dem DRK verzichtet. „Unser eigener Ansatz ist ja schon karitativ, auch wenn wir ein ganz normales gewerbliches Unternehmen sind“, sagte Rieß. Dass getragene Kleidung auch ins Ausland verkauft werde, sei branchenüblich, räumte Rieß mit einem „alten Ammenmärchen“ auf. Das Rote Kreuz mache nichts anderes und arbeite ebenfalls mit gewerblichen Abholern zusammen.

Quasi als Morgengabe hat Texaid der Stadt zudem die Standorte von 30 illegal aufgestellten Sammelcontainern mitgeteilt, sagte der Leiter des Technischen Betriebszentrum, Ingo Kühl. „Die werden jetzt von der Stadt eingezogen. Davon profitieren auch die Wohlfahrtsorganisationen – und das Stadtbild“, sagte Kühl.

Rieß ist wie Christina Arpe der Ansicht, dass die Bürger „mündig genug sind, zu entscheiden, wem sie ihre Kleiderspende zukommen lassen“. Christina Arpe versteht die große Aufregung nicht. Sie empfahl Uwe Döring und anderen Kritikern, „nicht über die Tafel, sondern mit der Tafel zu reden. Gut erhaltene Kleidung, die bei uns abgegeben wird und keinen Abnehmer findet, geben wir an die Awo, den DRK-Laden Jacke wie Hose oder das Sozialkaufhaus der Diakonie weiter“, sagte Christina Arpe. „Das haben wir schon immer so gemacht. Das Netzwerk funktioniert.“

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