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Holsteinischer Courier

29. September 2016 | 13:46 Uhr

Altlasten in Neumünster : Holsten-Galerie: Giftstoffe im Grundwasser

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Schädliche Stoffe fließen vermutlich vom Bahngelände ein. Eine Sanierung ist aber vorerst nicht nötig.

Neumünster | Der Bauplatz zur Holsten-Galerie ist offenbar mit Giftstoffen belastet. Bei Routineuntersuchungen stießen Experten auf deutlich überhöhte Werte so genannter leichtflüchtiger halogenierter Kohlenwasserstoffe (LHKW) im Grundwasser. Entsprechende Messungen bestätigte ECE-Bauleiter Georg Monheim gestern gegenüber dem Courier. Die erhöhten Schadstoffwerte hätten aber kaum Auswirkungen auf die Bauarbeiten, versicherte Monheim. Eine Bodensanierung ist offenbar nicht notwendig.

Die von ECE beauftragten Umweltexperten machten im Untergrund unter dem Parkhaus-Bauplatz an der Kaiserstraße eine bis zu 70 Meter breite Schadstofffahne aus, die sich in sieben bis zehn Metern Tiefe bis zur Fabrikstraße erstreckt. Bei den Bohrungen stießen die Experten auf eine Chemikalien-Konzentration von bis zu 1000 Mikrogramm pro Liter.

Zum Vergleich: Ab 50 Mikrogramm pro Liter wird von den Behörden eine Sanierung erwogen. Die halogenierten Kohlenwasserstoffe wie etwa Perchlorethylen können innere Organe wie Nieren oder Lungen schädigen und stehen stark im Verdacht, krebserregend zu wirken.

Der Stadt ist das Problem dieser weit verbreiteten Industrie-Chemikalien nicht neu: Substanzen dieser Gruppe werden etwa als Lösungsmittel in der chemischen Reinigung oder bei der Metallentfettung verwendet. Ähnliche Boden- und Grundwasserbelastungen gab es in der Vergangenheit auf dem ehemaligen AEG-Gelände an der Schillerstraße oder dem Areal der Vereinigten Aluminiumwerke (VAW) an der Hauptstraße. Bevor dort ein neues Wohngebiet entstand, waren die Schadstoffe über Jahre mit Spezialpumpen aus dem Grundwasser gefiltert worden.

Im Falle Kaiserstraße sei eine solche Sanierung derzeit allerdings nicht sinnvoll, erklärte gestern der Leiter des städtischen Fachdienstes Umwelt, Heinrich Kautzky. Eine akute Gefährdung des Trinkwassers sei wegen der Fließrichtung im Untergrund nicht gegeben, unterstrich Kautzky. Eine effektive Filterung des Grundwassers sei zudem erst möglich, wenn die Quelle der Belastung ausgemacht sei. Die vermutet die Stadt auf dem Güterbahnhofsgelände, irgendwo nördlich vom Bahnhof. Die Bahn fahndet in Abstimmung mit der Stadt seit längerem mit Bohrungen in bis zu 40 Metern Tiefe nach dem Zentrum der Belastungen. „Wir hoffen, die Quelle in diesem Jahr einkreisen zu können“, sagte Kautzky.

ECE-Bauleiter Georg Monheim gab sich gestern nach dem ersten Schreck gelassen über die Mess-Ergebnisse: „Wir bleiben über dem kritischen Level von sieben bis zehn Metern und fassen das Grundwasser nicht an.“ Nur wenn die Tiefbauer den Grundwasserspiegel absenken, also das Wasser an die Oberfläche pumpen, wären sie zur Reinigung verpflichtet.

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erstellt am 13.Mai.2014 | 06:45 Uhr

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