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Holsteinischer Courier

10. Dezember 2016 | 12:02 Uhr

Umstrukturierung : Ein Polizeirevier reicht nicht aus

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Gewerkschaft kritisiert Details. Das Konzept löst das Raumproblem nicht. Viele Ermittler bewerben sich weg.

Neumünster | Eine Umstrukturierung soll der akuten Raumnot bei der Polizei entgegen wirken. Doch viele Beamte machen sich Sorgen. Denn das neue Konzept bietet ihrer Ansicht nach viele Nachteile für die tägliche Polizeiarbeit und scheint das Platzproblem gar nicht zu lösen. Zahlreiche Beamte sehen sich offenbar bereits nach Versetzungsmöglichkeiten um, weil sie weiterhin unhaltbare Zustände befürchten. Das haben Vertreter der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Gesprächen mit Kollegen festgestellt. Polizeioberkommissar Oliver Müller, GdP-Vertrauensmann im 2. Revier an der Beethovenstraße, und Martina Vogt, die am selben Standort im Geschäftszimmer tätig und in der GdP für die Tarifbeschäftigten zuständig ist, schlagen deshalb Alarm. „Wir haben ganz große Bedenken“, sagen sie stellvertretend für das Gros der Kollegen.

Geplant ist zurzeit unter anderem, das 2. Revier und das 1. Revier zu einem einzigen Präsenzrevier zusammenzufassen – und zwar am Standort des 1. Reviers an der Altonaer Straße. In die freien Räume an der Beethovenstraße soll die zum Landespolizeiamt zählende Ordnungswidrigkeitsstelle (OWI) einziehen. Gleichzeitig soll in der Innenstadt, möglichst am Großflecken, eine neue Polizeistation entstehen, die zu den Ladenöffnungszeiten besetzt werden soll. Und die Stationen in den Stadtteilen sollen gestärkt werden. Das neue Konzept soll unter anderem die akute Raumnot der Kriminalpolizei und des 1. Reviers an der Altonaer Straße lindern, nachdem versprochene Neubauten verschoben beziehungsweise erst einmal gestrichen wurden. „Die Kripo und die Kollegen vom 1. Revier arbeiten dort seit Jahren am Limit“, wissen die GdP-Vertreter. Trotz aller Schwierigkeiten ist den Gewerkschaftsvertretern wichtig, dass die unterschiedlichen Dienststellen in der Raumfrage nicht in Konkurrenz treten.

„Die Gewerkschaft begrüßt viele Aspekte der neuen Pläne“, stellte Oliver Müller klar. So seien eine Station in der Innenstadt sowie gestärkte Stationen in den Stadtteilen für Polizei wie Bürger sehr sinnvoll und würden gleichzeitig die Reviere entlasten, heißt es. Von einem Umzug der OWI-Stelle in die Räume des 2. Reviers an die Beethovenstraße hält die Gewerkschaft jedoch nichts, auch wenn die Kripo dadurch mehr Platz bekäme. „Für eine 80  000-Einwohner-Stadt wie Neumünster ist ein einziges großes Revier nicht optimal. Wir können hier gut zwei Präsenzreviere vertragen“, sind sich Oliver Müller und Martina Vogt sicher. In Kiel und Lübeck gebe es zum Beispiel vier separate Reviere. Die Neumünsteraner warnen bei einer Zusammenlegung unter anderem vor deutlich höheren sogenannten Reaktionszeiten, die durch längere Anfahrtswege entstehen. Außerdem würde wertvolles Wissen schnell verloren gehen: „Man kennt die Schleichwege und die Handschrift seiner Pappenheimer vor Ort. Jedes Revier hat zudem besondere Schwerpunkte und Spezialisierungen“, beschreibt Müller. Außerdem fürchtet die Polizeigewerkschaft, dass die Raumnot durch die Zusammenlegung keineswegs gelindert würde. „Die Räume an der Altonaer Straße sind für 40 Mitarbeiter vorgesehen. Jetzt sollen da plötzlich mehr als 80 Kollegen unterkommen. Wie soll das gehen? Wir kommen von einer Raumnot in die nächste“, so Müller. Hinzu käme, dass es durch die geplanten Mehreinstellungen bei der Polizei bald noch enger wird. „Ich kenne keinen Kollegen in beiden Revieren, der die Zusammenlegung möchte. Alle, die ich sprach, sind dagegen“, so Müller.

Er plädiert deshalb weiterhin für den einst versprochenen Neubau an der Altonaer Straße und den Verbleib des 2. Reviers an der Beethovenstraße. In der Zwischenzeit sollte das Land nach Meinung der Gewerkschaft ein Mietangebot annehmen. So gebe es laut Müller die Option, dass die OWI-Stelle in die Nähe des DOC auf einen Firmenkomplex zieht. Der Standort dort sei behindertengerecht, das sei eine wichtige Voraussetzung, weil in der OWI-Stelle viele Kollegen mit Behinderungen tätig seien.

Die Unsicherheit sowie die beengten Verhältnisse haben bereits Auswirkungen im Kollegenkreis. „Viele sehen sich bereits nach neuen Dienststellen um oder sind bereits weg“, bedauert Oliver Müller. Die GdP hofft jetzt auf ein Umdenken, damit nicht noch mehr wertvolles Wissen langgedienter Ermittler verloren geht.

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erstellt am 28.Apr.2016 | 09:00 Uhr

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