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Holsteinischer Courier

08. Dezember 2016 | 15:27 Uhr

Lange Wartezeiten : Granate löste ein Bahn-Chaos aus

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Hunderte Reisende strandeten auf dem Weg nach Hamburg auf dem Bahnhof.

Neumünster | Mitten im Berufsverkehr musste gestern Morgen die Bahnstrecke zwischen Neumünster und Hamburg komplett gesperrt werden. Knapp drei Stunden ging hier nichts mehr. Für hunderte Reisende war die Fahrt deshalb in Neumünster erst einmal zu Ende. Schuld an der Misere war laut Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis eine Granate aus dem Zweiten Weltkrieg, die um 8.49 Uhr bei Gleisbauarbeiten in Wrist (Kreis Steinburg) in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs am Bahnübergang Wittenkampsweg entdeckt worden war. Sofort wurden alle Züge zwischen Elmshorn und Neumünster gestoppt.

Wenig später herrschte auf den Bahnsteigen in Neumünster bereits dichtes Gedränge. Wer von Flensburg kam und in Richtung Hamburg weiterwollte, musste hier ebenso aussteigen wie die Reisenden, die von Kiel aus in Richtung Süden unterwegs waren. Die Ehepaare Bauer und Angelbeck aus Kiel waren um 8.21 Uhr in Kiel mit ihren vier Fahrrädern in den Zug gestiegen. Mit zwei weiteren Freunden wollten sie sich in Hamburg treffen und von dort gemeinsam per Zug nach Freiburg im Breisgau fahren. Eine Urlaubstour bis nach Frankreich war geplant. „Es ist alles reserviert. Das können wir jetzt ja vergessen“, lautete ihr Resümee gut eine Stunde später. Da standen sie immer noch ohne Aussicht auf ein schnelles Weiterkommen in Neumünster.

Viele Reisende waren bereits mit einem Zug der Nordbahn über Bad Oldesloe Richtung Hamburg gefahren. „Aber das waren nur zwei Waggons, und hunderte Leute wollten da hinein. Da hatten wir mit unseren Rädern keine Chance“, berichtete das gestrandete Quartett gegen 10 Uhr. Auch im zweiten Zug nach Bad Oldesloe fanden die Kieler wegen der Überfüllung keinen Platz.

Rainer Dose aus Tungendorf wollte gestern ebenfalls mit seinem Rad in den Zug steigen, um sich in Bremen mit einem Freund zur Radtour zu treffen. „Der einzige Zug, mit dem ich hier heute im Bahnhof gefahren bin, ist der Aufzug“, sagte der 53-Jährige und schwang sich am Vormittag lieber in den Sattel, um erst mal ein Stück gen Süden zu radeln. Das war für Mareike (25) und ihren Lebensgefährten keine Option. Das Paar aus Neumünster wollte nach Paris fahren. Sechs Tage Urlaub waren gebucht. „Der Anschlusszug in Hamburg ist wohl weg“, sagte die junge Frau genervt.

Derweil war gut 30 Kilometer entfernt in Wrist der Kampfmittelräumdienst eingetroffen. Laut Hanspeter Schwartz, Sprecher der Bundespolizei, entschieden sich die Experten nach genauer Begutachtung, die Granate mit rund zehn Zentimetern Durchmesser vor Ort zu sprengen. Ein Erdhügel wurde über dem explosiven Fund errichtet, um die Detonation nach unten abzuleiten. Die Polizei evakuierte die nahe gelegenen Häuser und leitete den Verkehr um. „Die Sprengung ist gut verlaufen“, sagte Schwartz nach dem Einsatz. Gegen 11.50 Uhr, also knapp drei Stunden nach der Sperrung, war die Strecke frei. Bis dahin fielen 20 Züge aus, 40 hatten Verspätung.

Die Bahn stellte ab 10.45 Uhr Busse als Ersatz bereit. Zuvor wurden Fahrgäste aufgefordert, über Lübeck nach Kiel auszuweichen. Die Nordbahn bereitete sich darauf vor, doppelte Triebwagen auf der Strecke nach Bad Oldesloe einzusetzen. Zum Einsatz kamen die aber nicht mehr. „Wir benötigen immer eine Vorlaufzeit, um auf solche Ereignisse reagieren zu können. Alleine die Wagen, die in Neumünster-Süd deponiert sind, brauchen 25 Minuten Vorbereitungszeit. Und dann muss auch noch ein Fahrer verfügbar sein“, erklärte Sprecherin Christiane Lage.

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erstellt am 05.Jul.2016 | 08:00 Uhr

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