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Holsteinischer Courier

27. März 2017 | 02:44 Uhr

Eine weite Reise mit Hindernissen

vom

Junger Afrikaner ging auf der Fahrt nach Aukrug in Paris verloren

AUKRUG | "Wir hatten ein kleines Problem auf dem Weg hierher", sagte Sylvain Go, als er sich im ehemaligen "Blauen Salon" des Aukruger Gästehauses an die versammelten Mitglieder des Vereins "Partnerschaft Aukrug - Sien" wandte. "Aber mit Gottes Hilfe sind wir nun hier in Aukrug." Sylvain Go ist Englischlehrer in Burkina Faso und Betreuer einer vierköpfigen Schüler- und Studentendelegation aus Aukrugs westafrikanischer Partnergemeinde Sien, die am Sonntagnachmittag im Gästehaus in Innien begrüßt wurde.

Der Empfang hatte bereits am vergangenen Donnerstag um 10 Uhr stattfinden sollen, aber da wurde die Reisegruppe noch auf dem Pariser Flughafen "Charles de Gaulle" von ihrem "kleinen Problem" in Atem gehalten. Der jüngste von Gos Schützlingen - der 17-jährige Ferdinand Toé - war im Flughafen auf Erkundungstour gegangen, hatte den Anschluss an seine Gruppe verloren und war dann von Pariser Zollbeamten aufgegriffen und zwecks Vernehmung abgeführt worden. "Das hat dann eine ganze Zeit gedauert, bis die Gruppe wieder zueinander gefunden hat", erklärte Aukrugs Partnerschaftsvereins-Chef Reimer Reimers, der am Hamburger Flughafen vergeblich auf die Sien-Delegation wartete. "Der Flieger nach Deutschland war natürlich schon weg, als sie Ferdinand wiedergefunden haben." Mit zwölfstündiger Verspätung trafen die Afrikaner in Aukrug ein, und die jungen Leute wurden bei ihren Gastfamilien abgeliefert: Victorine Sow (22 Jahre) und Eugénie Paré (23) bei Heinke und Hannes Carstens in Bargfeld, Christoffe Ky (24) bei Ina und Gerhard Köhler in Bünzen und Ferdinand Toé bei Stèfanie Folster (ebenfalls in Bünzen). Sylvain Go bezog Quartier bei Susanne und Reimer Reimers in Böken, wo er sich von den Strapazen der 5000-Kilometer-Reise erholte. "Jetzt haben wir keine Angst mehr: Wir haben unser Dorf verlassen und sind nun in unserem anderen Dorf", sagte Go beim Empfang.

"Das ist jetzt der fünfte Besuch aus Burkina Faso bei uns", stellte Reimer Reimers fest. Die Aukruger haben es bereits auf sieben Reisen nach Sien gebracht. "Zusammen mit vielen anderen habe ich 1994 den Verein Partnerschaft Aukrug-Sien gegründet", sagte Reimers. "Seitdem haben wir zusammen mit der Bevölkerung von Sien viele Projekte erfolgreich verwirklicht." Der regelmäßige Kontakt per Briefaustausch und E-Mail sei inzwischen eine Selbstverständlichkeit. "Noch wichtiger aber ist, dass wir uns auch persönlich kennenlernen", betonte Reimers, "dass wir eine fremde Kultur akzeptieren und dass Ihr seht: So ist das hier bei uns."

Augenfällig seien die kulturellen Unterschiede zwischen Burkina Faso und Mittelholstein zum Beispiel schon bei den alltäglichen Begrüßungsritualen. "Wenn man sich in Sien trifft, begrüßt man sich sehr umfangreich, umarmt sich mehrmals und erkundigt sich nach dem Befinden aller Verwandten und Bekannten", vermerkte Reimers. "Hier bei und sagt man einfach Moin! und das war’s, aber das ist genauso herzlich gemeint."

Aukrugs ehemaliger Bürgermeister verteilte Schleswig-Holstein-Atlanten, Ortskarten und Naturpark-Broschüren an die Schüler und Studentinnen aus Sien: "Ich hoffe, Ihr bekommt einen guten Eindruck von Aukrug, denn Ihr seid die Zukunft unserer Partnerschaft."

Vier Wochen dauert der Aufenthalt. Geplant sind unter anderem ein Besuch im Erlenhof, Kartfahren mit dem BSC Aukrug, Angeln mit dem SAV Aukrug, ein Besuch des afrikanischen Tanz - und Trommelabends im "Tivoli", die Teilnahme am Gildefest in Böken, ein Ausflug nach Hamburg und ein Besuch des Tierparks. Der Abschiedsempfang der Gemeinde Aukrug soll am 16. August stattfinden.

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erstellt am 24.Jul.2012 | 07:49 Uhr

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