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50 Jahre Pastorinnen : „Ich stand mit 29 Jahren hier und fand die Situation beklemmend“

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

100 Kirchgänger nahmen am Radiogottesdienst in der Anscharkirche teil.

Neumünster | Besonders laut ist es in einer Kirche während des Gottesdienstes ja eigentlich nie. Doch gestern in der Anscharkirche war es zwischen den Liedern und Gebeten geradezu mucksmäuschenstill. Denn die Andacht, die unter dem Thema „50 Jahre ordinierte Pastorinnen“ stand, wurde als Livesendung vom NDR übertragen.

Gestaltet wurde die feierliche Stunde dabei von den Pastorinnen Angelika Doege-Baden-Rühlmann und Ute Schöttler-Block sowie Petra Preuß, Astrid Pfau und Pastor Stefan Bemmé. Sie alle erinnerten an das historische Ereignis, bei dem vor fünf Jahrzehnten, also im April 1967, sieben Frauen in der Anscharkirche als erste Pastorinnen in der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Schleswig-Holstein offiziell in ihr Amt eingeführt wurden. Bis dahin hatte es das nicht geben, obwohl bereits der Reformator Martin Luther der Auffassung war, dass Christinnen und Christen in der Ausübung ihres Glaubens gleichgestellt seien. „Dennoch brauchte es nahezu 500 Jahre, um das auch in die Praxis umzusetzen. Und das, obwohl Frauen in der biblischen Geschichte immer mutig in der ersten Reihe standen“, führte Angelika Doege-Baden-Rühlmann unter anderem aus. Und Stefan Bemmé unterstrich die partnerschaftliche Gleichberechtigung von Pastorinnen und Pastoren.

Aus ihren persönlichen Erfahrungen berichtete Ute Schöttler-Block. „In diesem Jahr bin ich seit 30 Jahren Pastorin. Aber als ich das Theologiestudium aufnahm, kannte ich keine Pastorin. Im Priesterseminar war ich Anfang der 80er-Jahre unter 50 Männern noch die einzige Frau“, berichtete sie.

An solche Situationen erinnerte sich auch Dr. Brigitte Strecker noch lebhaft. Die heute 79-Jährige, die aus Düsseldorf zum Jubiläum angereist war, gehörte damals zu der Gruppe der sieben ordinierten Pastorinnen. „Ich stand mit 29 Jahren hier und fand die Situation beklemmend. Denn ich damals hatte keine Ahnung von den herrschenden Widerständen“, erzählte die ehemalige Schülerin der Klaus-Groth-Schule der Radioreporterin Claudia Aue.

Begleitet wurde die feierliche Stunde zudem mit eigens dafür komponierten Stücken des Kantors Sven Thomas Haase, der damit gemeinsam mit Kati Frolian (Klarinette) und Lukas Meyer-Lindner für den musikalischen Rahmen sorgte.


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