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Holsteinischer Courier

05. Dezember 2016 | 09:35 Uhr

Herbstumfrage : Fachkräftemangel bremst Firmen aus

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Unternehmensverband mahnt vor weiterem Drehen an der Steuer- und Abgabenschraube. Scheitern des Campus-Projekts sei eine Blamage

Neumünster | Der Unternehmensverband Mittelholstein (UVM) sieht Neumünsters Wirtschaft in guter Verfassung und ist optimistisch für das erste Quartal 2017 gestimmt. Dieses Resümee zog der UVM-Vorsitzende Jens van der Walle aus der Herbst-Konjunkturumfrage, an der sich 84 Mitgliedsunternehmen mit 7200 Beschäftigten beteiligten.

37 Prozent der befragten Firmen erwarten für das laufende Geschäftsjahr steigende Umsätze, lediglich 2 Prozent beurteilten die Geschäftslage als schlecht. 17 Prozent planen, mehr Arbeitsplätze anzubieten. Die Arbeitslosigkeit in Neumünster ist mit 9 Prozent auf dem niedrigsten Stand seit Jahrzehnten. Die Kehrseite der Medaille: Es wird für die Unternehmen immer schwieriger, geeignetes Personal zu finden oder auszubilden. „Der Fachkräftemangel zieht sich mittlerweile durch alle Branchen und wird ein Dauerthema bleiben“, sagte van der Walle. „Das trifft auch schon auf einfache Jobs am Fließband zu“, sagte van der Walles Stellvertreter Ulf Michel.

Bis Flüchtlinge für eine Entspannung des Fachkräftemangels sorgen können, werde es noch sehr lange dauern, sagte van der Walle. Gleichwohl seien sie ein Potenzial und „Schatz, der zu heben ist“. Der Unternehmensverband schlägt pragmatische Lösungen vor, um diese Menschen in Arbeit zu bringen. Ulf Michel beklagte bürokratische Hürden. „Wir haben ja Arbeitsplätze für einfache Tätigkeiten, aber wir dürfen sie nicht beschäftigen“, sagte Jens van der Walle mit Blick auf die Vorrangprüfung deutscher Arbeitsloser.

Zur erfolgreichen Haushaltskonsolidierung schrieb van der Walle der Stadt eine „strenge Ausgabendisziplin“ und die „Erweiterung der Einnahmen“ ins Stammbuch. „Doch kann eine Erhöhung der Gewerbesteuer und Grundsteuer nicht der Weisheit letzter Schluss sein“, mahnte der UVM-Vorsitzende. Mittel- und langfristig müssten die Sätze wieder runter.

„Niedrige Hebesätze gehören neben einer guten Infrastruktur zu den wichtigsten Standortfaktoren. Der Gewerbesteuersatz von 410 Prozent bremst die Investitionsbereitschaft Neumünsteraner Unternehmen und Investoren aus“, so van der Walle. Mit Blick auf die Worte von Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras „Es ist sexy geworden, nach Neumünster zu ziehen“ sagte van der Walle: „Es muss auch für Unternehmen sexy sein, nach Neumünster zu ziehen.“

Die Stadt erlebe zurzeit eine erfreulich große Nachfrage von ansiedlungswilligen Unternehmen, sagte Ulf Michel. Die Chance dürfe nicht dadurch verspielt werden, dass Politik und Verwaltung die „Anforderungen an potenzielle Investoren überspannen“, sagte Michel und nannte als Beleg das zu Grabe getragene Campus-Projekt. Das Leuchtturmprojekt hätte für internationale Aufmerksamkeit sorgen können. „Das Scheitern dieses Projekts ist eine Blamage für alle Beteiligten“, sagte Michel und erwartet, dass „auch in der Ratsversammlung zum Thema nochmal die Klingen gekreuzt werden“.

Standpunkt

Steuersätze sind ein Standortfaktor

Nach der  IHK mahnt nun auch der Unternehmensverband, dass   die Hebesätze von Gewerbe- und Grundsteuer nicht ständig erhöht werden dürfen, sondern im Gegenteil wieder auf ein erträgliches Maß herunter müssen. Klar, eine Stadt wie Neumünster hat als Oberzentrum mehr Aufgaben zu erfüllen und höhere Sozialkosten zu schultern als die kleinen Umlandgemeinden. Die gute Infrastruktur rechtfertigt auch höhere Hebesätze. Aber man darf die Kuh, die man melken will, nicht überfordern.  2019 endet  der Vertrag mit dem Land über Konsolidierungshilfen, der Neumünster auf die aktuell hohen  Steuerhebesätze  verpflichtet. Spätestens dann sollte  überlegt werden, ob die Sätze nicht wieder runtergehen könne. Steuersätze sind ein Standortfaktor.

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erstellt am 09.Nov.2016 | 11:15 Uhr

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