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Traditionen : Einige Osterbräuche haben überlebt

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Der gebürtige Pommer Willi Treetzen und seine Frau Edith erinnern sich an alte Traditionen in Pommern, Sudetenland und Schlesien

Neumünster |  Sich mit Osterwasser besprengen, am Gründonnerstag nur Grünes essen oder jungen Mädchen mit dünnen Reisigruten auf den Hintern „stiepen“: Das sind alte Bräuche, die bei Pommern, Sudetendeutschen und Schlesiern früher typisch waren und es teils auch heute noch sind. Willi Treetzen (75) und seine Frau Edith Rousseau-Treetzen kennen diese Bräuche. „In Polen werden viele Traditionen aufrecht erhalten“, sagt Treetzen, der in Misdroy  auf der Insel Wollin (heute Miedzyzdroje in Polen) geboren wurde.  Gemeinsam mit  der Sudetendeutschen Sigrid Moede und Gudrun Stölting aus Schlesien hat der Vorsitzende der Stadtgruppe der Pommerschen Landsmannschaft ein paar typische Bräuche zusammengestellt.

Alte Bräuche drehten sich um Kulinarisches, um innere und äußere Reinigung, aber es gab auch neckische Sitten, Spiele oder Traditionen wie das Osterreiten. „In Misdroy haben wir zu Ostern erlebt, wie junge  Mädchen Wasser über die Köpfe gekippt kriegten. Das hatte etwas mit Reinlichkeit, aber auch der Reinheit der Jungfrauen zu tun.“ Junge Frauen wurden am Ostermorgen vor Sonnenaufgang  zum Wasserschöpfen an Bach oder Fluss geschickt. Sie mussten das stumm erledigen, das Wasser wortlos heimtragen. Dieses Osterwasser sollte Wunderkraft und segnende Wirkung haben. Die Burschen suchten die schweigenden Wasserholerinnen zu  erschrecken. Falls die Mädchen schrien oder redeten, wurde das Wasser wertloses „Schlatterwasser“.

Auch viele Einheimische kennen die Speisefolge über Ostern. Am Gründonnerstag gab es in den östlichen Gebieten teils nur Grünes  – Suppe mit neun frischen Kräutern, Schnittlauchsuppe, Spinat aus jungen Brennesseln. Treetzens kennen das: „Man isst Salat, Bohnen, grüne Klöße.“   Karfreitag gibt es Fisch, am Sonntag zum Ende der Fastenzeit Fleisch wie Lamm oder Rinderbraten. Auch das Verhalten wurde vorgeschrieben: Karfreitag war ein stiller Tag. Nur das „Ratschen“ oder „Osterschnarren“ war erlaubt. Kleine Jungs machten mit Klappern oder „Rumpelkasten“ Lärm und erbaten sich  Eier oder Geld. Singen und Pfeifen war an diesem Tag untersagt, man ging natürlich zur Kirche, arbeitete nur das Nötigste.

Am Karsonnabend wurden der Hausputz vollendet, das Osterbrot gebacken und die Ostereier gefarbt. Am Sonntag trugen Kinder Osterkörbchen mit Grundnahrungsmitteln wie Brot und Eier in die Kirche zum Segnen. Und die jungen Mädchen wurden „gestiept“. „Stiepen“ waren dünne Reiser oder Ruten aus Zweigen. „Osterstiepen“ war den jungen Männern vorbehalten, die mit den Osterruten ins Zimmer der Dorfschönen stiegen – und in der Regel genau wussten, wo welches Mädchen schlief. Sie zogen der Auserwählten die Decke weg, versetzten ihr leichte Schläge mit den Ruten und riefen: „Stiep, stiep Osterei, gibt Du mir kein Osterei, stiep ich Dir Dein Hemd entzwei.“ Die Mädchen gaben Süßes wie Marzipaneier.

Überliefert sind auch Spiele mit hart gekochten Eiern: Eiertrudeln oder Kullern, Kinder ließen hartgekochte Eier von einer Anhöhe hinunterrrollen. Wurde ein Ei beschädigt, aß es der Besitzer auf. Beim Eierbicken wurden hartgekochte Eier gegeneinander gestoßen. 

Die Treetzens haben nach alter Methode bemalte Ostereier im Wohnzimmer hängen. Und am Ostersonntag gibt es Fleisch.

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erstellt am 16.Apr.2017 | 09:30 Uhr

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