zur Navigation springen

Holsteinischer Courier

03. Dezember 2016 | 20:49 Uhr

Strecke nach Hamburg blockiert : Dritter Chaos-Tag bei der Bahn

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Ein Lkw-Unfall zwischen Horst und Dauenhof auf der Strecke Neumünster – Hamburg legte Züge lahm. Tausende saßen fest.

Neumünster | Es ist der dritte komplette Zugausfall in dieser Woche im Berufsverkehr Richtung Hamburg. Wegen einer Oberleitungsstörung in der Nähe von Horst (Kreis Steinburg) ging gestern Morgen auch am Bahnhof in Neumünster gen Süden nichts mehr. Nach einer Kabelstörung am Montagmorgen und einer Signalstörung am Mittwoch fehlte vielen Reisenden gestern endgültig das Verständnis. „Die Züge Richtung Hamburg verspäten sich auf unbestimmte Zeit“, schallte immer mal wieder eine Durchsage durch den Bahnhof. Reisenden Richtung Hamburg wurde die Fahrt über Bad Oldesloe empfohlen.

Gegen 6.30 Uhr beschädigte ein Lkw die Oberleitung, ein Lichtzeichen und einen Schrankenbaum zwischen Horst und Dauenhof. Die Folge: Bis zum Abend waren mehrere tausend Menschen betroffen und mussten sich auf erhebliche Störungen einstellen. Bis zum Redaktionsschluss war das Problem noch nicht behoben. Schienenersatzverkehr gab es nicht; die Bahn riet dazu, auf andere Zugverbindungen auszuweichen oder Buslinien zu nutzen.

Lange Wartezeiten und so manch geplatzter Termin ließen sich aber nicht vermeiden. Viele Betroffene berichteten, dass die Informationen nur spärlich flossen und keine Hilfe waren, denn viele fühlten sich schlecht informiert. So wurde ihnen zum Beispiel ein wartender Anschlusszug versprochen, der dann aber vor ihrer Nase abfuhr. „Der Zugbegleiter sagte, dass die Ersatzverbindung über Oldesloe in Neumünster wartet. Als wir ankamen, fuhr der Zug aber gerade los. Bloß ein paar Minuten warten hätte gereicht, und alles wäre gut“, sagte Helmut Frost (63) aus Flensburg, der nach Gütersloh unterwegs war. Ebenfalls ärgerte ihn der fehlende Service in Neumünster: „Vorher waren drei Damen von der Bahn hier am Schalter. Als es aber gerade voll wurde, sind zwei gegangen, vielleicht in die Pause. Das hat die Wartezeit enorm verlängert.“ Die Schlange am Informationsschalter reichte nach kürzester Zeit weit auf den Bahnhofsvorplatz und viele mussten lange Wartezeiten in Kauf nehmen.

Die Tierärztin Kerstin Janßen (34) wollte mit einer Kollegin eigentlich nach Hannover zum Kongress fahren. Weil sie ihren zehn Monate alten Sohn Ludwig mitnehmen musste, war sie in Kiel gegen 6 Uhr in einen durchgehenden Zug gestiegen. Doch in Neumünster war Schluss. „Das ist ärgerlich. Der Kongress ist sehr teuer. Eigentlich sollten wir gegen 9 Uhr da sein. Jetzt verpassen wir mindestens den halben Tag“, meinte die Veterinärin enttäuscht und stelle sich in die lange Schlange vor dem Infoschalter an. Dort wartete auch Dörte Callsen (62) aus Kiel, die eine Urlaubsreise nach Bamberg (Bayern) machen wollte. Ihr Anschlusszug kurz nach 10 Uhr in Hamburg war schon nicht mehr zu erreichen. Jetzt brauchte sie eine neue Verbindung – und musste lange warten.

Sabine Schultze (69) hatte derweil in einem Warteraum auf dem Bahnsteig ein wenig Schutz gesucht. Die Neumünsteranerin hoffte, dass der Zug Richtung Prag irgendwann kommen würde. Damit wollte sie bis Berlin reisen. „Mein Vater war auch bei der Bahn“, erzählte sie. „Früher, als es noch nicht so viel Technik gab, hat das irgendwie alles besser geklappt“, meinte die Seniorin. Neben ihr auf der Bank las derweil Eva Callsen–Bracker (31) aus der Nähe von Schleswig ihrem Sohn Pelle (3) eine Geschichte vor. Die beiden wollten ebenfalls nach Berlin, um Verwandte zu besuchen. Zwar hielten die bunten Bilder und ein Spielzeugtrecker den kleinen Jungen bei Laune, die langen Wartezeiten waren trotzdem eine Strapaze für Mutter und Sohn.

zur Startseite

von
erstellt am 19.Nov.2016 | 07:30 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen