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Holsteinischer Courier

05. Dezember 2016 | 09:39 Uhr

Innenstadt : Folien sollen leere Schaufenster kaschieren

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Stadt plant den lange Zeit auf Eis liegenden Einstieg in das Leerstandsmanagement

Neumünster | Die Holsten-Galerie feierte bereits den ersten Geburtstag, und die Auswirkungen des neuen großen Einkaufszentrums sind unverkennbar. Viele Geschäfte sind in die Galerie umgezogen und haben verwaiste Schaufenster hinterlassen. Nachdem das Thema mehr als 15 Monate auf Eis lag, plant die Stadt jetzt den Einstieg in das Leerstandsmanagement.

20  000 Euro der im Juli 2015 von der Ratsversammlung gesperrten 50  000 Euro sollen dafür jetzt freigegeben werden. Eine Idee ist der Holsten-Galerie abgeschaut: Dort sind die Schaufenster leer stehender Geschäfte mit Folien beklebt. „Dieser Ansatz ist als erster Einstieg in die Attraktivitätssteigerung nichtgenutzter Verkaufsflächen in der Innenstadt denkbar“, heißt es in der Vorlage, die am 8. November erstmals Thema im Hauptausschuss ist und am 22. November in der Ratsversammlung beschlossen werden soll.

„Das nennt man Umfeldverschönerung, und das ist auch für kleines Geld möglich“, sagt Gerd Grümmer. Der Kaufmann ist Vizepräsident im Handelsverband Nord (HDE) und Vorsitzender des Stadtmarketing-Beirats. Der Stadtmarketingverein wolle ausdrücklich keine Maklerfunktion übernehmen, sondern in Kooperation mit den Eigentümern und Maklern rumpelige Fassaden auffrischen.

Das scheint dringend nötig, denn zurzeit stehen 45 Geschäfte in der Innenstadt leer. Die Mehrzahl davon mit 56 Prozent im Hauptgeschäftsbereich. Dazu zählt die Konzeptskizze des Citymanagements um Michael Keller den Großflecken, die Holstenstraße, den Kleinflecken, die Lütjenstraße, Mühlenbrücke und den Kuhberg.

Im Konzept ist von einem hauptamtlichen Ansprechpartner für den Leerstand beim Citymanagement die Rede. Außerdem soll eine Datenbank für die leerstehenden Objekte aufgebaut werden. Bei den Folien für die Schaufenster wird eine angemessene Beteiligung der Eigentümer oder Makler an den Kosten erwartet. Sie sollen mindestens ein Drittel selbst bezahlen.

„Es ist leider nicht das große Konzept wie einmal angedacht, aber ein erster wichtiger Schritt“, sagt Citymanager Michael Keller. Wichtig sei auch der psychologische Aspekt, dass sich etwas tut. Keller: „Die Folien geben Interessierten auch Informationen und nennen die Ansprechpartner, etwa Makler oder die Eigentümer.“ Der Vorsitzende des Stadtmarketingvereins, Matthias Neumann, ist froh, „dass Bewegung in die Sache kommt“. Für Neumann ist klar: „Das kann nur ein erster Schritt sein, weitere müssen folgen.“

Vor allem die Lütjenstraße, der Kleinflecken und die Mühlenbrücke geben ein trauriges Bild ab. Nach dem Aus des Edeka-Markts hält die Buchhandlung Lübbert an der Mühlenbrücke fast allein die Stellung. „Wir haben unsere Stammkunden, die uns die Treue halten, aber der Lauf fehlt schon“, sagt Verkäuferin Rabia Eltut.

An anderer Stelle hellt sich die Stimmung wieder auf. „Vor einem Jahr war es gruselig und dunkel mit drei Leerständen unmittelbar nebenan“, sagt Maike Mundt von Blume 2000 am Großflecken 34. Die Lücken sind inzwischen gefüllt, nebenan öffnet demnächst ein persisches Cafe. Maike Mundt hat ihr Geschäft auf das Dreifache der vorherigen Verkaufsfläche erweitert und gute Erfahrungen gemacht. „Die Kunden der Holsten-Galerie laufen durchaus über den Großflecken, parken zum Beispiel am Waschpohl“, sagt sie und hofft: „Es muss ein Umdenken bei den Vermietern geben. Wenn sich die Lage verändert, kann es nicht bei den gleichen Mieten bleiben.“

Standpunkt

Viele Probleme sind hausgemacht

Ein erstes  Konzept für ein Leerstandsmangement in der Innenstadt liegt schon seit mehr als zwei Jahren vor.  Es wurde dann aber im Juli  2015 auf Eis gelegt und wird jetzt in abgespeckter Form wieder aufgewärmt. Das ist natürlich deutlich zu spät, denn dass die Holsten-Galerie als neuer Einkaufsmagnet Kundenströme umlenkt, war allen bekannt. Der Handel in der Innenstadt befindet sich im Umbruch und muss sich neu erfinden.  Die  Leerstände allein der Holsten-Galerie anzulasten, ist falsch.  ECE belebt sogar die Innenstadt, da  neue Kunden nach Neumünster  gelockt werden. In der Innenstadt und im Handel gibt es viele hausgemachte Probleme.  Da wird es nicht ausreichen, Leerstände mit bunten Folien wie potemkinsche Dörfer zu kaschieren.

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erstellt am 01.Nov.2016 | 07:30 Uhr

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