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Holsteinischer Courier

11. Dezember 2016 | 13:01 Uhr

Flugplatz : Fallschirm-Springer aus Leidenschaft

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Peer „Possi“ Poßekel (40) ist der einzige Tandemsprung-Pilot in Neumünster / Sicherheit ist das oberste Gebot / Er ist auf dem Flugplatzfest

Neumünster | In luftiger Höhe die Cockpit-Tür auf und: Sprung! Zugegeben: Es ist nicht jedermanns Sache, in einer Höhe von 3000 Metern mit 200 Stundenkilometern im freien Fall gen Erde zu rauschen – aber Peer Poßekel schwört drauf: „Manche haben vielleicht vorher Angst. Aber spätestens, wenn sie aus der Tür kippen, ist das vorbei. Das ist einfach unbeschreiblich schön.“ Der 40-jährige Brachenfelder ist der einzige Tandem-Fallschirm-Pilot („Master“) aus Neumünster und wird beim Flugplatzfest am Wochenende wieder dabei sein. Er ist Fallschirmspringer aus Leidenschaft: „Fliegen wie ein Vogel – das war schon immer mein Traum. Das ist fast wie eine Sucht“, sagt der Elektrotechnikermeister lachend.

Angefangen hat es schon vor 13 Jahren, als „Possi“ – so lautet sein Spitzname in Fallschirmspringer-Kreisen – eine erste Ausbildung begann, an der sogenannten Static Line, der Aufziehleine. Der Springer ist über sie fest an das Flugzeug gebunden. „Das war mir zu langweilig.“ Er brach das Projekt ab. „Aber Fallschirmspringen wollte ich schon immer, es ist bloß die Frage, warum das so lange bei mir gedauert hat.“ Ausbildung, Studium, Meister, Hobbys – erst 2011 absolvierte er in Hohenlockstedt die „AFF“ (Accelerated Free Fall) – ohne Aufziehleine, sondern als Schüler, der in 4000 Metern Höhe von zwei Lehrern begleitet wird. Mit den damaligen Vereinskollegen York, Uli und Ulf macht er in der Firma Hi Emotions Events Tandemsprünge, Schauspringen und weiteres.

Seinen Tandem-Master machte er ein wenig später: „Dieses Erlebnis mit anderen zu teilen, ist wirklich faszinierend.“ Denjenigen, die furchtsam zu bedenken geben, es könne etwas passieren, nimmt er gelassen den Wind aus den Segeln: „Das ist das sicherste Hobby überhaupt, das Gefährlichste ist die Fahrt zum Flugplatz. Man braucht Vertrauen in die Technik.“ Das bedeutet, dass die Vorschriften, das Material und die Professionalität der Piloten für Sicherheit sorgen. Vor dem Sprung muss der Fallschirm richtig gepackt sein; Reserveschirme dürfen nur von speziellem Personal vorbereitet werden. Alle Gurte müssen korrekt gezurrt sein, die Griffe müssen richtig sitzen. Das Material ist auf viel mehr Gewicht ausgelegt als im Realfall: „Ein Haken hält zwei Tonnen, vier halten den Gast. Rein theoretisch könnte man auch mit einem Elefanten springen.“ Ganz wichtig: Der „AAD“ (Automative Activation Device) muss eingeschaltet sein. Das Gerät misst anhand verschiedener Parameter, ob der Pilot aktiv ist oder bewusstlos. Im letzteren Fall wird automatisch der Fallschirm geöffnet. Es versteht sich von selbst, dass Pilot und Gast nüchtern sein müssen, nicht zu viel im Magen haben dürfen. Die gesamte Ausrüstung wird außerdem einmal im Jahr Tüv-ähnlich überprüft. Springen dürfen alle gesunden Menschen ab zehn Jahren und einer bestimmten Körpergröße und einem bestimmten Gewicht. „Neulich bin ich aber auch mit einem Mann Ende 80 gesprungen“, erinnert sich „Possi“.

„Possi“ ist schon unzählige Male mit „Fußgängern“ – so heißen die Menschen, die das noch nie gemacht haben – aus dem Cockpit gesprungen. Er hat schmunzelnd beobachtet: „Alle kommen mit einem Dauergrinsen runter, das hält manchmal bis zum nächsten Tag an.“

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erstellt am 07.Sep.2016 | 08:30 Uhr

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