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Holsteinischer Courier

07. Dezember 2016 | 23:25 Uhr

Modellprojekt : Hilfe für psychisch kranke Gefangene

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Justizvollzugsanstalt hat jetzt eine psychiatrische Tagesklinik / Medizinisches Personal kommt vom Zentrum für Integrative Psychiatrie

Neumünster | Die Justizvollzugsanstalt an der Boostedter Straße ist mit ihrer gestern offiziell eröffneten psychiatrischen Tagesklinik einmal mehr Modellprojekt und Vorreiter für einen modernen Strafvollzug im Norden. Bis zu 20 psychiatrisch erkrankte Strafgefangene können in der neuen Abteilung behandelt und betreut werden. Zwei Patienten gibt es zurzeit.

„Fast jede Diagnose ist vertreten“, sagt Prof. Dr. Christian Huchzermeier, der leitende Psychiater vom Zentrum für Integrative Psychiatrie in Kiel. Die Tochter des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein stellt das medizinische Fachpersonal: Drei Ärzte, drei Psychologen, 6,5 Stellen in der Pflege, dazu Ergotherapeuten. In der JVA haben sich neben der Vollzugsleiterin und einer Sozialpädagogin zehn Beamte aus dem allgemeinen Vollzugsdienst freiwillig für die nicht ganz leichte Aufgabe gemeldet. „Ich wollte an etwas Neuem mitmachen und sehen, wie kranken Gefangenen hier geholfen wird“, sagte Lutz Gohlisch (43), der seit elf Jahren Beamter im Justizvollzug ist.

Der hohe Personalschlüssel zeigt, wie wichtig man die Aufgabe nimmt. „Hier steht uns nicht nur mehr Know-How, sondern auch mehr Personal zur Verfügung“, sagte Anstaltsleiterin Yvonne Radetzki. Die Finanzierung des Modellprojekts mit dem Kieler ZIP sei für zunächst drei Jahre gesichert. „Solche Abteilungen haben bislang nur die Länder Brandenburg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen“, sagte Justizstaatssekretär Eberhard Schmidt-Elsaeßer und nannte die Tagesklinik einen „weiteren Baustein für die Umsetzung des Landesvollzugsgesetzes“.

Die Zahl der Häftlinge mit Depressionen, Angststörungen oder ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom und Hyperaktivität) nimmt zu. „Alles, was sich in Freiheit kaschieren lässt, tritt hier in der Haft zu Tage“, sagte Huchzermeier. Auch Drogenabhängigkeit spiele dabei eine Rolle.

Im Ministerium geht man von etwa 50 Häftlingen mit psychiatrischen Behandlungsbedarf aus. 20 Plätze gibt es in Neumünster. „Das passt nicht ganz, aber die Gefangenen sollen in Neumünster auf den Regelvollzug vorbereitet werden“, sagte Schmidt-Elsaeßer. Die medizinische und psychotherapeutische Behandlung umfasst auch Fertigkeitentraining und Entspannungsverfahren. JVA-Chefin Yvonne Radetzki: „Die Gefangenen sollen sechs bis acht Wochen hier sein und dann in ihre ursprüngliche Haftanstalt zurückverlegt werden.“ Möglich wurde die Tagesklinik in der Abteilung des früheren Jugendvollzugs, weil dort die Belegung deutlich zurückgegangen ist. Haus D ist aber nur ein Provisorium. „Es ist ein Neubau im dann neuen Haus B geplant, das soll 2020 fertig sein“, kündigte Schmidt-Elsaeßer an. Haus D soll dann wieder für den Jugendvollzug genutzt werden.

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erstellt am 02.Nov.2016 | 08:30 Uhr

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