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Holsteinischer Courier

26. Februar 2017 | 20:17 Uhr

Rätselhaftes Bild : Drei Werke von Max Werner bereichern das Museum

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Zwei der Gemälde zeigen bekannte Fabrikanten. Doch wer ist der Mann auf dem dritten Bild?

Neumünster | Eine ganz besondere Schenkung konnte Astrid Frevert, Direktorin des Museums Tuch+Technik, gestern Vormittag in Empfang nehmen. Gleich drei Gemälde des Malers Max Werner (1879-1952), der sich nach dem Ersten Weltkrieg in Neumünster niederließ und auch hier starb, gehören jetzt zur Sammlung des Hauses. Ermöglicht wurde der Transfer zum einen von der Vorbesitzerin der Bilder, Ute Mathesdorf, die dem Museum die Werke anbot. Finanziert wurde er mit Hilfe der Fielmann-Stiftung.

Die Gemälde zeigen alle Männerporträts. Zwei davon sind mit Sicherheit bekannte Persönlichkeiten, nämlich die Tuchfabrikanten Christian Friedrich Köster und Bruno Köster. Letzterer war nicht nur als Geschäftsmann wichtig für die Stadt, sondern bekleidete direkt nach dem Zweiten Weltkrieg für einige Wochen auch das Amt des Oberbürgermeisters.

Das dritte Porträt gibt jedoch allen Beteiligten Rätsel auf. Wer ist der Mann mit den extrem kurzen Haaren? Welche Bedeutung hatte er für Neumünster? Astrid Frevert ist sehr daran interessiert, das Rätsel zu lösen und bittet die Neumünsteraner deshalb um Hilfe. Wer den Mann auf dem Bild erkennt, wird gebeten, sich im Museum unter Tel. 559  580 zu melden.

Dass die Werke dem Museum jetzt als stadtgeschichtliche Unikate überhaupt zu Verfügung stehen, ist zum einen der Initiative der Vorbesitzerin Ute Mathesdorf zu verdanken. Anfang der 80er-Jahre kaufte sie mit ihren mittlerweile verstorbenen Mann die Köstersche Villa am Mühlenhof. Doch das Haus war damals keineswegs leer. Neben alten Fotografien aus den Jahren 1870 bis 1920, die sie dem Museum mittlerweile schenkte, fanden die neuen Besitzer damals auch die drei Bilder von Max Werner vor. Als Neumünsteranerin war Ute Mathesdorf die Bedeutung der Werke schnell klar. „Ich habe sie natürlich aufgehängt“, sagt sie. Jetzt möchte sie sich im Alter verkleinern und kann die Bilder nicht mit in ihr neues Domizil nehmen. Deshalb meldete sie sich im Frühsommer bei Astrid Frevert und bot ihr die Werke zum Kauf an. „Wir hatten sofort großes Interesse. Denn dem Museum liegt auch die Stadtgeschichte am Herzen. Wir haben schon einige wenige Werke von Max Werner“, sagt die Direktorin. Weil das Museum aber keinen Sammlungs-Etat hat, sind Ankäufe eigentlich nicht möglich.

An dieser Stelle kam die Fielmann AG ins Spiel, die in einer Stiftung Mittel bereit hält, um Museen, die nur über einen geringen oder gar keinen Etat verfügen, zu unterstützen. Reinhold Wuttke vom Förderverein Tuch  +  Technik kümmerte sich um die Vermittlungen. Das Museum stieß mit seiner Anfrage auf offene Ohren.

Gestern freuten sich Marian Bülow, Fielmann-Filialleiter in Neumünster, und der Kunstbeauftragte der Fielmann AG, Kunsthistoriker Jürgen Ostwald, über die aktuelle Schenkung. Über den Kaufpreis schwiegen sich alle Seiten aus.

„Die Bilder werden jetzt noch begutachtet und zum Restaurieren gebracht. Sie werden von uns immer wandfertig übergeben“, so Kunstexperte Ostwald. Deshalb werden die drei Werke auch erst einmal nicht ausgestellt. Doch das Museum denkt darüber nach, in absehbarer Zeit Max Werner einmal eine Ausstellung zu widmen, zumal die Fielmann-Stiftung noch weitere Arbeiten des Künstlers aufgespürt hat und sie bei Interesse ebenfalls dem Museum überlassen würde.

Über den Künstler Max Werner, der von Fachleuten durchaus geschätzt wird, liegen noch viele Einzelheiten im Dunkeln. Geboren wurde er in Sachsen. Seine Ausbildung machte er in Berlin. Danach arbeitete er als freischaffender Künstler in Reinbek bei Hamburg. 1915 kam er zum Militärdienst nach Neumünster, wo er hauptsächlich Offiziere porträtierte. Nach dem Ersten Weltkrieg blieb er in der Stadt und lebte überwiegend von Auftragsarbeiten der hiesigen Fabrikanten und Kaufleute. Eine Zeit lang wohnte und arbeitete er am Großflecken. Er malte Porträts und Landschaftsbilder, so auch die rauchenden Schlote von Neumünster. In der NS-Zeit hat er nur einmal ausgestellt.

 

 

 

 

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erstellt am 14.Okt.2016 | 09:00 Uhr

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