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Holsteinischer Courier

08. Dezember 2016 | 01:07 Uhr

Tungendorf : Für die Älteren bleibt es das „Corso“

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Vor 25 Jahren wurde das frühere Kino und Theater in Tungendorf abgerissen. Heute steht an der Stelle ein Wohn- und Geschäftshaus.

Neumünster | Der Platz  und die Bushaltestelle heißen heute nach dem 2003 gestorbenen Stadtpräsidenten Helmut Loose. Für die  älteren Tungendorfer ist das Stadtteilzentrum aber immer noch am „Corso“. 1991, also vor 25 Jahren, wurde das vormalige Kino und Theater an der Wilhelminenstraße abgerissen und musste einem Wohn- und Geschäftshaus weichen.

Das Corso steht für 22 Jahre Theatergeschichte in der Stadt: Am 3. Oktober 1964 öffnete sich nach dem Umbau erstmals der Vorhang im „Corso-Theater“. Die Landesbühne zeigte zur Eröffnung der Theatersaison Macbeth von Shakespeare. Mit dem Umzug an den Stadtrand nach Tungendorf endete die Ära der „Tonhalle“ am Großflecken. Ihr Mehrzwecksaal mit der Dorett-Bar war  nach dem Krieg Bühne für Schauspiel, Oper und Operette, Ballett, Konzert und Lesung. Heute ist an dieser Stelle die Markt-Passage.

Beide Spielstätten – Tonhalle wie Corso – waren immer auch Stationen bekannter Tournee-Theater und führten Theater- und Filmstars wie Bernhard Minetti,  Martin Held, Will Quadflieg, Viktor de Kowa, Hildegard Knef oder Curd Jürgens nach Neumünster.  Im Kapitel „Skandale, Sternstunden: Alles Theater!“ in dem Buch „875 Jahre Neumünster – Geschichte und Geschichten“ schreibt die Courier-Theaterkritikerin Karin Hartmann:   „Für das Publikum bot das ‚Corso‘ durchaus Vorteile (ansteigende Reihen). Die Nachteile trugen vor allem das künstlerische und technische Personal, denn es gab zu wenig Garderoben und ‚Mannschaftsräume‘, eine kleine, kaum belastbare Bühne, nur wenige technische Möglichkeiten, einen sehr engen Orchesterraum, in dem mehrmals Requisiten abstürzten und Musiker verletzten.   Diese äußeren Umstände des ‚Corso‘ zwangen oft zu ‚Sparversionen‘ von Inszenierungen.“

Helga Hein war von 1986 bis 1994 Kulturdezernentin und erinnert sich: „Das Corso war fortschrittlicher als die Tonhalle, aber doch ein Provisorium.“ Das Gebäude war zum Schluss feucht und baufällig,  in den Besucher-Garderoben  grassierte der Schimmel. „Darum hat man sich ja auch sehr um das neue Theater in der Stadthalle bemüht“, sagt Helga Hein.  Am 8. April 1986 war es soweit. Mit  Giuseppe Verdis „Aida“ wurde  es eingeweiht.

Das alte Gebäude am Corso hatte damit ausgedient.  Investorenpläne, aus dem Bau einen „Ball der einsamen Herzen“ zu machen, zerschlugen sich. Fünf Jahre lang stand das Corso leer und wurde dann abgerissen. Anfang 1993 war der von Michel-Bau errichtete Neubau eines Wohn- und Geschäftshauses mit dem Edeka-Markt und 16 Eigentumswohnungen fertig. Den Namen Corso gibt es heute noch in der Firmierung „Gerd Grümmer E aktiv Markt ‚Corso‘ GmbH“. Kaufmann Gerd Grümmer: „Die Tradition verpflichtet. Man geht bei Edeka, bei Grümmi oder im Corso einkaufen. Der Name hält sich, auch wenn das eigentliche Corso schon seit 25 Jahren Geschichte ist.“

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erstellt am 08.Jul.2016 | 12:00 Uhr

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