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Holsteinischer Courier

07. Dezember 2016 | 11:42 Uhr

Nachruf : Ein Chefredakteur und Gentleman

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Siegfried Krüger ist im Alter von 88 Jahren gestorben. Er prägte den Courier nach dem Krieg wie kein anderer.

Neumünster | Die prägendste Zeit seines Lebens waren für Siegfried Krüger der Krieg und die harten Jahre danach. Er hat daraus auch Positives geschöpft. „Es war schlimm. Aber ich habe Menschenkenntnis und Selbstständigkeit gelernt und möchte keinen Tag missen“, sagte Krüger, wenn er über diese Zeit der Entbehrungen sprach. 40 Jahre lang war Siegfried Krüger beim Holsteinischen Courier beschäftigt. Nun hat er im Alter von 88 Jahren für immer die Augen geschlossen, nur wenige Wochen nach seiner geliebten Ehefrau Ingeborg.

Seine Jugend in Kolberg (Pommern) fand 1943 ein abruptes Ende: Mit 15 Jahren wurde Krüger Marinehelfer in Gotenhafen und kam in die Ausbildung für U-Boot-Fahrer. Er überlebte den Krieg mit viel Glück, geriet in Gefangenschaft. 1947 kam er frei und nach Neumünster, denn dorthin waren seine Eltern geflüchtet. In Hamburg wollte Krüger sich zum Sportlehrer ausbilden lassen, doch ein Arzt stellte einen Herzfehler fest und riet dem 20-Jährigen dringend von diesem Beruf ab. Also machte Krüger eine Kaufmannslehre und fing an, Sportberichte zu schreiben. Kurz bevor der Holsteinische Courier im Oktober 1949 wieder erscheinen durfte, stellte er sich dort vor. „Was können Sie denn?“, wurde er gefragt, und Krüger antwortete selbstbewusst: „Ich kann eigentlich alles!“ – „Na gut, dann schreiben Sie mal was Schönes.“ Und so kam es, dass Siegfried Krüger von der ersten Ausgabe an für den Courier schrieb. Diese erste Titelseite hing, in edles Holz gerahmt, immer in seinem Haus.

Mit dem Kaufmannsdiplom in der Tasche begann er ein Volontariat beim Courier, der damals noch mittags erschien. „Es war eine harte Zeit, richtige Knochenarbeit“, erinnert er sich. Manchmal wurde auch in der Redaktion übernachtet: „Dann stellten wir uns zwei Stühle zusammen und schliefen darauf“, sagt Krüger. Zeitweilig wohnte er sogar im Courier-Haus am Gänsemarkt.

1955 wurde Siegfried Krüger als Redakteur für Sport und Landespolitik auch stellvertretender Chefredakteur, 1966 dann Chefredakteur – und blieb es bis zu seinem Abschied 1989. Er machte das Blatt zur Morgenzeitung, passte das Erscheinungsbild an, ging den Weg vom Bleisatz zur elektronischen Satzherstellung mit.

Als Chefredakteur war Krüger im Hause geachtet und beliebt; er behandelte jeden Mitarbeiter mit dem gleichen Respekt. Seine Kommentare wurden in der Stadt geschätzt und im Rathaus manchmal auch gefürchtet. Aber Krüger war immer fair. Er war ein stattlicher Mann, gebildet, humorvoll – und ein klassischer Gentleman.

Siegfried Krüger war Neumünsteraner aus Überzeugung, engagierte sich hier, war Rotarier seit 1972. Sein Buch „Neumünster – ein farbiger Bildband“ steht noch in vielen Bücherschränken. Er blieb seinem Courier immer verbunden – der Zeitung, die er so geprägt hat. Und die ihm so viel zu verdanken hat.

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erstellt am 30.Mai.2016 | 13:00 Uhr

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