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Holsteinischer Courier

10. Dezember 2016 | 09:59 Uhr

Chemieunfall : Gefahrgutübung im Gewitter

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Insgesamt 180 Einsatzkräfte aus Neumünster und dem Kreis Segeberg probten am Sonnabend einen Chemieunfall im Industriegebiet Süd.

Neumünster | Es wirkte fast so, als wollte Petrus beim Löschen helfen. Kaum hatte am Sonnabendvormittag die große Gefahrgutübung bei der Firma Betriebsmittel Service Logistik (BSL) im Industriegebiet Süd begonnen, fing es an zu regnen. In teils kräftigen Gewitterschauern übten insgesamt rund 180 Einsatzkräfte aus Neumünster und dem Kreis Segeberg einen Chemieunfall mit weitreichenden Folgen.

Das Szenario hatte Thomas Römer ausgearbeitet, Arbeitsgruppenleiter Atemschutz und Gefahrgut von der Berufsfeuerwehr. Gemeldet wurde um 9 Uhr zunächst ein brennender Laster an der Kommissionierhalle von BSL. Die Flammen hatten demnach schon auf das Lager übergegriffen. Mehrere Menschen wurden auf dem Gelände vermisst. Der Löschzug Gefahrgut I der Berufsfeuerwehr rückte zunächst aus und erkundete die Lage. Schnell war klar: Es gibt zehn Verletzte, darunter den schwer verletzten Fahrer. Weil die Feuerwehr aber maximal sechs Personen gleichzeitig behandeln kann und auch das Krankenhaus an seine Grenzen stößt, wurde Großalarm ausgelöst.

Fünf Einsatzabschnitte wurden gebildet. Der Leitende Notarzt, Rettungsdienst und Schnelle Einsatzgruppe Rettung bauten ein großes Zelt für Patienten auf. Während die Freiwillige Feuerwehr Gadeland die Löscharbeiten aufnahm, kümmerte sich der Löschzug Gefahrgut II der Freiwilligen Wehren um die Dekontamination. Denn: Ammoniumnitrat, ein ätzender und die Atemwege reizender Stoff, war ausgetreten. Der Löschzug Gefahrgut aus Bad Segeberg rückte ebenfalls an und nahm Messungen in der Unglückshalle und der Umgebung vor. Die Bevölkerung wurde über Rundfunk gewarnt, Türen und Fenster geschlossen zu halten. Sven Kasulke, Chef der Berufsfeuerwehr, war als Einsatzleiter für die Führung zuständig. Immer mehr Rettungs- und Feuerwehrfahrzeuge des Katastrophenschutzes rückten bis etwa 10 Uhr an. Alle Verletzten, realitätsnah geschminkt von den Maltesern, wurden versorgt und kamen laut Ablaufplan ins Krankenhaus.

Neben dem starken Regen gab es noch zwei kleine ungeplante Ereignisse: Um 10.21 Uhr schreckten alle Beteiligten kurz zusammen, weil ein heftiger Knall die Luft durchzog. Es handelte sich dabei um Donner. Kurz zuvor bereits hatten die Übenden eine Kiste mit Sprengstoff gemeldet. Wie sich herausstellte, handelte es sich dabei aber um die Übungskiste von Thomas Römer mit Feuerwerkskörpern.

Nach gut zwei Stunden war die Störfallübung schließlich beendet. Die Beobachter vom Innenministerium und verschiedener Feuerwehren zogen sich zur Beurteilung zurück.

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erstellt am 27.Jun.2016 | 09:00 Uhr

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