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Holsteinischer Courier

09. Dezember 2016 | 18:33 Uhr

Jubiläum : Heilpädagogik neben dem Job gepaukt

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Fachschule an der Elly-Heuss-Knapp-Schule besteht seit 25 Jahren / Empfang im Kiek In / Schüler und Lehrer tauschten Erinnerungen aus

Neumünster | Manche Frauen in gestandenem Alter umarmten sich fröhlich, alte Fotos wurden lachend beguckt, und auch der ehemalige Schulleiter, Dr. Volker Pudzich, wurde herzlich begrüßt: Die Fachschule für Heilpädagogik an der Elly-Heuss-Knapp-Schule feierte ihr 25-jähriges Bestehen gestern mit einem Empfang im Kiek In. Unter den rund 60 Gästen waren neben Pudzich auch der ehemalige EHKS-Leiter Ulrich Wiethaup.

„Wir sind damals von absolut Null gestartet, alles haben wir von Grund auf aufgebaut. Das war Pionierarbeit“, erinnerte sich Pudzich, der als junger Lehrer an die EHKS kam und die Aufgabe hatte, das neue Konzept der Ausbildung zu entwickeln. Neu war nicht die Heilpädagogik an sich, sondern die EHKS bot als erste Schule im Land die berufsbegleitende Ausbildung an. „Bisher gab es eine Vollzeit-Ausbildung, dafür mussten die Schüler einen sicheren Arbeitsplatz aufgeben und waren für eineinhalb Jahre raus. Eine berufsbegleitende Ausbildung über drei Jahre bedeutete, neben dem Job zu lernen. Wichtig war, dass es so eine enge Verzahnung von Praxis und Theorie gab, die enorme Lernfortschritte brachte“, erläuterte Pudzich, der die neue Fachschule bis 2003 leitete.

Wer Heilpädagoge werden wollte, musste bereits Sozialpädagoge, Erzieher oder Heilpfleger gelernt haben. Schwerpunkt ist die Arbeit mit Menschen mit Beeinträchtigungen jeglicher Art, zum Beispiel bei der Frühförderung von Kita-Kindern, in Wohnheimen und Werkstätten für Menschen mit Behinderung und ähnlichen Einrichtungen. Inhaltlich ermitteln Heilpädagogen den Bedarf der Förderung und helfen ihren Schützlingen mit Psychomotorik, Rhythmik und Musiktherapie. Sie gestalten, machen heilpädagogische Spiele, erklärte Dr. Martin Stahlmann, der heutige Leiter der Fachschule. „Dafür muss man neugierig sein auf die Vielfalt von Menschen, die Herausforderung annehmen, die Arbeit mit Menschen mit sich bringt, die beeinträchtigt sind. Man braucht Ausdauer, ein gutes Netzwerk im Hintergrund“, betonte er.

Während der Ausbildung hieß es damals wie heute, die Doppelbelastung von Beruf und Lernen durchzustehen, nach Feierabend zu büffeln, auch weite Anfahrten in Kauf zu nehmen. Doch die Ehemaligen schwärmten: „Das war die beste Ausbildung, die ich je hatte“, sagte Monika Giese (65), die dem ersten Jahrgang angehörte. Sie war damals stellvertretende Heimleiterin des Kolpinghauses, einem heilpädagogischen Kinderheim. „Lernende und Lehrende waren auf einem Niveau, so, wie man sich Schule wünscht. Aber es war auch anstrengend. Viele Kollegen hatten Kinder und Familie. Auch die Sache mit den Arbeitgebern, die einen freistellen mussten, war nicht immer einfach“, erinnerte sie sich. Doch letztendlich habe es sich gelohnt: „Fast alle aus meinem Jahrgang sind in führende Positionen gegangen.“

Heilpädagogik sei Pädagogik unter erschwerten Umständen: „Man muss den Menschen so akzeptieren, wie er ist, sehr genau hinschauen, sich auf das Tempo des Gegenübers einlassen und sich auf den Einzelnen einlassen.“ Viele Erinnerungen kamen hoch. „Es war lustig, gemütlich und lehrreich. Einmal sollten wir im Kunstunterricht zu Musik eine Traumreise schweigend malen. Aber das mit dem Schweigen klappte nicht“, erinnerten sich Gesche Kubitzky (64) aus Faldera, Susanne Warnow (62) aus Groß Vollstedt, Ina Hoepfner (51) aus Lübeck und Grit Bey (49) aus Boostedt lachend. Sabine Stein (59) aus Bad Segeberg fand die langen Anfahrten nicht so schlimm – im Gegenteil: „Wir bildeten eine Fahrgemeinschaft, und die Neumünsteraner haben uns beneidet, denn wir konnten uns im Auto ganz viel austauschen.“ Der Zusammenhalt war gut: „Ich habe mitten in der Ausbildung meinen Sohn bekommen. Ohne die Unterstützung meiner Mitschüler hätte ich das nicht so hingekriegt“, sagte Grit Bey.

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erstellt am 09.Okt.2016 | 07:00 Uhr

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