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Holsteinischer Courier

03. Dezember 2016 | 07:57 Uhr

Nach NDR-Vorwürfen : Firma Behrendt ließ TV-Gerät aus Nigeria zurückholen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Ein angeblich kaputter Fernseher aus Neumünster wurde nach Nigeria verkauft. Jetzt wehrt sich das Recycling-Unternehmen.

Neumünster | Ein Bericht in der NDR-Fernsehsendung „Panorama“ hat in der Stadt für Aufsehen gesorgt: Vom SWN-Recyclinghof in Wittorferfeld soll ein defekter, zur Entsorgung abgegebener Fernseher illegal nach Nigeria exportiert worden sein (der Courier berichtete). Doch der Bericht war falsch, sagt die Firma Behrendt Recycling.

Das von den Journalisten präparierte Gerät sei nicht zerstört gewesen, wie in dem TV-Beitrag behauptet wurde. „Es war lediglich der Netzstecker durchtrennt. Dieses Gerät hat bei uns nach dem Anschluss eines neuen Netzsteckers einen Bildtest bestanden und durfte daher exportiert werden“, erklärte gestern Geschäftsführer Tammo Behrendt. Man sei sogar gesetzlich dazu verpflichtet, die Wiederverwendung vor der Verschrottung zu prüfen.

Mit dem (verbotenen) Export von Elektro-Schrott will Behrendt unter keinen Umständen in Verbindung gebracht werden. Als die NDR-Journalisten recherchierten und Behrendt von den Vorwürfen erfuhr, hat die Firma keine Kosten gescheut, um ihre Unschuld zu beweisen: Für 700 Euro wurde der Fernseher wieder nach Deutschland geflogen. Das war dank der guten Verbindung zu seinem Händler möglich gewesen. Der Händler kauft seit knapp zehn Jahren gebrauchte Fernseher aus Neumünster und organisiert von Hamburg aus den Export nach Nigeria und in die Elfenbeinküste. Um zu dokumentieren, dass das Gerät tatsächlich funktioniert, filmte Behrendt sich beim Auspacken und Testen des Geräts. Nach ein paar Minuten folgte der Beweis: Der Fernseher zeigte ein Bild.

Durchschnittlich werden rund 500 Fernseher pro Tag aus ganz Schleswig-Holstein und Hamburg zur Firma Behrendt an die Leinestraße gebracht. Mindestens 95 Prozent davon werden nach einer Prüfung recycelt. Den Rest holt der Afrika-Händler einmal die Woche ab.

Die Kritik, irgendwann würden auch die reparierten Fernseher in Afrika umweltschädlich auf Müllhalden verbrannt statt recycelt, will Behrendt nicht gelten lassen. „Rein ökologisch ist es durchaus sinnvoll, funktionsfähige Geräte nach Afrika zu exportieren“, erklärt er mit Nachdruck. Denn die alten Röhren hielten am anderen Ende der Welt doppelt so lange wie neugekaufte Flachbildschirme. Der Grund seien Spannungsschwankungen in den Entwicklungsländern, die Röhrenfernseher besser verkraften könnten.

Doch warum werden die Neumünsteraner nicht darüber aufgeklärt, dass ihre Fernseher nach Afrika exportiert werden können? Auf der Internetseite des Wertstoffzentrums Wittorferfeld heißt es lediglich: Die „angenommenen Elektroaltgeräte werden von den dafür zugelassenen Unternehmen fachgerecht recycelt.“ Ingo Kühl, Leiter des Technischen Betriebszentrums: „Wir wollten es nicht verkomplizieren.“ Er will sich aber dafür einsetzen, dass die Internetseite nun überarbeitet wird.

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erstellt am 29.Jul.2014 | 05:30 Uhr

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