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Holsteinischer Courier

04. Dezember 2016 | 09:17 Uhr

Aukrug : Ein neues Leben auf dem Bauernhof

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Marc Ottjes hat als erster Beschäftigter der diakonischen Werkstatt „Erlenhof“ den Sprung auf den ersten Arbeitsmarkt geschafft.

Aukrug | Marc Ottjes hat es geschafft: Als erster Beschäftigter in der Geschichte des Aukruger „Erlenhofs“ hat der 28-Jährige auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt Fuß fassen können. Nach einem dreimonatigen Praktikum und einer zweijährigen Probezeit ist Marc Ottjes jetzt vom Padenstedter „Rosenhof“ fest angestellt worden.

Für Erlenhof-Werkstattleiter Carsten Delfs ist die Anstellung von Marc Ottjes beim „Rosenhof“ ein echter Meilenstein: „Marc ist der erste Beschäftigte überhaupt, der uns komplett verlässt, auf den allgemeinen Arbeitsmarkt wechselt und in Zukunft mit dem Erlenhof nichts mehr zu tun haben wird.“ Ottjes ist das Paradebeispiel dafür, dass die Beschäftigung in einer diakonischen Werkstatt wie dem „Erlenhof“ keine Einbahnstraße sein muss, sondern ein „Sprungbrett“ (Delfs) für den weiteren Lebensweg sein kann.

„Nur ganz wenige besondere Menschen mit einer Menge Talent schaffen diesen Schritt“, meint der Integrationsassistent des „Erlenhofs“, Vasco Rudolf: „Und Marc muss man dazu zählen, denn Marc ist ein ganz besonderer Typ.“ Als Analphabet mit Lernschwäche besuchte der Padenstedter Marc Ottjes eine Förderschule in Kiel, ehe er vor zehn Jahren zum „Erlenhof“ des Landesvereins für Innere Mission nach Aukrug-Innien kam. „Er hat bei uns zunächst zwei Jahre lang den Berufsbildungsbereich absolviert und arbeitete dann in der Gärtnerei“, erzählt Delfs, „dort konnte er sich weiterqualifizieren und wurde mit immer mehr Aufgaben betraut wie zum Beispiel mit dem Fahren des Rasenmähertreckers.“

Heute sitzt Ottjes am Steuer eines 40-Tonnen-Schleppers plus Anhänger, mit dem er Kompost aus Neumünster abholt und zu den Feldern seines neuen Arbeitsgebers transportiert: dem „Rosenhof“ in Padenstedt, einem 700-Hektar-Betrieb mit Milchvieh, Bullenmast, Ackerbau und zehn Angestellten. Betriebsleiter Jens Beckmann wollte Ottjes gern eine Chance geben, knüpfte dieses Angebot aber an zwei Bedingungen: Der Erlenhofer musste eine Trecker- und eine Auto-mit-Anhänger-Fahrerlaubnis mitbringen. Beide Führerscheine konnte Ottjes bei der Deula in Osterrönfeld erwerben: den für den Trecker am 1. November 2013 und den für den Pkw mit Anhänger am 21. April 2016. „Wenn es die Deula-Intensivkurse, an denen Marc teilgenommen hat, nicht geben würde, wäre das alles gar nicht möglich gewesen“, betont Delfs. Genauso dankbar ist der Werkstattleiter dem „Rosenhof“ der Familie Beckmann: „Das ist ein sehr offener Betrieb, wo sich Marc zunächst bei einem Praktikum und dann in einer zweijährigen Probezeit beweisen konnte.“ Der „Rosenhof“ bekommt dafür, dass er Ottjes übernimmt, Fördermittel aus dem neuen „Budget für Arbeit“ des Landes Schleswig-Holstein. „Marc macht alle Arbeiten, die auf dem Hof so anfallen – er ist vielseitig einsetzbar“, lobt Jens Beckmann. „Familie Beckmann ist sehr bemüht um Marc – auch als Mensch – und das ist ganz wichtig“, sagt Integrationsassistent Rudolf, der Ottjes nun aus seinen fürsorglichen Fittichen entlässt, „und darum haben wir bei diesem für Marc so wichtigen Schritt auch ein gutes Gefühl.“

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erstellt am 27.Jul.2016 | 17:00 Uhr

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