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Holsteinischer Courier

29. Mai 2016 | 03:52 Uhr

Kundgebung geplant : Gegendemonstranten wollen den Rechten die Stirn bieten

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Das „Bündnis gegen Rechts“ plant am Sonnabend eine Kundgebung auf dem Parkplatz der KSV-Halle.

Neumünster | Die Gegner von rechtsradikalen Gruppen machen mobil: Auf eine geplante Anti-Flüchtlings-Demonstration am kommenden Sonnabend auf dem Kantplatz will das „Bündnis gegen Rechts“ mit einer Gegenkundgebung reagieren. Auch die Facebook-Gruppe „Refugees Welcome – Neumünster und Boostedt“ plant Proteste.

Die Kundgebung auf dem Kantplatz wird seit einigen Tagen in der Facebook-Gruppe „Neumünster wehrt sich“ beworben und richtet sich „gegen Asylmissbrauch und eine Islamisierung der Gesellschaft“. Angemeldet wurde die Demonstration in der Böcklersiedlung nach Courier-Informationen von einem bekannten Neonazi aus der Region. Erwartet werden nach bisherigen Schätzungen rund 150 Teilnehmer. Dauern soll sie von 13.30 bis 16 Uhr.

Die Zahl 150 möchte Heiner Wadle vom Bündnis gegen Rechts mit der Gegenaktion „Neumünster bunt statt braun – rechte Hetze am Kantplatz stoppen“ übertreffen: „Wir planen um 12.30 Uhr eine Kundgebung auf dem Parkplatz der Halle des Kreissportverbands am Hansaring.“ Wadle hofft, dass sich viele Neumünsteraner beteiligen und Flagge gegen die Rechten zeigen: „Wir wollen über das Internet möglichst viele Menschen mobilisieren, damit die Nazis nicht ungestört durch die Gegend ziehen können. Wir wollen dagegenhalten und deutlich machen, dass sich die Mehrheit der Menschen nicht für Hetze gegen Flüchtlinge vereinnahmen lässt“, sagt er. Der Sprecher des Bündnisses gegen Rechts befürchtet jedoch, dass der Zulauf der Rechtsradikalen deutlich höher sein wird als bei der Kundgebung in Boostedt am vergangenen Wochenende. Dort hatte am Sonnabend eine Aktion des Bündnisses „Schleswig-Holstein wehrt sich“ des Landesverbandes der Gemeinschaft „Zukunft für Deutschland“ nur rund ein Dutzend Demonstranten angelockt (der Courier berichtete).

Auch die Lenkungsgruppe des Runden Tisches für Toleranz und Demokratie blickt mit Sorge auf die geplante Aktion am Kantplatz. „Hier wird mit Sicherheit erneut versucht werden, eine Stimmung der Verunsicherung und Angst zu schüren und zu verstärken, um sie dann für die eigenen Zwecke zu nutzen. Wir hoffen, dass kaum jemand der offensichtlichen Fremdenfeindlichkeit und dem Ausländerhass auf den Leim geht. Andere werden es sich nicht nehmen lassen, vor Ort für Offenheit und Gastfreundschaft zu werben“, heißt es in einer Pressemitteilung. Henning Möbius, Vorsitzender des Runden Tisches, will am Sonnabend auf alle Fälle vor Ort sein: „Organisiert haben wir diesmal allerdings nichts, weil wir diesen Personen keine zu große Aufmerksamkeit widmen wollen.“

Weiterer Gegenwind kommt von der Facebook-Gruppe „Refugees Welcome – Neumünster und Boostedt“. Unter dem Titel „Nazi-Demo in NMS stoppen“ wird in dem sozialen Netzwerk zu einer Gegenaktion eingeladen. „Ab 13 Uhr heißt es auf dem Kantplatz: Boxen aufdrehen gegen Nazis“, schreiben die Organisatoren und rufen die Anwohner dazu auf, am Kantplatz die Fenster zu öffnen und das Lied „Schrei nach Liebe“ von der Gruppe „Die Ärzte“ zu spielen. Es zählt zu den bekanntesten Stücken gegen Fremdenhass.

Warum die Rechten sich für ihre Veranstaltung ausgerechnet den Kantplatz ausgesucht haben, ist unklar. „Die Kundgebung wurde so beantragt und genehmigt, allerdings nur als stationäre Demonstration“, bestätigt Stadtsprecher Stephan Beitz. Ein Zug durch die Stadt sei damit ausgeschlossen. Möglicherweise haben die Veranstalter der Anti-Flüchtlings-Kundgebung diesmal die Taktik gewechselt: Bei einer ähnlichen Demonstration am 14. November vergangenen Jahres war der rechte Aufzug nach einer Auftaktkundgebung auf dem Kleinflecken am geplanten Marsch durch die Innenstadt gehindert worden. Linke Gegendemonstranten hatten mehrfach den angemeldeten Weg blockiert.

Jonny Griese kann sich die Standortwahl für die Anti-Flüchtlings-Demonstration ebenfalls nicht erklären. „Das ist eine tote Ecke, an so einem Vormittag gehen vielleicht zehn Leute dort entlang – aber das soll uns recht sein.“ Der Ratsherr der Linken wird am Sonnabend ebenfalls vor Ort sein, um den rechten Demonstranten die Stirn zu bieten. „Offiziell angemeldet haben wir nichts, da sich gezeigt hat, dass es von Vorteil ist, wenn man so etwas spontan macht. Wir werden aber auf jeden Fall mit unserem Info-Mobil dort sein“, sagt er.

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erstellt am 14.Jan.2016 | 08:00 Uhr

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