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Holsteinischer Courier

11. Dezember 2016 | 14:53 Uhr

Live-Hörspiel : Glockengeschichte mit Orgelgewitter

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Zwei Stunden lang führten die Hörspielgruppe Vicelin und Arne Sommer das ungewöhnliche Stück auf / Riesenbeifall und Lob für das Lokalkolorit

Neumünster | „Wir füllen die Glocke bis zum Rand mit Silberlingen“, versprachen die Hamburger „Pfeffersäcke“. Doch der Neumünsteraner Pastor blieb standhaft und verkaufte die neue Vicelin-Glocke nicht. „Führe mich nicht in Versuchung“, murmelte er. Das Publikum am Sonntagabend in der Vicelinkirche fand’s komisch: Die Szene bei dem Live-Hörspiel „Auf die Glocke“ war eine von vielen, die die rund 240 Zuschauer lebendig in das Leben der 300 Jahre alten Glocke „Dominika“ der Vicelinkirche entführte. Hörspiel-Experte Arne Sommer realisierte das ungewöhnliche Stück mit der Hörspielgruppe Vicelin – eine atmosphärisch dichte und authentische Zeitreise in die Historie der Glocke und der Stadt (der Courier berichtete).

In zehn Szenen waren die Zuschauer mit am Tisch bei windigen Gesellen in der Kneipe „Zum großen Fass“ und in der Amtsstube des Amtsverwalters von Würzen, der den Guss der neuen Glocke aus Dankbarkeit anordnet, weil Neumünster von der Pest verschont blieb. Die Hörspieltruppe mimte stöhnende Pestkranke, verwandelte sich in Schmiedegesellen. Die Glocke läutet die Bürger zum Gebet – aber auch bei Feuer oder als Zar Peter III. stirbt.

Die Zuschauer erfuhren eine Menge geschichtlicher Details, wurden aber auch in den Alltag einfacher Leute wie Minna und Hinnerk versetzt, die die gewichtigen Ereignisse auf ihre persönliche Art kommentierten. Die Schmiedegesellen hofften auf Freibier, Minna und Hinnerk warfen sich beim Kaiserbesuch in ihren Sonntagsstaat, Pastorin Simone Bremer wurde von Dieben überfallen.

Während die Sprech-Akteure auch mal Pause hatten, leistete Geräuschemacher Peter Sandmann zwei Stunden Schwerstarbeit: Mit Tassen, Tellern, Gläsern, Mauersteinen und Holzplatten ließ er Kneipengäste sich zuprosten, Werkzeuge schaben, Türen ins Schloss fallen, Pferde trappeln und schnaufen, ihr Zaumzeug klirren. Dann das akustische Drama: Mit dem Zerreißen einer Sperrholz-Kiste brach der Glockenturm 1762 zusammen. Ein Klanggewitter entfachte Organist Karsten Lüdtke mit seinen Improvisationen, das Hoffen auf einen Neuanfang untermalte er mit „Allein Gott in der Höhe“. Die Schrecken des Zweiten Weltkrieges illustrierte er mit Gänsehaut erzeugenden Dissonanzen.

Am Ende umtoste prasselnder Beifall die Akteure. „Ich bin sehr angetan und begeistert, es wurde deutlich, was für eine enorme Bedeutung die Glocke für die Stadt hat. Die Geschichte wurde mit dem normalen Leben, dem Lokalkolorit verwoben“, sagte Henning Möbius.

Ein Hörspiel-Mitschnitt kann unter Tel. 4 27 92 bestellt werden.

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erstellt am 13.Sep.2016 | 08:45 Uhr

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