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Holsteinischer Courier

04. Dezember 2016 | 19:31 Uhr

Henning Möbius ist wieder da : Eine glückliche Rückkehr ins Leben

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Nach einem schlimmen Verkehrsunfall stand es lange nicht gut um Neumünsters Menschen des Jahres 2012. Jetzt geht es ihm wieder gut - und er bedankt sich.

Neumünster | Vor etwa zwölf Wochen hatte Henning Möbius (72) einen schlimmen Verkehrsunfall. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Nachricht in der Stadt, dass er als Radfahrer auf der Straße Am Kamp von einem Auto angefahren wurde. Es stand lange nicht gut um Möbius, den früheren Vorsitzenden des Stadtteilbeirats Tungendorf, den Vorsitzenden des Runden Tisches für Toleranz und Demokratie, Neumünsters Menschen des Jahres 2012. Der Courier hatte damals eine kleine Unfallmeldung gedruckt, sich aber sonst einer Berichterstattung enthalten. Jetzt ist Henning Möbius wieder da! Er hat seine Gedanken aufgeschrieben und möchte sich bei vielen Menschen in seiner Stadt und anderswo bedanken. Der Courier dokumentiert den Brief an dieser Stelle:


"Am 17. März wollte ich einem Freund eine Sitzungseinladung in den Briefkasten stecken. Wie immer nahm ich das Fahrrad für kurze Wege und verhielt mich sorgfältig im übersichtlichen Verkehr. Was dann passierte, entzieht sich gänzlich meiner Erinnerung. Ich habe es nach und nach von Angehörigen und Ärzten erfahren. Ein 21-jähriger Autofahrer fuhr mich so heftig an, dass mir zehn Rippen brachen, das linke Schultergelenk zerstört wurde, Trümmerbruch des rechten Unterschenkels und hirnbedrohendes Hämatom im Schädel.

Eine sehr aufmerksame Joggerin hat sofort wirksame Erste Hilfe geleistet und den Rettungsdienst informiert. Die Sanitäter und der Notarzt haben eine Stunde lang lebensrettende Maßnahmen eingeleitet und mich umgehend in die Unfallchirurgie des Krankenhauses eingeliefert. Ich habe keine Erinnerung an den Unfallhergang, keine Erinnerung an Schmerzen, keine Erinnerung an Hilfsmaßnahmen. Erst nach zwei Wochen bin ich aus dem künstlichen Koma erwacht, in dem alle notwendigen Maßnahmen ergriffen wurden.

Wenn ich dies nun aufschreibe und darüber nachdenke, bin ich immer wieder fasziniert von der Umsicht und dem handwerklichen Können der Ärzte.

Vieles anderes habe ich erfahren und gelernt in den neun Wochen in den Krankenhäusern in Neumünster und Malente. Da ist neben dem täglichen Besuch der Ärzte die rückhaltlose Sorge von Pflegern und Schwestern. Sie haben mir auch beigebracht, dass ich Geduld mit mir selbst lernen muss. Da ist die tägliche Begleitung durch meine Frau Astrid, die erst nach drei Wochen erfährt, dass ich durchkomme und vielleicht wieder der „Alte“ werde, der ihr zur Seite stehen kann. Sie war mit vielen anderen mein Hoffnungsträger und meine Verbindung in die Welt.

Wenn ich mich in aller Schwachheit aufgehoben sah in Gottes starker Hand, so spürte ich sie durch viele Hände, durch viele Worte, Gebete, Wünsche und Gedanken, Briefe, Lieder und Besuche. Was hat mich Gutes erreicht aus der weiten Familie, dem Bach-Chor, den Kirchengemeinden, dem Freundeskreis, den Old Tablers, den Volkshaus-Arbeitskreisen, unserem Museum Tuch+ Technik, meiner Wichernschule, der Schulstiftung in der Nordkirche, dem engagierten Bürgertum und der Politik unserer Stadt, von Freunden in Norwegen, Schweden, Griechenland, Tansania und den USA!

Ich hatte bei dieser starken Zuwendung so viel Gelegenheit, Boden unter die Füße zu bekommen, die Funktionen meines Kopfes auszuprobieren und zu schulen und Hoffnungen auf ein neues Leben wachsen zu lassen. So sind viele Menschen an meiner Gesundung und Heilung beteiligt. Dafür möchte ich allen ganz herzlich danken. Ich weiß, dass auch viele dabei Anstöße zum Nachdenken erfahren haben. Dabei sind wir uns sehr nahe gekommen.

Ich bin wieder zu Hause, und das macht mich glücklich. Jeder, der meine Stimme hört oder der mich sieht, staunt und freut sich unbändig mit mir. So gehe ich meinen Weg ins Leben weiter mit meiner Frau und allen, die mich begleitet haben, und ich möchte das Leben in dieser Stadt wieder mitgestalten. Auch meine Frau hat die ganze Zeit hindurch Trost, Hoffnung, Hilfe und Solidarität erfahren. Darüber ist sie sehr dankbar. Und ich bin es auch."

Henning Möbius

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von
erstellt am 16.Jun.2016 | 11:00 Uhr

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