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Holsteinischer Courier

27. September 2016 | 15:51 Uhr

Kunstflecken : Ein Konzert voller Leidenschaft

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Viel Beifall gab es in der Werkhalle für die betörende marokkanische Sängerin Oum und ihre virtuosen Musiker.

Neumünster | Es war wunderbare Musik und ein atemberaubender Anblick. 330 Gäste waren am Freitagabend gekommen, um die marokkanische Ausnahmemusikerin Oum live zu erleben. „Für Oum gehört Vielfalt zu den größten Gütern auf Erden“, begrüßte Johanna Göb das Publikum in der restlos ausverkauften Werkhalle. Ein Erlebnis ist Oum El Ghaït Benessahraoui allemal. Gekleidet in einem farbenprächtigen Gewand samt Turban und kunstvollem Schmuck, betrat die Tochter eines Berbers und einer Araberin die Bühne, um sogleich in das ruhige Lied ihrer vier Musiker einzustimmen.

Oum singt in arabischer Sprache, ihre Ansagen macht sie auf Englisch. Und so erfuhren die Besucher, dass es der 38-Jährigen in ihren Liedern um die Frauen in der arabischen Kultur geht. Im Song „Ah Wah“ beispielsweise vertonte Oum einen traditionellen marokkanischen Text aus dem 12. Jahrhundert, der von bedingungsloser Liebe jenseits der Konventionen handelt. Ein „kulturübergreifender Inhalt, der bis heute nichts von seiner Aktualität verloren hat“, wie die Marokkanerin meinte, und dem sie daher eine ebensolche Musik verpasst habe. Aus der ruhigen Songstruktur, die mit leisen Glöckchen begann und sich dann komplex aufbaute, traten die markanten Musiker solistisch hervor: der Trompeter Camille Passeri, der Oudvirtuose Yacir Rami, Damian Nueva am Bass und der Perkussionist Inor Sotolongo an einem mit afrikanischen Trommeln ausgestatteten Schlagzeugset. Oum selbst sang mit betörender Stimme und spielte Schüttelperkussion.

Jeder Takt zeugte von der Spielfreude der Musiker, jede Bewegung und jedes Mienenspiel war voller Leidenschaft. Da wurde zu keiner Zeit ein Programm abgespult. Am Freitagabend kamen die Besucher in den Genuss eindringlicher, atmosphärisch dichter Lieder, in denen Oum ihre marokkanischen Wurzeln musikalisch mit Elementen des Jazz und der spanischen Musikkultur verband und sich dabei ganz auf den akustische Sound ihres brillanten Quartetts verließ.

Soli wurden vom Publikum frenetisch gefeiert, Oums Ansagen zwischen den Liedern mit nachdenklichem Staunen goutiert. „Es ist wichtig zu wissen, wo man herkommt, um zu entscheiden, wo man hinwill“, erklärte die Afrikanerin die Bedeutung von Erinnerungen. Sie erzählte von ihrer Begegnung mit Teppich-Weberinnen aus M’hamid El Ghizlan, einer kleinen Oasenstadt im Süden Marokkos. „Diese Weberinnen verwenden abgetragene Kleidung von Familienmitgliedern oder Freunden, um daraus neue Teppiche herzustellen. In den Kleidern enthaltene Erinnerungen werden so miteinander verbunden und bewahrt. Ein bessere Inspiration für ein Lied gibt es nicht“, meinte die beeindruckende Frau.

Anderthalb intensive Stunden begeisterten Oum und ihr Quartett das Publikum, das sich mit Standing Ovations bedankte. „Hope to see you soon“, verabschiedete sich Oum nach der Zugabe. Das hoffen wir auch.

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erstellt am 19.Sep.2016 | 15:00 Uhr

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