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Holsteinischer Courier

24. März 2017 | 14:58 Uhr

Grosses Jubiläum : Ein Abend für die Seele der Partei

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Neumünster-SPD feierte ihren 150. Geburtstag in der Holstenhalle mit Reden voller Respekt und Wertschätzung.

Neumünster | Mit welchem Sozialdemokraten man sich an diesem Abend auch unterhielt: In jedem Gespräch war der Stolz herauszuhören. Der Stolz auf 150 Jahre SPD in Neumünster, auf die lange Geschichte, die klugen Vordenker und die alten, neuen Werte. Mit etwa 300 Gästen feierte die SPD ihren runden Geburtstag in den Holstenhallen. Es war ein Abend für die Seele der Partei.

Die sieht sich gerade im Aufwind, hat wenige Wochen vor der Landtagswahl in den Umfragen die CDU überholt, gewinnt neue Mitglieder und neue Zuversicht durch ihren neuen Spitzenmann Martin Schulz. Der war am Freitagabend noch gar nicht zum Bundesvorsitzenden gewählt, aber sein neuer Schwung war trotzdem präsent. Der Noch-Parteichef Sigmar Gabriel hatte ja kurzfristig seine Teilnahme absagen müssen.

Das bedauerte die Kreisvorsitzende Kirsten Eickhoff-Weber in ihrer Begrüßung, aber mit Ministerpräsident Torsten Albig hatte sie schnell eine würdige Vertretung für die Festrede gefunden. In den 150 Jahren seit der Gründung des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins in Neumünster, der Keimzelle der SPD, hätten sich die zentralen Werte nicht verändert: „Das sind Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität“, sagte sie.

Der Fraktionsvorsitzende Volker Andresen erinnerte an die berührende Wiedergründung der SPD nach dem Zweiten Weltkrieg. „372 Personen kamen am 18. November 1945 in Sonntagskleidung zusammen. Auch die alte Parteifahne war wieder da: Man hatte sie zwölf Jahre lang vor den Nazis in einem Schornstein versteckt“, erzählte Andresen – und zitierte Alfred Schlüter, SPD-Urgestein aus Tungendorf: „Die Wiedergründung 1945 war mein tiefstes Erlebnis.“

Voller Wertschätzung sprach Herbert Möller (93), Ehrenvorsitzender der CDU und langjähriger Gegenspieler der SPD im Rat. „Es ist überaus beachtenswert, wenn eine selbstbewusste und stolze Partei wie die SPD mich bittet, ein Grußwort zu sprechen. Das kann riskant werden, für uns beide, sehr verehrte Frau Eickhoff-Weber!“, sagte Möller schelmisch. Er berichtete von manch politischer Schlacht und von vielen Gemeinsamkeiten: „Für Freiheit und Demokratie, für Sicherheit, sozialen Wohlstand und Frieden haben wir immer über Parteigrenzen hinweg gemeinsam gekämpft. Auch um den städtischen Haushalt gab es selten großen Krach.“

Möller erinnerte voller Respekt auch an große Sozialdemokraten der Nachkriegsgeschichte – etwa die Stadtpräsidenten Max Johannsen, Walter Jansen, Herbert Winkler und Helmut Loose, die Oberbürgermeister Walther Lehmkuhl und Dr. Uwe Harder, Fraktionschef Erwin Grunow.

Torsten Albig bedankte sich bei Herbert Möller für die „sehr respektvolle Rede, die zu Herzen ging“. Er betonte, dass Neumünster heute ohne die Sozialdemokratie eine andere Stadt wäre. Auf aktuelle politische Tendenzen spielte er nur kurz an: „Wir lassen nicht zu, dass andere an unsere demokratischen Wurzeln die Axt anlegen.“

Fast zweieinhalb Stunden dauerte der offizielle Teil. Danach feierten die Genossen und ihre Gäste den runden Geburtstag noch ein paar weitere Stunden lang.

Kommentar: Das ist Größe

Wäre Sigmar Gabriel gekommen, hätte er natürlich alle Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Der SPD-Bundesvorsitzende wäre  hereingerauscht, hätte 45 Minuten über die Sozialdemokratie an sich geredet, ein paar Hände geschüttelt – und wäre wieder entfleucht. Wenn der Festredner dann kurzfristig absagt, hat man es als Veranstalter  gut, wenn man auf den Ministerpräsidenten zurückgreifen kann (auch wenn dessen pastoraler Ton ein bisschen einschläfernd wirkte). Der eigentliche Star des Abends war aber  Herbert Möller, Ehrenvorsitzender der CDU. Seine Rede war voller Respekt für den politischen Gegner, manchmal rührend, einfach großartig. Es spricht für die SPD, überhaupt auf die Idee zu kommen und sich  zu trauen, einen CDU-Mann ans Rednerpult zu bitten. Aber wer auf 150 stolze Jahre zurückblickt, der kann sich diese Größe auch leisten. (tg)

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erstellt am 20.Mär.2017 | 08:00 Uhr

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