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Holsteinischer Courier

25. Mai 2016 | 20:48 Uhr

Kombiverkehrsterminal : Erinnerung an den alten Güterbahnhof

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Jahrzehntelang gab es in der Stadt einen regen Warenumschlag von der Schiene auf die Straße und umgekehrt. Nun bricht eine neue Generation an.

Neumünster | Der neue Kombiverkehrsterminal unter der Max-Johannsen-Brücke weckt Erinnerungen an alte Zeiten. Sechs Millionen Euro wollen die Betreiber der Firma Intermodal in Zusammenarbeit mit der Norddeutschen Eisenbahngesellschaft (NEG) in das Projekt stecken (der Courier berichtete). Damit soll an die lange Güterumschlag-Geschichte der Eisenbahnerstadt Neumünster angeknüpft werden. Einer, der die Entwicklung mit sehr viel Interesse verfolgt, ist Hans Bendfeldt. Der 68-Jährige aus der Gartenstadt war ab 1972 gut zehn Jahre Abteilungsleiter Güterbahnhof bei der Bahn an der Rendsburger Straße und Chef von rund 50 Mitarbeitern.

„Es war damals richtig was los. Der Güterbahnhof war rund um die Uhr besetzt, täglich kamen zahlreiche Züge an“, erinnert er sich. Wann genau die Ver- und Entladeeinrichtungen entstanden, weiß Bendfeldt nicht. „Das muss schon wesentlich früher gewesen sein, ich tippe auf den Anfang des 20. Jahrhunderts, wenn nicht noch früher.“ 1969 fing der gebürtige Lübecker als Inspektor-Anwärter in der Güterabfertigung in Neumünster an und erlebte den Trubel hautnah mit. „Es kam sehr viel Stückgut an, das in großen Schuppen zwischengelagert wurde“, sagt er. Aber auch an Massengut und bis zu drei Züge pro Tag voll mit Autos kann er sich erinnern.

Vor allem große Firmen hatten eigene Gleisanschlüsse und bekamen ihre Waren direkt auf das Gelände geschoben. „Ob das Nordfaser war, Stock Guss, der Baumarkt Friedrichsen, Wigger, die Feuerverzinkerei, das Kabellager der Post oder das Wehrbereichsbekleidungsamt: Wir haben die Waren überall hin ausgefahren.“ Häufiger Abnehmer waren auch die Holstenhallen. „Die Schweine und Rinder für Auktionen kamen bei uns an. Da war richtig was los“, erklärt Bendfeldt. Kürzere Wege gab es zu den Hamburger Gaswerken, die an der Gasstraße mit Gas- und Kohlewaggons versorgt wurden. Wenige Meter weiter an der Bahnunterführung an der Rendsburger Straße war die sogenannte Ladestraße. „Dort standen die Waren, die von den Firmen abgeholt werden mussten“, erklärt Hans Bendfeldt.

Für Klaus Maisel, ehemals Chef der Bahnfeuerwehr, sind noch die Jahreswechsel in Erinnerung. „Ende Dezember waren die Schuppen voll mit Knallern für die Kaufhäuser, und wir hatten immer Angst, dass die in die Luft fliegen“, sagt er. Mit der Bahnreform 1994 wurde der Güterbahnhof aufgegeben und Stück für Stück zurückgebaut.

Jens Danielsen (25), gelernter Kfz-Techniker, und seine Schwester Jenny Jensen-Danielsen (28), Groß- und Einzelhandelskauffrau, wollen die Tradition nun als Betreiber des Kombiverkehrsterminals fortsetzen. „Es ist ein gewaltiges Projekt, das uns schon unruhige Nächte beschert hat“, gibt Jens Danielsen zu. Er hat nach eigenen Angaben 2009 das Potenzial des Geländes an der Brückenstraße erkannt, als die elterliche Spedition dort Steinbruch anliefern und auf Lkw verladen ließ. Eine glückliche Fügung brachte ihn mit der NEG als Partner zusammen. „Wir sind zuversichtlich, dass nun wieder etwas Großes entstehen kann“, sagt er.

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erstellt am 14.Feb.2015 | 07:30 Uhr

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