zur Navigation springen

Holsteinischer Courier

26. März 2017 | 19:13 Uhr

Bordesholm : Ihre Lieder wecken Erinnerungen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Ulla Meinecke gab vor 130 Zuhörern ein Konzert im Savoy in Bordesholm. Die Liedermacherin der 80er-Jahre verzichtete auf Glitzer.

Bordesholm | Eine musikalische Zeitreise bot am Sonnabend die Musiksparte des Bordesholmer Savoy-Kinos mit dem Konzert von Ulla Meinecke. Vor rund 130 Besuchern zeigte die heute 63-Jährige, dass sie sich – wie sie berichtete – nach längerer Krankheit wieder in Hochform befindet. Mit ihren Liedern weckte die Künstlerin beim Publikum zahlreiche Erinnerungen. Denn die sich überwiegend jenseits des 50. Geburtstages wähnenden Zuhörer sind mit ihrer Musik erwachsen geworden.

Liebe, Musik und Schlaf – das ist das Credo von Ulla Meinecke. Die Liedermacherin, die in den 80er-Jahren zu den erfolgreichsten Vertreterinnen der deutschen Popmusik gehörte, verzichtete auf Glitzer auf der Bühne und erzählte stattdessen Geschichten.

Dabei gab sie nachdenklich-skurrile Einblicke in ihre Sicht der Dinge, ohne belehrend zu wirken, oft mit einem verschmitzten Augenzwinkern, manchmal etwas böse, doch immer poetisch und charmant.

Begleitet von den Multi-Instrumentalisten Ingo York und Reinmar Henschke, die mit teils sehr ungewöhnlichen Instrumentierungen aufwarteten, wurden denn auch gleich im Stück „Schlendern ist Luxus“ frühere Gefühle und Erinnerungen an Liebesbeziehungen oder Feiern wiedererweckt.

Dabei erklang Ulla Meineckes warme Stimme immer noch kräftig, einnehmend, eindringlich – wunderbar geeignet, Geschichten zu singen und zu erzählen. „Ein Abend wie Seide“, so die Textzeile eines Liedes – es wurde ein seidiger Abend.

Die Herren, die ihre Partnerinnen begleiteten, legten den Arm um die Schulter ihrer Liebsten oder ergriffen ihre Hand, wenn Ulla sang. Und besonders beim Titel „Wenn zwei zueinander passen“ war sehr viel Innigkeit im Raum zu spüren. Denn die permanente, manchmal lebenslange Suche nach der Zwillingsseele, einer Beziehung, dem Ich-Sein – diese Themen haben sich im Vergleich zu früher nicht verändert. Auch deshalb wurden in den Reihen des Publikums wohl Zeilen aus Liedern wie „Frau nach Mitternacht“ oder „Ein Schritt vor und zwei zurück“ textsicher mitgesungen.

„Sie ist absolut authentisch. Da wird nichts beschönigt oder weggedrückt. Das finde ich an ihr so toll“, sagte Karin Schmidt (54) begeistert über die Künstlerin. Fazit: Ulla Meinecke bekennt sich selbstbewusst zu ihrem Alter und zu ihrem gelebten Leben.

Sie beweist Humor und ist sich nicht zu schade, Anekdoten auf eigene Kosten preiszugeben. So erzählte sie unter anderem vom apokalyptischen Anti-Aging-Wahn der heute 30-jährigen Frauen. Ulla steht zu ihren Falten. Mit 63 Jahren weiß sie: „Das nützt alles nichts.“ Viele Frauen mussten hier schmunzeln und dankten ihr im Stillen für diese wahren Worte.

Und so wird dieser Abend, der mit lautstarkem Applaus endete, den Besuchern in guter Erinnerung bleiben – und so mancher wird zuhause wohl auch wieder einmal die Alben „Löwen“ oder „Der Stolz italienischer Frauen“ rauskramen.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen