zur Navigation springen

Holsteinischer Courier

08. Dezember 2016 | 03:15 Uhr

Neumünsteraner Leselust : Ehrenamtliche Vorleser aus Leidenschaft

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

In einer Feierstunde ehrte die Diakonie ihre ehrenamtlichen „Nele“-Vorleser. Der Courier stellt drei von ihnen vor.

Neumünster | Ute Reinhardt (57) aus Einfeld: „Ich bin durch einen Zeitungsartikel auf das Projekt aufmerksam geworden und seit sieben Jahren für die Neumünsteraner Leselust (,Nele‘) im Einsatz. In den ersten zwei Jahren war ich bei verschiedenen Vorlese-Aktionen dabei, und seit fünf Jahren leite ich die Textwerkstatt. Wir sind eine Gruppe von 17 Frauen und Männern, die sich einmal im Monat trifft und sich konzentriert mit Autoren, Werken und Themen befasst. Die anderen Vorleser haben dann die Möglichkeit, das Entwickelte in ihr Text-Repertoire mit aufzunehmen. Wir erarbeiten beispielsweise Programme für Vorlesestunden in Gemeindehäusern, im Nachbarschafts-Café oder auf Stadtteilfesten. Außerdem organisieren wir Fortbildungen im Bereich Ausdruck, Stimme und Bühnenpräsenz für die Vorleser.

Ich selbst lese ausschließlich im Erwachsenenbereich. Zu meinen persönlichen Höhepunkten zählt eine Lesung im Bett, die vor sechs Jahren bei Möbel Brügge stattgefunden hat. Auch an eine Veranstaltung in der Villa Wachholtz erinnere ich mich gerne zurück.

Am schönsten ist es, wenn Menschen nach einer Lesung fragen, ob sie unsere erarbeiteten Texte haben dürfen. Darüber freue ich mich sehr. Wenn wir animieren und inspirieren können, dann ist das eine tolle Sache. Solange ich noch Ideen habe, werde ich auf jeden Fall weitermachen.“

Michael Eggers (52) aus Lütjenburg: „Ich bin vor vier Jahren von Tungendorf nach Lütjenburg gezogen, aber dem ,Nele‘-Projekt bis heute verbunden geblieben. 2008 bin ich auf der Ehrenamtsmesse in Faldera auf die Leselust aufmerksam geworden. Ich fand die Aktion klasse und hatte schon kurze Zeit später meine ersten Einsätze bei verschiedenen Veranstaltungen, beispielsweise im Tierpark.

Danach habe ich viele Jahre wöchentlich in der Hauke-Haien-Kita in Faldera vorgelesen. Mit behinderten und nicht behinderten Kindern zusammenzuarbeiten – das war für mich total interessant. Als ich mich dort wegen meines Umzugs verabschiedet habe, überreichten mir die Kinder ganz viele selbstgemalte Bilder, mit denen sie sich für die schönen Stunden bedankten. Die habe ich immer noch – und ich halte sie sehr in Ehren. Seit drei Wochen lese ich einmal in der Woche in der St.-Bartholomäus-Kita am Wernershagener Weg. Im Schnitt habe ich Gruppen mit sechs bis acht Jungen und Mädchen. Bei den kleineren Kindern arbeite ich eher mit Bilderbüchern, bei größeren lege ich auch viel Wert auf Interaktion. Wichtig ist mir, den Kindern auf Augenhöhe zu begegnen. Es ist schön, mit ihnen zusammen zu sein und gleichzeitig das Lesen zu fördern. Denn im Zeitalter digitaler Medien sollte man auch das gute alte Buch nicht vergessen.“

Karin Böhnke (70) aus Padenstedt-Kamp: „Vor zehn Jahren wurde ,Nele‘ gegründet, und seit zehn Jahren bin ich dabei. Angefangen habe ich in der Kita Bollbrück in Einfeld, und da bin ich bis heute geblieben. Wenn ich mit meinem Mann Kristian auf den Hof fahre, dann klopfen die Kleinen bereits an die Scheibe, das ist jedes Mal eine Riesenfreude.

Ich lese in einer Gruppe mit sechs bis zehn Kindern, die jedes Mal wechseln. Meistens habe ich Tiergeschichten oder Märchen dabei. Die Kinder haben aber auch oft eigene Wünsche. ‚Die kleine Maus‘ wollen sie beispielsweise immer wieder hören. Und wenn ich etwas verkehrt lese, dann werde ich verbessert.

Seit sechs Jahren lese ich auch einmal im Monat Demenzkranken im Propst-Riewerts-Haus vor. Die Damen und Herren kommen meistens traurig rein und gehen lachend wieder raus, das ist so ein schönes Gefühl! Ich versuche jedes Mal, die Menschen mit einzubeziehen und Assoziationen bei ihnen zu wecken. Dafür bekomme ich viel Dankbarkeit. Ein Ereignis werde ich nie vergessen: Auf dem Tisch stand ein Gesteck mit Kunstblumen. Einer der Herren pulte die ganze Zeit daran herum. Ich bat ihn, es wieder hinzustellen, aber er sagte immer nur ‚Ich darf das!‘ Am Ende der Vorlesestunde überreichte er mir einen kleinen Blumenstrauß. Ich war zu Tränen gerührt und habe ihn bis heute aufbewahrt.“

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 29.Sep.2016 | 08:15 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen