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Holsteinischer Courier

27. September 2016 | 14:07 Uhr

Vorwürfe gegen Züchter : Hunde müssen zur Speichelprobe

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Illegale Hundezucht? In Neumünster häufen sich Beschwerden von Labrador-Haltern, deren Tiere krank sind. Der Züchter bestreiten Vorwürfe.

Neumünster | Als die heute achtjährige Labradorhündin Yanny wenige Monate alt war, wurde ihr Gang unsicher. Immer wieder sprachen Spaziergänger die Neumünsteraner Besitzer auf das humpelnde Tier an. Yannys Bruder Sam bekam fast zeitgleich Probleme mit den Zähnen. Weitere Untersuchungen zeigten außerdem gravierende Gelenkschäden. Beide Tiere sind schwer krank und mittlerweile Gegenstand eines umfangreichen Ermittlungsverfahrens, das die Kieler Staatsanwaltschaft gegen die Züchter aus einer Gemeinde in der Nähe von Neumünster führt. Der Anfangsverdacht: gewerbsmäßiger Betrug.

„Unser erster Eindruck von dem Züchterpaar war eigentlich positiv“, erzählten die Besitzer von Yanny. Doch das änderte sich, als der junge Labrador erkrankte und die Neumünsteraner die Verkäufer auf die Misere ansprachen. „Wir wurden beschimpft. Man sagte uns, wir hätten Yanny falsch behandelt“, berichteten die Hundebesitzer. Der Tierarzt verschrieb Schmerzmittel und diagnostizierte eine Ellenbogendysplasie – eine chronische Erbkrankheit, die zu Versteifungen führt. Wenig später musste Yanny operiert werden. Mittlerweile sind auch die Hüften des Hundes betroffen. Sein Herrchen hat ihm eine Einstiegs-Rampe aus Holz gebaut, damit Yanny problemlos ins Auto steigen kann. Das Ehepaar weiß längst, an welcher Stelle es seinen Hund tunlichst nicht anfassen sollte, damit er keine Schmerzen leidet. Den Agility-Sport, bei dem die Tiere Hindernisse überwinden müssen, hat das Herrchen mit seinem Labrador längst aufgeben müssen. Yanny macht jetzt Fährtenarbeit. Auf den horrenden Tierarztkosten bleiben seine Besitzer nach wie vor sitzen. An eine eigene Zucht ist trotz Yannys lückenloser Ahnengalerie nicht zu denken.

Nachforschungen der Hundehalter bei Zuchtverbänden liefen offenbar ins Leere. „Dort konnte man uns auch nicht helfen, als wir den Stammbaum überprüfen wollten“, so die Neumünsteraner. Mittlerweile wissen sie von einer Vielzahl weiterer betroffener Hundefreunde, die alle kranke Welpen aus derselben Zucht gekauft haben sollen.

Auch Yannys Bruder Sam ist seit Jahren mit schweren Gelenkentzündungen sowie Zahnfehlstellungen in Behandlung. Fast 3000 Euro hat seine Besitzerin dafür ausgegeben, Tendenz steigend. Doch sie hängt an dem Rüden. „Er soll nicht leiden müssen“, sagt sie. Sie hat auf Anraten ihres Tierarztes die Daten ihres Hundes an die Polizei gegeben, um zur Aufklärung der Sache beizutragen. Mittlerweile musste Sam bei der Polizei eine Speichelprobe abgeben, damit seine verwandtschaftlichen Verhältnisse ausgewertet werden können.

Oberstaatsanwalt Manfred Schulze-Ziffer bestätigte auf Nachfrage, dass „ein Ermittlungsverfahren gegen zwei Beschuldigte wegen des Anfangsverdachts des gewerbsmäßigen Betrugs geführt“ wird. „Sie sollen Hunde verkauft haben, die möglicherweise mit Erbkrankheiten belastet waren und den Mangel verschwiegen haben“, so der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft in Kiel. Untersucht werde der Zeitraum ab 2009. „Alles andere wäre schon verjährt“, sagte der Jurist. Aber auch ältere Fälle werden zur Gesamteinschätzung herangezogen. „Es handelt sich um eine bisher unbestimmte Vielzahl von Fällen. Die Ermittlungen dauern noch an“, hieß es. Bereits im Juli war das Anwesen der Züchter durchsucht worden. 30 Hunde wurden damals überprüft (der Courier berichtete).

Die zuständige Amtstierärztin wollte sich mit Blick auf das laufende Verfahren, in das sie als Sachverständige involviert ist, derzeit nicht äußern.

Das Züchterpaar ließ über seine Anwältin ausrichten, ein Betrugsvorwurf sei „völlig absurd. Nach meinem bisherigen Kenntnisstand wurden alle Zuchthunde vor dem Zuchteinsatz auf HD (Hüftdysplasie) und ED (Ellenbogendysplasie) geröntgt. Die eingesetzten Zuchttiere waren laut der tierärztlichen Auswertung HD- bzw. ED-frei. Die HD- bzw. ED-Auswertung der einzelnen Zuchttiere ergibt sich aus den Ahnentafeln, die vom Zuchtverband ausgestellt werden. Besser kann eine Hundezüchterin ihre Sorgfaltspflichten überhaupt nicht erfüllen“, so Rechtsanwältin Verena S. Rottmann. Sie kritisierte das „unverhältnismäßige Vorgehen der Staatsanwaltschaft“ und warf der Polizei vor, Welpenkäufer zu Negativaussagen genötigt zu haben.

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erstellt am 19.11.2014 | 17:00 Uhr

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