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Holsteinischer Courier

10. Dezember 2016 | 17:42 Uhr

Knusperhaus : Ein Kindheitstraum aus Lebkuchen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Seniorenheim-Bewohner haben mit fachkundiger Anleitung ein großes Knusperhaus gebaut und beklebt. Das Modell soll auf Reisen gehen.

Neumünster | 18 Backbleche Lebkuchen, 110 Pakete Puderzucker, 40 Eier, diverse Süßigkeiten und viele schöne Stunden: Alles zusammen hat ein großes Lebkuchenhaus ergeben, das einige Bewohner des Seniorenheims Awo-Servicehaus am Wasserturm gemeinsam mit Betreuer Harry Hartwig (56) gebaut haben. Toni Gischenhagen (98), Elisabeth Berndt (87), Herta Wriedt (79) und Anneliese Blunck-Behrens (81) halfen tatkräftig mit.

Die Idee kam von selbst. „Die Damen haben immer gesagt, für den Tisch im Aufenthaltsraum brauchen wir ein kleines Hexenhaus. Dann habe ich überlegt, dass wir ja auch ein großes machen können“, erzählte Hartwig. „Wenn ich etwas baue, möchte ich die Bewohner immer mit einbeziehen. Ich überlege, wer was machen kann und wer wofür fit ist“, sagte Harry Hartwig. Der therapeutische Aspekt war ihm neben dem Spaß wichtig.

Das Holzgestell hat er gesägt und aufgebaut, vor drei Wochen hat er damit angefangen. „Alle Abende kam er dann mal zu uns und hat gezeigt, was bereits fertig war. Wir haben ihm aber auch Löcher in den Bauch gefragt und wollten alles wissen“, erzählte Toni Gischenhagen schmunzelnd.

Als das Holzgerüst stand, war es Zeit für die Lebkuchenplatten, erinnerte sie sich: „Der Kuchen hat am Anfang nicht gehalten, der Zuckerguss war rutschig. Wir standen dann und haben ihn festgehalten und am Ende sogar festgeschraubt.“ Auch der Chefkoch der Einrichtung, Olaf Dannath, und seine Mitarbeiter unterstützten die Aktion. „Der Lebkuchen haben wir hier nach eigenem Rezept gebacken“, sagte er.

Die Arbeit am Lebkuchenhaus hat sie näher zusammengebracht, erzählen die Damen. „Es war auch die gemeinsame Zeit, und zu sehen, wie etwas von Anfang an entsteht. Einer war für den anderen da“, sagte Herta Wriedt.

Ein noch größeres Kompliment richtete sich an die Arbeit von Harry Hartwig. „Er geht liebevoll mit uns älteren Leuten um. Wenn wir was nicht verstanden haben, erklärt er es uns geduldig“, erzählte die 79-Jährige glücklich und ergänzte: „Wir danken ihm. Wir freuen uns alle über das Hexenhaus.“

Nachdem die Lebkuchenplatten an dem Holz hielten, ging es an den Zuckerguss. „Nach und nach haben wir alles zusammengeklebt. Es ging Stück für Stück voran, jeder von uns hat einen Teil gemacht“, sagte Toni Gischenberg. Für Harry Hartwig ist es besonders wichtig, dass die Bewohner nicht nur Alltägliches erleben, sondern kognitiv gefördert werden. „Ich möchte, dass die Leute so viel Selbstständigkeit wie möglich beibehalten.“

Das Knusperhaus soll bis nach Weihnachten stehen bleiben, um die Bewohner zu erfreuen, die teilweise an schweren Krankheiten, unter anderem Demenz, leiden. „Für viele ist das Lebkuchenhaus eine Erinnerung an Kindheitsträume“, erzählte Harry Hartwig. „Er wurde erfüllt, und es ist so ein schönes Haus geworden. Mit Beleuchtung und den Holzfiguren davor“, ergänzte Herta Wriedt und erzählte weiter: „Früher war eine schlechte Zeit. Da konnte man so etwas nicht machen, wovon denn auch. Deswegen ist es umso schöner, sich diesen Traum aus der Kindheit doch noch erfüllen zu können.“

Nach dem Zuckerguss folgte das Verzieren mit Schokolinsen, Keksen und Plätzchen. „Es gehörte schon ein bisschen Geschick dazu“, sagte Anneliese Blunck-Behrens und schaute auf das fertige, knapp einen Meter große Haus. Die Holzkonstruktion soll Ende Januar verpackt und verstaut werden und nächstes Weihnachten wieder erstrahlen. „Vielleicht kann es dann ja auch eine andere Einrichtung bekommen“, sagte Toni Gischenhagen. So könnte der süße Traum auf Reisen zu weiteren älteren Leuten gehen.

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erstellt am 29.Nov.2016 | 13:00 Uhr

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