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Holsteinischer Courier

08. Dezember 2016 | 19:05 Uhr

Investoren sind abgesprungen : Grundstück zu teuer: Campus gescheitert

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Ein neues Gutachten hat einen fast zehnfachen Wert des Grundstücks an der Memellandstraße ermittelt.

Neumünster | Die Pläne für einen Campuspark an der Memellandstraße (der Courier berichtete) sind vom Tisch. Investor Thomas Hüstreich von der Stadtparkviertel-Entwicklungsgesellschaft (SEG) aus Eutin und sein Berater Uwe Döring verkündeten gestern das Aus für das 30-Millionen-Projekt. Grund ist ein von Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras in Auftrag gegebenes Preisgutachten, das den Wert des gut 26  000 Quadratmeter großen Geländes der ehemaligen Standortverwaltung mit rund 1,4 Millionen Euro beziffert. Ursprünglich wollte der OB das Areal, das die Stadt für 100  000 Euro von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) gekauft hatte, für 150  000 Euro an die SEG veräußern.

Tauras hätte den Verkauf im Rahmen seiner Verfügungsgewalt auf eigene Kappe nehmen können, gab die Projektunterlagen Ende Juni aber dem Hauptausschuss zur Kenntnis. Dort gab es mit Blick auf den Quadratmeterpreis von nur rund 5 Euro Rückfragen, unter anderem von Hauke Hahn (CDU) und Sebastian Fricke (Grüne). Der OB entschied sich, sicherheitshalber ein neutrales Wertgutachten zu erstellen, auch um Probleme mit der Kommunalaufsicht zu vermeiden (der Courier berichtete). Die neuerliche Expertise kam dann zu dem Urteil, das Grundstück sei fast zehnmal so viel wert.

Diese Beurteilung nannten Döring und Hüstreich gestern vor der Presse „unseriös“. Die Gutachter hätten den Marktwert anhand der Campus-Pläne und nicht der vorhandenen Gegebenheiten ermittelt. „Hätten wir einen Raketenstartplatz geplant, wäre das Gelände dann wohl Milliarden wert gewesen“, unkte Hüstreich. Einen Quadratmeterpreis von 120 Euro für ein Waldgebiet zu veranschlagen, sei schon bedenklich. „Der Wert ist nur dadurch gestiegen, dass wir vor Vertragsunterzeichnung an die Öffentlichkeit gegangen sind. Wir wollten das Projekt frühzeitig vorstellen und hatten bereits die mündliche Zusage für den Kauf des Grundstücks. Ein Notartermin für die Vertragsunterzeichnung war kurzfristig vorgesehen“, sagte Döring. Und er betonte: „Uns ging es darum, für die Studenten und die Stadt eine kostenfreie Ausbildung im Gesundheitsbereich zu ermöglichen. Die Einnahmen aus der Vermietung hätten wir dafür genutzt.“

Nun seien vier Jahre Arbeit für den Papierkorb, denn der neue Kaufpreis sei deutlich zu hoch. „Drei Jahre wollten wir den Campuspark auf dem Gelände der Hindenburg-Kaserne realisieren, ein Jahr lang an der Memellandstraße“, so Döring. Und er fügt an: „Wir hatten schon einen Vertrag mit dem University College Syddanmark und gute Gespräche mit der Uni Lübeck.“ Auch das Innenministerium habe das Projekt wohlwollend gesehen. Durch das Vorgehen würden Investoren in Neumünster künftig abgeschreckt, merkte er bitter an: „Die werden ja schon gezwungen, ihre Pläne intransparent zu machen.“ Das Duo will das Projekt nun woanders umsetzen; wo das sein werde, verriet es gestern nicht.

Auch Olaf Tauras äußerte sich gestern enttäuscht über das Aus für das Projekt. „Das hätte ich schon sehr gern in Neumünster gehabt“, sagte er dem Courier. Er könne verstehen, dass der rund zehnfache Preis für die Investoren nicht mehr attraktiv sei. Die Gutachter
hätten aber ermittelt, dass allein die öffentliche Ankündigung, dass dort ein Großprojekt geplant ist, den Preis in die Höhe getrieben habe. Oberbürgermeister Tauras: „Ich war kurz davor, einen Rechtsverstoß zu begehen. Der Verkauf zu dem niedrigeren Preis hätte vermutlich gegen das EU-Behilferecht verstoßen. Jetzt sind wir zwar rechtssicher, aber der Campus kommt nicht.“ Die Stadt werde jetzt andere Pläne für das Grundstück an der Memellandstraße entwickeln.

Kommentar: Eine gute  Chance vertan

Clever hat da keine Seite agiert. Seit Jahren wird über den Hochschulstandort Neumünster geredet, nun war er zum Greifen nah. Doch bei der Umsetzung wurde organisatorisch unklug gehandelt. Hätte die SEG das Gelände direkt von der Bima gekauft oder zunächst den Vertrag mit der Stadt unterzeichnet und wäre dann an die Öffentlichkeit gegangen, wäre im Frühjahr vielleicht schon Baustart gewesen. Hier wurde eine gute Chance für einen Campus auf absehbare Zeit vertan. Aus diesem Fehler müssen beide Seiten  lernen. (cli)

 

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erstellt am 08.Okt.2016 | 06:00 Uhr

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