zur Navigation springen

Holsteinischer Courier

07. Dezember 2016 | 17:32 Uhr

Friedensfahrt : „Es gab täglich rührende Momente“

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

5500 Kilometer Abenteuer und viele Begegnungen: Familie Bobsien aus Timmaspe ist zurück von der Friedensfahrt nach Russland.

Timmaspe | Stundenlange Warterei an den Grenzen, berührende Begegnungen und fröhliche Feste: Wenn Kirsten Gantzel-Bobsien (50) und Jörn Bobsien (53) von ihrer Friedensfahrt nach Russland (der Courier berichtete) erzählen, sprudelt es nur so aus ihnen heraus. Am 7. August waren die Timmasper und ihr Sohn Jonathan (19) per Pkw gemeinsam mit knapp 250 weiteren Teilnehmern am Brandenburger Tor in Berlin gestartet.

Die rund 5500 Kilometer lange Strecke führte den mit Fahnen und Aufklebern geschmückten Autokorso aus rund 70 Fahrzeugen innerhalb von zwei Wochen unter anderem über Kaliningrad und St. Petersburg nach Moskau. Und schließlich über Minsk und Posen wieder zurück nach Berlin.

„Die Mitreisenden waren zwischen fünf und 80 Jahre alt. Alle Gesellschaftsschichten und jedes politische Lager waren vertreten. Dennoch gab es innerhalb der Gruppe kaum Reibungen. Es war natürlich ein großes Abenteuer“, erzählte Kirsten Bobsien.

„Bevor wir aufgebrochen sind, hatte ich ein mulmiges Gefühl und viele stilisierte Bilder im Kopf. Aber es war alles ganz anders. Die Menschen waren sehr interessiert und aufgeschlossen. Wir wurden überall mit großer Offenheit begrüßt. Denn im Gegensatz zu den hiesigen Medien wurde die Aktion von den russischen Medien die ganze Zeit über intensiv begleitet“, berichtete Jörn Bobsien.

Beim Besuch von Mahnmalen und in den Gesprächen mit Bürgern und öffentlichen Repräsentanten habe es keinerlei Schuldzuweisungen oder gar Aggressionen gegeben. Und auch die Sprachbarriere sei kein Hindernis gewesen. Manchmal reiche es eben schon aus, sich die Hand zu geben oder miteinander Musik zu machen. Die Menschen seien den Friedensfahrern sehr dankbar für ihre Initiative gewesen. Denn eine Kriegsgefahr werde in Russland als unglaubliche Bedrohung empfunden, da die Schrecken der Weltkriege im normalen Leben immer noch präsent seien. Denn jeder Russe habe jemanden verloren. Und noch heute würden auf den ehemaligen Schlachtfeldern Gebeine, auch deutscher Soldaten, gefunden, berichtet die Familie.

„Es gab täglich rührende Momente, bei denen ich eine Gänsehaut bekommen habe. Eine Frau hat mir zum Beispiel an einer Gedenkstätte mit bittendem Blick wortlos ihre Blumen in die Hand gedrückt, damit ich die für sie niederlege. Danach sagte sie einfach nur Danke“, erinnerte sich Kirsten Bobsien.

Einig sind die Bobsiens sich über das positive Fazit der ereignisreichen Tage: „Wir haben vielen Menschen vermitteln können, dass wir die politische Richtung, Russland als Feindbild zu präsentieren, nicht mittragen. Und wir haben nicht nur über Russland, sondern auch über unsere eigene Geschichte mehr gelernt als jemals zuvor“, sind sie sich sicher.

Für Interessierte haben die Timmasper übrigens ihre Erlebnisse unter friedensfahrtnms-moskau.blogspot.com in einem Reise-Blog im Internet zusammengefasst.  


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen