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Holsteinischer Courier

30. Juni 2016 | 14:19 Uhr

Public Viewing : Gastronomen sind sauer auf Sky

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Der Privatsender will die Gebühren für Kneipen erhöhen. Neumünsteraner Gastronomen prüfen, ob sich öffentliches Fußball gucken für sie noch lohnt.

Neumünster | Gemeinsam „Fussi“ gucken, ein Bierchen zischen und dann mit Gleichgesinnten die Tore der Lieblingsmannschaft feiern: Das bieten Kneipen und Freizeitstätten für Fußball-Fans, die den Privatsender Sky (ehemals Premiere) abonniert haben. Doch Sky will ab dem 1. September je nach Größe der Kneipe die Gebühren bis zu 60 Prozent erhöhen – und das bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr. Das stößt den Betroffenen deutschlandweit auf – auch in Neumünster. Beißen die Gastronomen und Sky-Abonnenten in den sauren Apfel oder wird es zum Start der Bundesliga am 22. August weniger Kneipenfußball geben?

„Das ist eine absolute Schweinerei, die haben die allgemeinen Vertragsbedingungen geändert“, sagt Meyk Rudolph (46), Inhaber der Kult-Kneipe „Tresen Total“ am Großflecken. Die Kneipe gibt es seit 32 Jahren, Fußball-Gucken wird seit etwa sieben Jahren angeboten. Die Kosten für Sky-Kneipen steigen in der Größenordnung bis 35 Quadratmeter von 299 auf 499 Euro, in der Kategorie bis 75 Quadratmeter, zu der rund 80 Prozent der Sky-Bars gehören, von 389 auf 579 Euro. „Irgendwann geht das nicht mehr für manche Betreiber“, vermutet Rudolph. Doch er verspricht seinen Kunden: „Wir machen weiter. Die Preise für meine Gäste bleiben stabil.“ Das freut Martin Teschner (47) aus der Innenstadt, IT-Projektmanager und des öfteren Gast im „Tresen Total“, denn er schaut viel Fußball in der Kneipe. André Baasch (39) aus Wittorf, hat Sky zu Hause abonniert – seit 13 Jahren. „Wenn ich manchmal mittags nach Hause komme und nur blöde Sendungen kommen, kann man bei Sky Fußball, aber auch Dokumentationen und anderes schauen“, sagt der Ausbeiner, der im Schlachthof Tiere zerlegt.

Für Kai Flathmann, Inhaber der Fun-Fabrik Bowl an der Christianstraße, ist Sky ein ernsthafter Kostenfaktor. „Wir bezahlen zurzeit 379 Euro netto im Monat. Wenn jetzt tatsächlich um 30 Prozent oder mehr erhöht wird, rechnet sich das nicht mehr. Wir müssten doppelt so viele Getränke verkaufen. Denn Eintritt zu nehmen für die Sky-Übertragungen, gestattet Sky nicht“, sagt er. Einfach mal zwei Euro auf das erste Getränk aufzuschlagen, kommt für ihn auch nicht in Frage: „Wer macht denn so was?“ Er hat zwar einen Vertrag, bei dem die Gebühr nicht nach Größe berechnet wird, sondern speziell für die Bowling-Bahn, aber für ihn ist klar: „Wenn die Pauschale so erhöht wird, werden wir Sky kündigen.“ Man müsse auch bedenken, wie viele interessante Spiele über Sky liefen, die nicht im öffentlich-rechtlichen Fernsehen laufen, und dass für einen Monat Sommer- und einen Monat Winterpause eh schon gezahlt werde, ohne dass eine Gegenleistung vorliege.

Die Fans machen allerdings viel mit, um ihre Lieblingsteams zu sehen. „Wir haben mal einen Versuch mit einem Verzehrgutschein von fünf Euro gemacht, den alle Sky-Gucker bekamen“, sagt Fun-Fabrik-Bowl-Betriebsleiterin Alexandra Sundermann (40). Das sei rechtlich nicht verboten. Doch zu viel dürfe man den Gästen auch nicht zumuten, pflichtet sie ihrem Chef bei.

Manch einer hat auch schon vorher gerechnet – so wie Sönke Thieme, Inhaber des Klatsch-Palais auf dem Großflecken: „Ich habe kein Sky, und das mit Absicht. Das ist zu teuer, und die Kosten stehen in keinem Verhältnis zur Leistung.“

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erstellt am 28.Jul.2014 | 12:00 Uhr

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