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Holsteinischer Courier

04. Dezember 2016 | 17:25 Uhr

Kirsten Bruhn : Einen Plan B hat es nie gegeben

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Paralympics-Gewinnerin Kirsten Bruhn stellte in der Buchhandlung Krauskopf vor 80 Zuhörern ihre Memoiren vor.

Neumünster | Es war eine Zeitreise in ihre eigene Vergangenheit: Am Donnerstagabend stellte Kirsten Bruhn in der Buchhandlung Krauskopf am Großflecken ihre Memoiren unter dem Titel „Mein Leben und wie ich es zurück gewann“ vor. Es war ein Heimspiel für die dreimalige Goldmedaillengewinnerin bei den Paralympics, die in Neumünster aufgewachsen ist.

80 Gäste aller Altersklassen (mehr als bei den Buchvorstellungen in Berlin oder Leipzig) wollten „ihre“ Kirsten Bruhn erleben. Gemeinsam mit Co-Autor Jörg Lühn bestritt sie eine Frage- und Antwortstunde, und die Mitarbeiter der Buchhandlung lasen kurze Passagen aus dem Buch.

Nachhaltig wird den Gästen der Moment in Erinnerung bleiben, als Lühn die Frage stellte: „Wie schwer war die Zeitreise zurück?“ Den Tränen nahe antwortete sie: „Sehr schwer. Die ganzen Puzzle-Teile noch mal zu erleben. Herr im Himmel, das war nicht einfach.“ Kirsten Bruhn ist aber nicht die Frau, die mit ihrem Schicksal hadert: „Aber ich schreibe nur einmal meine Memoiren“, sagte sie lachend. Natürlich wurde auch die Frage nach den drei Goldmedaillen bei drei Paralympischen Spielen in Athen, Peking und London gestellt. „Die Rekorde und die Medaillen gehören mir. Das Gefühl, wenn man da oben steht ist einzigartig, das kann man nicht beschreiben“, sagte Kirsten Bruhn.

Auch über den Moment vor der Dopingprobe berichtete Kirsten Bruhn den Zuhörern. Direkt nach dem Sieg hätte zunächst nichts funktioniert. Erst nachdem sie eine Menge getrunken hatte, konnte sie ihre Probe abgeben. Die Zeit bis zur Siegerehrung sei dann stressig gewesen. „Als dann die Nationalhymne ertönte, musste ich doch heulen“, erinnerte sie sich, „weil mir ganz doll die Blase drückte.“ Eigentlich hatte sie sich vorgenommen, bei der Siegerehrung keine Tränen zu vergießen, verriet die Ausnahmesportlerin.

Ein Zuhörer wollte wissen, ob sie nach ihrem Unfall einen Plan B zu ihrer nachfolgenden Entwicklung hatte. „Nein, es brauchte Zeit damit umzugehen“, antwortete sie. Mehrfach am Abend betonte die Sportlerin, wie wichtig für ihr Leben ihre Familie, die Eltern, Geschwister und Freunde waren und sind: „Ohne sie wäre ich nicht. Nur im Wasser war ich ich. Ich wollte das, ich brauchte das“, sagte Kirsten Bruhn.

Ferner sprach sie über ihre persönliche Sicht auf Prominente aus Film und Fernsehen während der Bambi-Verleihung, die Lästigkeit des Kamerateams während der Spiele in London, als bereits der Film „Gold – Du kannst mehr als Du denkst“ gedreht wurde, über die politische Instrumentalisierung von Sportlern und über ihre neue Aufgabe als ARD-Expertin in Rio. „Nun mache ich das, was ich als Sportlerin immer gehasst habe“, sagte sie und fügte an: „Vorbereitung im Leistungssport ist akribisch, aber da kannte ich das ZDF und die ARD noch nicht. Da steht jetzt schon genau fest, wer wann wo zu stehen hat.“

Wenn Kirsten Bruhn von sich sagt: „Ich möchte als ganz normaler Mensch wahrgenommen werden“, so lieferte sie an diesem Abend die besten Beweise dafür. Herzlicher Beifall und eine lange Schlange zur Buch-Signierung beendeten den Abend.

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