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Holsteinischer Courier

08. Dezember 2016 | 09:01 Uhr

Tag des offenen Denkmals : Ein seltener Blick hinter die Gitter

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Gut 60 Besucher bekamen gestern am „Tag des offenen Denkmals“ interessante Einblicke in die Justizvollzugsanstalt.

Neumünster | Das ist durchaus ungewöhnlich: Gut 60 Besucher standen gestern vor der Tür der Justizvollzugsanstalt (JVA) und begehrten Einlass. Anlass war der „Tag des offenen Denkmals“. Die Interessierten wollten einmal hinter die fünfeinhalb Meter hohen Mauern an der Boostedter Straße blicken.

1905 ist die JVA als Gefängnis auf Erlass der preußischen Regierung errichtet worden. Teile der Einrichtung sind seit 2005 denkmalgeschützt, wie etwa das Pförtnerhaus, das kreuzförmige Backsteingebäude und die ehemalige Gefängniskirche, deren einstiger Betsaal heute ein moderner Besuchsraum mit Cafeteria ist.

Dr. Eberhard Schmidt-Elsaeßer, Staatssekretär im Ministerium für Justiz, Kultur und Europa, sagte in seinem Grußwort: „Am heutigen Denkmaltag machen wir diese Mauern etwas transparenter.“ Bereits zum dritten Mal in Folge öffnete die JVA ihre mehrfach gesicherten Tore im Rahmen des Denkmaltags. „Wir möchten der Bevölkerung Einblicke ermöglichen, um das, was im Verborgenen bleibt, zu öffnen“, schilderte Anstaltsleiterin Yvonne Radetzki den neugierigen Gästen. Gespannt verließen sie nach der Begrüßung zusammen mit Udo Ninow den Besucherraum, um bei einer Führung durch das Gefängnis einen Eindruck vom Leben hinter Mauern zu bekommen.

„Alles wirkt hell und offen, gar nicht düster. Außerdem ist der Bau ästhetisch sehr ansprechend“, sagte eine Besucherin. Die Inhaftierten haben seit Beginn der Sanierungsarbeiten 2006 einen Raum für sich allein, zuvor waren im etwa acht Quadratmeter großen Zimmer zwei Männer untergebracht. Fernseher und Bücher dürfen die Männer im Zimmer haben.

Dem Vorurteil, es handle sich um Hotelvollzug, begegnete Udo Ninow, der seit 30 Jahren im Vollzug arbeitet, so: „Unsere Aufgabe ist es, die Inhaftierten auf ein Leben ohne Straftaten in sozialer Verantwortung vorzubereiten. Das funktioniert über Angleichung an die Gesellschaft, weshalb hier ein Klima geschaffen wird, in dem vernünftiger Umgang miteinander herrscht.“ So werden die Gefangenen gesiezt, haben die Möglichkeit, in einer großen Halle Sport zu treiben und werden im Besucherraum auch nicht kameraüberwacht. „Außerdem versuchen wir, die Motivation für eine Ausbildung und einen Schulabschluss zu wecken“, erklärte Ninow weiter. Professionelle Angebote, sich mit der Tat und der eigenen Persönlichkeit auseinander zu setzen, gibt es in der Anstalt, die auch gut angenommen werden, sagte Yvonne Radetzki.

Die Einrichtung hat 598 Haftplätze, zurzeit sind 80 wegen Baumaßnahmen gesperrt. Das Gefängnis wird seit 2006 saniert, im kommenden Jahr soll das Haus B abgerissen und neu gebaut werden. Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 25 Millionen Euro. Der größte Teil der Inhaftierten sitzt wegen Diebstahls ein, der zweitgrößte wegen Raubes und Erpressung.

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