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Holsteinischer Courier

10. Dezember 2016 | 19:40 Uhr

Neuer Bildband : Fenster in vergangene Arbeitswelten

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Drittes Buch mit Motiven des Courier-Fotografen Walter Erben / Die Auflage von 700 Exemplaren ist ab Donnerstag in allen Buchhandlungen erhältlich

Neumünster | Zwei gestandene Schuster sitzen in ihrer Werkstatt inmitten eines chaotisch wirkenden Miteinanders von Leisten, Hammer, Kneifzangen, Nägeln, Spannriemen und alten Schuhen. Die zwei Originale schauen über ihren Brillenrand in die Kamera. „Diese Atmosphäre ist einmalig“, schwärmt Carsten Rathje. Daher wurde dieses Foto das Titelbild des neuen Buches „Arbeitswelt – Neumünster in Schwarz-Weiß“. Es ist das dritte Werk mit Fotos des legendären Courier-Fotografen Walter Erben, das er gemeinsam mit Monika Krebs, der Verwalterin des umfangreichen Erben-Nachlasses, jetzt herausbringt.

„Das Thema Arbeitswelt stand sofort fest, als wir uns im Dezember 2015 entschlossen, ein drittes Buch zu machen“, sagt der 79-Jährige. „Denn die Arbeitswelt ist etwas, das sich sehr stark in wenigen Jahrzehnten gewandelt hat.“ Der Bildband setzt Schrankenwärter, Telefonvermittlerinnen, Bierkutscher und Tankwarte in Szene – einige der 15 Berufe, die in Deutschland ausgestorben sind. In Neumünster aus dem Berufsverzeichnis verschwunden sind textile Berufe wie Weber, Näherinnen, Ledergerber, aber auch Bootsbauer am Einfelder See, Meierist, Kino-Plakatmaler oder Torfstecher. Hier schlossen 1964 und 1967 mit Wiemann und Köster die letzten Lederfabriken, Anfang der 70er-Jahre fiel der letzte Schornstein. Anfang 1992 schlossen mit Sager und Bartram die letzten Tuchfabriken. 140 Berufe illustriert der Erben-Fotoband auf 168 Seiten.

172 Bilder wurden ausgewählt – in einem monatelangen, mühsamen Prozess. 2200 Negative aus dem etwa 100  000 Negative umfassenden Erben-Nachlass wurden für das Buch gescannt, daraus wurden 600 in die engere Auswahl genommen. „Wir haben sie auf Tischen ausgebreitet, nach Sachgebieten sortiert und weiter diskutiert“, beschreibt Carsten Rathje. Aus schließlich 300 Stück siebten sie die 172 Finalisten heraus. „Die wesentliche Absicht ist, der unglaublichen Wahrnehmung von Walter Erben als Fotograf, seinem handwerklichen Können und der Ästhetik der Schwarz-Weiß-Fotografie Raum zu geben und auf den Betrachter wirken zu lassen“, sagt Monika Krebs.

Genauso akribisch ging es bei den Texten zu: „Namen werden nur genannt, wenn sie hundertprozentig feststanden, zum Beispiel durch Zeitzeugen. So konnten sich die Arbeitskollegen noch sehr gut an Juliane Wiederholz erinnern, das war die erste weibliche Schriftsetzerin, die beim Holsteinischen Courier arbeitete, sie war ein tolles Mädchen“, sagt Rathje.

Es ist das dritte Buch nach „Als unser Leben Kleinholz war“, von dem inzwischen 1000 Exemplare seine Abnehmer fanden, und „Bilder erzählen“ (2015). Der Band „Arbeitswelt“ wird am morgigen Mittwoch, 2. November, um 19 Uhr in der Buchhandlung Krauskopf am Großflecken präsentiert und ist ab Donnerstag für 34 Euro in allen Buchhandlungen erhältlich, außerdem im Museum Tuch+Technik.

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erstellt am 01.Nov.2016 | 09:00 Uhr

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