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Holsteinischer Courier

08. Dezember 2016 | 11:00 Uhr

Färberstrasse : Flüchtlingszentrum steht vor dem Aus

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Stadt bekommt offenbar keinen Zuschuss vom Land. Die Landesunterkunft am Haart soll nicht erweitert werden.

Neumünster | Das geplante Zentrum für Flüchtlinge (ZFF) in der ehemaligen Hindenburg-Kaserne an der Färberstraße ist offenbar vom Tisch. Das Land müsse auf die aktuelle Situation der sinkenden Flüchtlingszahlen reagieren und daher seine Maßnahmen überdenken, teilten Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) und Innen-Staatssekretärin Manuela Söller-Winkler gestern nach einer Sitzung der Landesregierung in Neumünster mit.

Das bedeutet nach Courier-Informationen: Der Zuschuss vom Land für das ZFF ist gestrichen. Damit kann das zuletzt mit 2,3 Millionen Euro bezifferte Projekt nicht realisiert werden. Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras erklärte vielsagend: „Wir stehen in laufenden Gesprächen mit der Landesregierung und werden eine gute Lösung finden.“ Wie die aussieht, ließ er offen.

Die Stadt muss ab Januar dauerhaft Flüchtlinge aufnehmen und unterbringen. Die Verwaltung hatte daher im August von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) als Eigentümerin zwei ehemalige Kasernengebäude und das Gelände kostenfrei gemietet. In einem Haus sollten auf 1900 Quadratmetern Nutzfläche in drei Etagen 40 Zimmer zwischen 17 und 25 Quadratmeter Größe für Flüchtlinge entstehen. Im Erdgeschoss war ein Verwaltungstrakt für Migrationsberatung, Jobcenter und weitere Dienstleistungen geplant (der Courier berichtete).

CDU, SPD und Grüne in der Stadt begrüßten gestern übereinstimmend das anstehende Aus der Einrichtung. „Die Situation hat sich geändert. Statt ursprünglich mal 1400 rechnen wir jetzt nur noch mit 500 bis 600 Flüchtlingen pro Jahr“, sagte SPD-Fraktionschef Volker Andresen. Daher brauche man keine „riesigen Investitionen“ mehr in der Hindenburg-Kaserne. Er schlug vor, Flüchtlinge für die Anfangszeit in der kaum ausgelasteten Einrichtung für junge, unbegleitete Flüchtlinge an der Parkstraße oder auf dem Gelände der Landesunterkunft am Haart unterzubringen. Dort sind derzeit 550 von knapp 900 Plätzen belegt. Ähnlich äußerten sich der CDU-Kreisvorsitzende Wolf Rüdiger Fehrs und sein Amtskollege Hans Heinrich Voigt von den Grünen. „Wir müssen jetzt alle Optionen prüfen, um den besten Kosten-Nutzen-Effekt zu bekommen“, sagte Fehrs. Voigt erklärte, es sei den Menschen aufgrund der sinkenden Flüchtlingszahlen nicht mehr zu vermitteln, dass auf Kosten der Allgemeinheit neue Einrichtungen entstehen. Am besten könnten sich die Asylsuchenden integrieren, wenn sie schnell in eigene Wohnungen über das gesamte Stadtgebiet verteilt werden, betonten alle drei Politiker unisono.

Fest steht nach der gestrigen Sitzung auch, dass die Landesunterkunft am Haart nicht erweitert wird. Optionale Erweiterungsflächen, die das Land bisher zum Ärger der Stadt blockiert hatte, würden freigegeben. „Wir werden eine klare Grenze der Einrichtung ziehen“, erklärte Manuela Söller-Winkler. Der Oberbürgermeister nahm das sehr erfreut zur Kenntnis. „Damit können die Planungen für das Baugebiet an der Störstraße endlich beginnen“, sagte er. Bereits im September 2013 hatte Tauras dort ein Grundstück für deutlich unter 375  000 Euro von der Bima gekauft, im Oktober 2014 aber dann wieder ein Teil an das Land für die Erweiterung der Landesunterkunft zurückveräußert. Seitdem lag das Baugebiet auf Eis. Die Stadt will auf dem Gelände attraktive Wohnflächen vor allem für Familien schaffen.

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erstellt am 30.Nov.2016 | 08:00 Uhr

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