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Holsteinischer Courier

08. Dezember 2016 | 05:13 Uhr

Bürokratie : Flüchtlingsambulanz wird geschlossen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Am Freitag ist am Friedrich-Ebert-Krankenhaus Schluss, weil die syrischen Ärzte gekündigt haben / Alle Patienten müssen wieder in die Notaufnahme

Neumünster | Ab Freitag wird es in der Zentralen Notaufnahme im Friedrich-Ebert-Krankenhaus (FEK) wieder voller: Die spezielle Ambulanz für die Flüchtlinge (EIV) wird am Freitag geschlossen, weil kein Personal mehr da ist. Zwei der vier syrischen Ärzte haben um die sofortige Auflösung ihrer Arbeitsverträge gebeten. Der Hintergrund ist ein Musterbeispiel deutscher Bürokratie.

Die Ärzte Dilovan Alnouri und Munzer Shekko kamen als Flüchtlinge aus Syrien und  sind seit einem Jahr im FEK beschäftigt. Mahmoud Abbas und Somia Alyousef kamen später dazu. Ihnen allen fehlt noch die deutsche Zulassung als Ärzte. „Als sie bei uns anfingen,  hieß es, sie könnten ihre Kompetenz in der Praxis beweisen und dadurch die Anerkennung als Arzt erhalten. Nun soll das nicht mehr gelten“, sagte FEK-Sprecherin Maren von Dollen zum Courier. Ein Gutachten des Landesamtes für Soziale Dienste von Freitag verlange nun weitere Papiere der Universität, an der sie einst studiert haben: Aleppo in Syrien.   Alnouri und Shekko haben sich um die Papiere bemüht, sind aber  an der syrischen Geheimpolizei gescheitert: Die verlangte, dass die beiden Ärzte nach Aleppo kommen und dort ihre Treue gegenüber dem syrischen Regime nachweisen.  Aleppo ist derzeit vielleicht der  gefährlichste Ort auf der Welt.

Das Landesamt verlangt nun, dass die Ärzte  einen neunmonatigen Kursus besuchen und danach eine Prüfung ablegen, um als Ärzte zugelassen zu werden. Um den teuren Kursus gefördert zu bekommen, müssen sie aber vorher drei Monate arbeitslos gewesen sein. Also haben Alnouri und Shekko das FEK schweren Herzens um die sofortige Auflösung ihrer Arbeitsverträge gebeten, um dann im Januar (hoffentlich) mit dem Kursus beginnen zu können.

Ohne die beiden Ärzte  funktioniert die EIV aber nicht  und wird geschlossen. Die Patienten aus der Erstaufnahme  am Haart müssen ab Freitag wieder in die normale, überfüllte  Notaufnahme gehen. „Das bringt uns in große Schwierigkeiten – aber die beiden Kollegen noch viel mehr. Wir kennen sie, wissen um ihre Fähigkeiten. Die beiden  haben bei uns in allen Einsatzgebieten praktisch als Ärzte überzeugt. Wenn gewünscht, können sie die fehlende Erfahrung bei uns in den entsprechenden Abteilungen nachholen, und dann bekommen sie von uns alle Bescheinigungen“, sagt Dr. Ivo Markus Heer, Ärztlicher Direktor im FEK.  Aber das Land wolle keine Ausnahme machen.

FEK-Sprecherin Maren von Dollen ist enttäuscht. „Das Land hat uns vor einem Jahr sehr geholfen und das Geld für die EIV zur Verfügung gestellt. Das haben wir nicht vergessen. Aber das neue Vorgehen  ist wenig pragmatisch. Niemand, der ,Tagesschau‘ sieht, wird ernsthaft verlangen, dass diese Menschen nach Aleppo fliegen“, sagt sie.

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erstellt am 28.Sep.2016 | 08:15 Uhr

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