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Holsteinischer Courier

09. Dezember 2016 | 16:36 Uhr

Tierauffangstelle : Gisela Bünz: „Es ist ein reiner Zickenkrieg“

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Vorsitzende des Tierschutzvereins weist sämtliche Vorwürfe der Stadt zurück und kündigt Rechtsmittel an.

Neumünster | Ihre Stimme zittert, und sie ist den Tränen nahe. „So wie sich die Stadt das vorstellt, wird es nicht funktionieren. Ich habe 28 Jahre meines Lebens für dieses Tierheim gelebt, zehn Stunden am Tag. Das gibt man nicht einfach von heute auf morgen auf“, sagt Gisela Bünz und blättert noch einmal in dem Bescheid der Stadt, der ihr gestern Mittag zugestellt wurde. 17 Seiten Begründung und eine Auflistung der angeblichen Mängel in der Einrichtung im Stadtwald, die zur Schließung führten (siehe Bericht auf Seite 7). Jeden einzelnen weist die Leiterin des Tierschutzvereins zurück – und wirft der Verwaltung „Hass auf meine Person“ vor.

Die Kritik, die Einrichtung werde nicht fachlich qualifiziert geführt, kontert Gisela Bünz und präsentiert die Bewerbungsunterlagen einer Kieler Tierärztin. „Frau Dr. Stephanie Jette Uhde wird ab dem 20. August hier die Leitung übernehmen. Das entsprechende Schreiben habe ich der Stadt am 25. Juli auf den Schreibtisch gelegt“, sagt sie. Bisher hat Christina Adamek das Amt inne, ihr fehlte aber immer ein Nachweis der Sachkunde. Doch auch den werde sie jetzt nachholen, erklärt die Vereinschefin: „Das weiß man im Rathaus auch!“

Sämtliche hygienischen Mängel weist sie ebenfalls zurück. „Den Tieren geht es hier gut, sie werden sachgemäß versorgt.“ Das bestätigten nicht nur die 240 Mitglieder des Tierschutzvereins, sondern auch sämtliche Besucher und die vielen ehrenamtlichen Helfer. Bauliche Mankos gebe es zwar hier und da, aber: „Uns fehlt für größere Sanierungen das Geld.“ Zudem drohe die Stadt nicht nur seit Monaten mit der Schließung, sie habe auch die quartalsweisen Zahlungen seit April eingestellt. Deshalb meldete sie auch die Zahl der Fundtiere ab April nicht mehr ans Rathaus. „Trotzdem haben wir noch bis gestern Fundtiere aufgenommen, die uns die Feuerwehr gebracht hat“, sagt Gisela Bünz. Normalerweise erhalte das Tierheim 31  000 Euro pro Jahr, alleine 30  000 Euro koste aber der Tierarzt. Hinzu kämen Personalkosten von 90  000 Euro jährlich für die zwei angestellten Tierpfleger und die Leiterin. „Wenn die Stadt mehr Geld geben würde, könnten wir die Mängel auch beseitigen und eine feste Bürokraft einstellen.“ Die sei nötig, um die Unterlagen „so wie von der Stadt verlangt“ zu führen. „Es ist ein bisschen altertümlich hier ohne Computer, aber wir können alles genau nachweisen“, sagt Gisela Bünz.

Sie glaubt zu wissen, was die eigentliche Ursache für die Schließung ist: „Das ist ein reiner Zickenkrieg zwischen der Amtstierärztin Dr. Bettina Kohnen-Gaupp und mir. Wir können uns nicht leiden, deshalb hat sie mit Nachdruck in allen Ecken gesucht, um Mängel zu finden.“ In mehreren Gesprächsrunden im Rathaus, auch mit dem ehemaligen Stadtrat Günter Humpe-Waßmuth, sei man ihr immer wieder über den Mund gefahren und habe sie der Unwissenheit und Inkompetenz bezichtigt. „Und das, wo ich so oft für die Stadt kurzfristig eingesprungen bin und unentgeltlich bei Tierschutz-Fällen geholfen habe.“

Gisela Bünz kündigte gestern Widerstand gegen die Schließung an. Man werde die Anordnung befolgen, der Verein habe aber bereits einen Anwalt eingeschaltet, der rechtliche Schritte prüfe. „Außerdem müsste man eigentlich eine Demonstration organisieren. Denn die Bürger wissen, was sie an dieser Einrichtung haben“, sagt sie nachdenklich.

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erstellt am 04.Aug.2016 | 12:00 Uhr

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