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Holsteinischer Courier

09. Dezember 2016 | 20:33 Uhr

Jonas Lüscher : Einblicke in die Dichterwerkstatt

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Fallada-Preisträger Jonas Lüscher las in der Stadtbücherei aus seinem neuen Roman „Kraft“.

Neumünster | In Neumünster ist Jonas Lüscher kein Unbekannter. Im März wurde der Schweizer Autor für sein Erstlingswerk „Frühling der Barbaren“ (2013) mit dem Hans-Fallada-Preis ausgezeichnet, am Mittwochabend war der Philosoph und Ethiklehrer zu Gast in der Stadtbücherei, um aus seinem neuen Roman „Kraft“ vorzulesen. Dass nur 14 Besucher den Weg in die Bücherei gefunden hatten, begründete ein Gast mit dem Wahlergebnis in den USA: „Die Leute sitzen in Schockstarre zu Hause“. „Trump ist da. Das können wir nicht ignorieren. Aber ich habe kein gutes Gefühl“, nahm Jonas Lüscher das Thema kurz auf, um sich dann seinem neuen Buch zuzuwenden.

Auch „Kraft“ spielt in weiten Teilen in den USA. Genauer gesagt im Silicon Valley. Hierhin reist der durch Ehekrise und Finanzmisere gebeutelte Rhetorik-Professor Richard Kraft, um an einem Wettbewerb zur Lösung des Theodizee-Problems teilzunehmen. Mit seiner Antwort auf die Frage, warum ein Gott das Leiden zulässt, wenn er doch die „Allmacht“ und die „Güte“ besitzen müsste, es zu verhindern, hofft Kraft als Gewinner aus dem Wettbewerb zu gehen, die Siegprämie von einer Million Dollar einzustreichen und damit alle seine Probleme zu lösen.

Sprachgewaltig, kenntnisreich und humorvoll, wie bereits in seinem preisgekrönten Erstlingswerk, zeigte sich Jonas Lüscher auch in seinem neuen Roman, der Ende Januar 2017 bei C.H. Beck erscheinen wird. Und um im Vorweg nicht zu viel zu verraten, las Lüscher am Mittwochabend das erste Kapitel vor.

Für die anschließenden Fragen der tief beeindruckten Besucher stand er gerne bereit. „Wer liest das Buch als Erster?“, „Meine Frau“. „Wie lange haben Sie an diesem Roman geschrieben?“ „Ich habe vor vier Jahren damit begonnen“. „Machen Sie ein Gerüst, bevor Sie beginnen?“ „Ja, ein grobes, aber ich wusste bereits am Anfang, wie das Buch enden sollte. Dazwischen ist viel Kreativität. Als Romanschreiber muss man aufpassen, dass sich die Geschichte nicht selbst schreibt“, sagte Jonas Lüscher. Schreiben sei wie ein wildes Tier reiten. „Die Momente, wo man die Zügel lockern kann oder anziehen muss, darf ein Autor nicht verpassen“.

„Das war sehr aufschlussreich. Ich bin gespannt auf den Roman. Der Abend war ein Genuss“, sagte ein Besucher am Ende.

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erstellt am 11.Nov.2016 | 12:00 Uhr

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