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Holsteinischer Courier

06. Dezember 2016 | 22:57 Uhr

Vortrag : Ein alter Bekannter in der Anscharkirche

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Propst i. R. Johannes Jürgensen war wieder einmal zu Gast und sprach vor dem Heimatbund über „seine“ Kirche.

Neumünster | Ein alter Bekannter stand am Montagabend auf der Kanzel der Anscharkirche. Johannes Jürgensen, Propst im Ruhestand, predigte aber nicht, sondern er erzählte: Von den turbulenten Anfängen der Anscharkirche, von den kuriosen Entscheidungen, die den Bau des Gotteshauses immer wieder hinauszögerten, von einem gewitzten Baumeister und von den großzügigen Spenden der Neumünsteraner Bürger, die es letztlich ermöglichten, dass die Anscharkirche 1913 eingeweiht werden konnte.

Auf Einladung des Schleswig-Holsteinischen Heimatbundes war Johannes Jürgensen (79) zurück an seine alte Wirkungsstätte gekommen, um vor 50 Besuchern einen Vortrag über „Die Anscharkirche – ein Gotteshaus und Bauwerk mit Geschichte“ zu halten.

„Diese Kirche hat bis heute ein bewegtes Leben hinter sich“, berichtete Jürgensen. Erst 13 Jahre nach dem ersten Mahnschreiben aus Kiel, in dem es hieß, Neumünster brauche unbedingt eine zweite Kirche, und der holprigen Suche nach einem Standort, wurde 1909 ein Architekturwettbewerb ausgeschrieben. 126 Büros beteiligten sich, die Kirchenvertreter entschieden sich für den Entwurf des Neumünsteraner Architekten Schlichting, der stieg irgendwann aus und Hans Roß übernahm das Zepter. Er sei froh über den Wagemut des Zimmermeisters, sagte Jürgensen, denn dank Roß‘ visionärem Entwurf sei ein sehr elegantes Gebäude entstanden, dessen Offenheit Architekt Fritz Hain sen. mit dem schlichten Wiederaufbau der zerstörten Kirche nach dem Krieg noch unterstrich.

Das Interesse der Besucher war groß – sowohl am Thema als auch an der Person Johannes Jürgensen. 15 Jahre, von 1986 bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2001, war der Theologe als Propst im Kirchenkreis Neumünster tätig. Als Pastor hat er während dieser Zeit regelmäßig Gottesdienste geleitet, gewohnt hat er als Propst direkt neben der Anscharkirche.

Was macht er heute? Wo lebt er? Engagiert er sich noch aktiv in der Kirche? „Ich bin Pensionär“, schmunzelte Jürgensen mit einem charmanten Lächeln. Gleich nach seinem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst seien er und seine Frau nach Büdelsdorf gezogen. Nicht weil es ihnen in Neumünster nicht gefallen habe, sondern um Platz zu machen für Neuanfänge. „Ich verstehe mich mit meinem Nachfolger Stefan Block bis heute sehr gut“, sagte Jürgensen. Er halte es aber für wichtig, dass man sich als alter Hase aus der Arbeit des Neuen heraushalte. „Mit einem Wohnortwechsel war das gewährleistet“, sagte er. Außerdem habe man mit Büdelsdorf einen schönen Wohnort gefunden. „Dort gibt es eine aktive Gemeinde, in der ich einen regelmäßigen Gesprächskreis leite. Wir diskutieren über Glaubensfragen und wie sie heute zu deuten sind“, beschrieb Jürgensen seinen Gesprächskreis „Glauben im Gebrauch“.

Er verkriecht sich nicht in der Vergangenheit, Jürgensen lebt im Hier und Jetzt. Davon zeugt auch sein Engagement in der St. Stephanus-Kirche zu Westerhever auf Eiderstedt. Pensionierte Pastoren, Pröpste und Kirchenmusiker haben sich 2011 zusammengetan, um im Sommer regelmäßige Gottesdienste zu gewährleisten. Er gibt Volkshochschulkurse zum Thema „Wie sehen unsere Nachbarländer Deutschland?“ und freute sich, einen Vortrag über die Anscharkirche zu halten.

Mehr als eine Stunde lang erzählte Johannes Jürgensen gut vorbereitet, kenntnisreich und launig über „seine Kirche“, in der er sich sichtlich wohl fühlte. „Wir müssen das tun, was dem Frieden dient. Dafür muss ich in die Stiefel des anderen steigen. Gottvertrauen stiftet Lebensqualität“, sagte der emeritierte Propst. „Dieser Raum kann helfen. Ich bin ihm sehr dankbar“.

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erstellt am 25.Mai.2016 | 08:15 Uhr

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