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Holsteinischer Courier

08. Dezember 2016 | 08:52 Uhr

Haushalt : Für die Stadt gibt es Kredite zurzeit zum Nulltarif

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Negativzinspolitik der EZB macht’s möglich.

Neumünster | Die Stadt steht mit 159 Millionen Euro Krediten (Stand: Ende Mai) noch immer vor einem Schuldenberg. Doch die Negativzins-Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) beschert Kämmerer Oliver Dörflinger zurzeit fast paradiesische Verhältnisse.

„Bei kurzfristigen Kassenkrediten liegt das Zinsniveau derzeit bei 0 Prozent“, sagt Dörflinger. Kassenkredite sind wie der private Dispo eigentlich nur zur kurzfristigen Finanzierung gedacht. Die Konto-Überziehung kostet also bei neuen Krediten keinen Cent.

Immerhin knapp 25 Millionen Euro Dispo leistet sich die Stadt, die restlichen 134 Millionen Euro sind länger laufende Kredite für Investitionen wie die zahlreichen Schulbauten oder das Gefahrenabwehrzentrum. Auch hier profitiert die Stadt vom günstigen Zinsniveau und schuldet Kredite um, wo das möglich ist. 2016 konnten laut Dörflinger bereits Investitionskredite von 4,7 Millionen Euro umgeschuldet werden. Betrug der Zinssatz bislang 4,13 Prozent, liegt er nach der Umschuldung nun bei etwa 0,9 Prozent. „Die Einsparung an Zinsaufwendungen während der gesamten Laufzeit des Kredits liegt bei rund 800  000 Euro“, sagt Dörflinger.

Wie paradox die Finanzwelt tickt, zeigen Städte wie Nürnberg oder Hannover, die mit ihren Schulden sogar Geld verdienen. Banken bieten Kredite zu negativen Zinsen an, zahlen also noch dafür, dass sie Geld verleihen. Volksbank-Vorstand Dr. Rainer Bouss hat die Erklärung. Banken mit einem hohen Einlagenüberschuss kommen in die Verlegenheit, das Geld bei der EZB zu parken. Das kostet zurzeit aber Strafzinsen von 0,4 Prozent. „Da kommt mancher Vorstand auf die Idee, das Geld lieber für minus 0,2 Prozent zu verleihen“, so Bouss. Bei der Volksbank ist das aber kein Thema. „Wir sind kein Institut mit einem großen Einlagenüberhang und verlangen auch keine Negativzinsen“, sagt Bouss.

Ähnlich äußerte sich auf Anfrage die Sparkasse Südholstein: „Die Kommunen profitieren von den niedrigen Zinsen im Kreditgeschäft der Sparkasse. Aktuell zahlen wir aber keine Zinsen für die Aufnahme von Kassenkrediten der Kommunen. Wir erheben aktuell auch keine Verwahrentgelte für die Einlagen der Kommunen.“

Auch Dörflinger winkt ab. „Neumünster hat bisher kein Angebot von Banken zu Negativzinsen bekommen“, sagt er. Dafür seien Neumünster und das Volumen der Kassenkredite auch zu klein. Im Übrigen fahre Neumünster die Aufnahme von Kassenkrediten zurück. 2010 lag ihr Umfang noch bei 60 Millionen Euro. Die seitdem von 114 auf 135 Millionen Euro gestiegenen Investitionskredite betrachtet Dörflinger anders: „Das sind Baukredite, die Werte schaffen und unsere Infrastruktur finanzieren.“

Dass Neumünster seine Schulden seit 2010 um rund 10 Millionen Euro verringern konnte, liegt neben der 2010 beschlossenen Haushaltskonsolidierung auch am guten Wirtschaften und der guten Konjunktur. So weist die vorläufige Rechnung für 2014 bei Erträgen von 604 und Aufwendungen von 597 Millionen Euro ein Plus von gut 6 Millionen Euro aus. Der vorläufige Abschluss für 2015 zeigt ein positives Ergebnis von 5,5 Millionen Euro aus und liegt damit sogar 8,6 Millionen Euro über dem Plan.

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erstellt am 24.Jun.2016 | 09:15 Uhr

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