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Holsteinischer Courier

11. Dezember 2016 | 03:25 Uhr

Theater in der Stadthalle : Hohe Erwartungen wurden nur zum Teil erfüllt

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

350 Zuschauer sahen im Theater das Stück „Unwiderstehlich“.

Neumünster | Es ist eine Binsenweisheit: Die Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft. Wie dieses „Othello-Syndrom“ funktioniert und was es anrichten kann, war am Mittwochabend im Theater in der Stadthalle zu sehen. 350 Zuschauer wurden in einer verbalen Psycho-Schlacht Zeugen, wie ER und SIE ihre Beziehung in den Abgrund und sich selbst an den Rand des Irrsinns treiben.

Fabrice Roger-Lacan (Enkel eines berühmtem Psychiaters!) ist der Autor des Zwei-Personen-Stücks „Unwiderstehlich“ (im Original: „Irrésistible“), das 2007 am Renaissance-Theater Berlin mit Anika Mauer und Boris Aljinovic seine erfolgreiche deutsche Erstaufführung hatte. Die beiden stellten auch bei ihrem Gastspiel in Neumünster den Mechanismus der Eifersucht in allen Facetten dar. Sie sparten nicht mit Herabsetzung des Partners und übersteigerten Selbstzweifeln; sie werfen mit Verdächtigungen, Erniedrigungen, Demütigungen nur so um sich; sie begingen Grenzüberschreitungen und übten sich in Selbstzerfleischung.

Was treibt sie dazu? ER ist Jurist und gerade mit einem äußerst abstrusen Fall von „Kannibalismus“ befasst; SIE ist eine erfolgreiche Verlagslektorin; beide lieben sich, begehren sich und passen gut zu einander. Doch eines Abends, als SIE von einer Besprechung mit einem berühmten Schriftsteller, der in dem Ruf steht, ein „Frauenfresser“ zu sein, zurückkommt, versucht ER hartnäckig-inquisitorisch von ihr zu erfahren, ob dieser „unwiderstehliche“ Mann bei ihr „unwiderstehliches“ Verlangen erregt habe.

Mit unnachgiebiger und perfider Dialektik, weniger mit ironischen oder amüsanten Passagen, seziert Roger-Lacan die Liebe des Paares. Bei Boris Aljinovic sitzt der Feind in seinem eigenen Kopf, und man kann sehen, wie er zwanghaft immer weiter „am Rad“ drehen muss, wie die Zweifel von ihm Besitz ergreifen, wie er SIE dazu bringt etwas zu „gestehen“, was es nicht zu gestehen gibt. Anika Mauer reagierte auf ihn in Körpersprache und Mimik sehr differenziert und folgerichtig – zunächst erstaunt und amüsiert, dann irritiert, verärgert, geschockt. SIE packt ihre Koffer!

„Unwiderstehlich“ ist ein Kammerspiel, dessen Text streckenweise sehr bemüht und konstruiert wirkt. Es ist ein streng gebautes Dialog-Stück, in dem es selten laut wird. Gerade deshalb hätte man so gerne jedes Wort verstanden, um in die seelischen Abgründe der Protagonisten besser eintauchen zu können. Regisseur Antoine Uitdehaag, Anika Mauer und Boris Aljinovic erzeugten mit der Einstiegsszene viel Spannung und eine große Erwartungshaltung, die aber nicht recht erfüllt wurde.

Interessant wurde es noch einmal zum Schluss, als SIE (nach zehn Monaten) zurück kommt und das Psycho-Spiel erneut beginnt – nun aber mit vertauschten Rollen. Dass ER und SIE sich letztlich gegenseitig immer noch „unwiderstehlich“ finden, zeigte das Schlussbild. Viel Applaus für das Schauspieler-Paar!

 

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