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Holsteinischer Courier

09. Dezember 2016 | 20:32 Uhr

Finanznot : Gema zu teuer: Ba-Da-Boom fällt aus

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

1500 Euro will die Gesellschaft / Die Organisatoren geben vor der siebten Auflage auf / War es das mit dem Straßenmusikfestival?

Neumünster | Das ist eine schlimme Nachricht: In diesem Jahr fällt das Straßenmusikfestival Ba-Da-Boom aus, und auch die Zukunft sieht alles andere als gut aus. Schuld ist das fehlende Geld: Die Gema-Gebühren sind zu hoch. Etwa 1500 Euro verlangt die „Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte“ (Gema) für das beliebte Spektakel.

Der Entschluss fiel, als sich die ehrenamtlichen Organisatoren Stefan Back, Jens Sauerbrey, Arne Gloe und Marco Ramforth mit dem Kulturbüro und Thorben Pries vom Büro des Oberbürgermeisters zusammengetan hatten, um über die Finanzierung zu sprechen. „Selbst wenn sich Sponsoren finden, hängt daran ein Rattenschwanz. Wir müssten Versicherungen abschließen, was die Kosten erneut in die Höhe treibt. Dann nimmt das Ganze Dimensionen an, die zu einer Verlässlichkeit der Veranstaltung zwingen. Das ist mit ehrenamtlicher Arbeit aber nicht mehr zu machen“, erklärte Jens Sauerbrey. Und Stefan Back, Leiter der Musikschule, ergänzte: „Es ist nicht die Aufgabe von vier ehrenamtlich tätigen Personen, die Stadt zu rocken.“

Thorben Pries von der Stadtverwaltung sagte: „Ba-Da-Boom ist ein ehrenamtliches Festival, das in seinem Konzept gut gewachsen ist. Die Stadt kann die Veranstalterrolle nicht übernehmen. Wir haben auch gar nicht die Kontakte, um so eine Veranstaltung auf die Beine zu stellen.“

Die Ba-Da-Boom-Organisatoren bedauerten zudem, dass der Einzelhandel keine Unterstützung signalisierte. „Ich verstehe bis heute nicht, warum der Einzelhandel rund um den Großflecken gerade in dieser Situation mit der Holsten-Galerie und dem DOC das Potenzial von Ba-Da-Boom nicht sieht“, wunderte sich Jens Sauerbrey und zielte damit auf eine zu geringe Unterstützung.

Das Straßenmusikfestival soll nach den Wünschen der Organisatoren und der Stadt im kommenden Jahr wieder stattfinden, aber unter welchen Vorzeichen, das sei noch nicht spruchreif, sagte Sauerbrey: „Mit Beginn der Ferien werden wir uns zusammentun und mehrere Optionen sorgfältig prüfen.“

Da Ba-Da-Boom mit Plakaten wirbt, einen Spielplan und damit einen Organisationscharakter hat, wurde bereits im vergangenen Jahr die Gema auf den Plan gerufen. Sie brachte das beliebte Spektakel in der Innenstadt abrupt ins Wanken. Mit einer Nachforderung von 7500 Euro für die vergangenen fünf Jahre war die nicht auf Profit ausgerichtete Veranstaltung akut bedroht. Die Stadt sprang ein und übernahm die Kosten. Die Gebühren von 1500 Euro für das Jahr 2015 hatte der Verein zur Förderung der Kunst übernommen (der Courier berichtete). Aber nun scheint das Ende gekommen zu sein. Das Straßenmusikfestival hätte am 3. September zum siebten Mal stattfinden sollen.

Kommentar: Das höchste Ross

von Thorsten Geil

Jeder hat schon so seine Erfahrungen mit Behörden gemacht und mal die Faust in der Tasche geballt. Aber auf dem höchsten Ross der Republik sitzen ganz eindeutig die Raubritter von der Gema. Natürlich muss das geistige Eigentum von Künstlern geschützt werden; selbstverständlich müssen sie entlohnt werden. Aber das Geschäftsmodell der Gema und vor allem: wie es exekutiert wird, ist eine Bedrohung unserer Gesellschaft. Ba-Da-Boom ist mindestens die zweite Veranstaltung, die die Musik-Fahnder barbieren (die Holstenköste ist seit zwei Jahren halbiert). Wenn das so weitergeht, sitzen wir bald alle nur noch zu Hause auf dem Sofa. Und laden illegal Musik aus dem Netz.

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erstellt am 19.Jul.2016 | 08:00 Uhr

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