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Holsteinischer Courier

04. Dezember 2016 | 07:14 Uhr

ADAC-Verkehrsforum : Diskussionen um das Roboter-Auto

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Beim Verkehrsforum des ADAC Schleswig-Holstein tauschten sich Experten über Vor- und Nachteile von selbstfahrenden Fahrzeugen aus

Neumünster | Das Thema des Verkehrsforums des ADAC Schleswig-Holstein ist brandaktuell: Spätestens seit dem tödlichen Unfall mit einem selbststeuernden Tesla-Fahrzeug im Mai in Florida (USA) wird die neue Technik vieler Fahrzeuge heftig diskutiert. „Auf dem Weg zum automatisierten Fahren“ lautete gestern das Thema des landesweiten Treffens mit mehr als 180 Gästen, das alle zwei Jahre an wechselnden Standorten im Land stattfindet. In die Holstenhallen waren nicht nur Vertreter des Automobilclubs gekommen, sondern auch Fachleute aus Behörden, der Politik, aus der Kfz-Branche, vom Tüv, der Dekra, Fahrlehrer oder Berufsschullehrer.

„Der ADAC sieht sich in der Pflicht, bei der neuen Entwicklung genau hinzugucken“, erklärte Hans-Jürgen Feldhusen, Vorstandsmitglied für Verkehr und Technik beim ADAC. So werde zum Beispiel immer wieder diskutiert, ob die neue Technik nur „Beschützer“ oder durch die vorhandenen Daten eher „Verräter“ sei. Mit Vorträgen beleuchtete der Automobilclub auf der Tagung deshalb die Probleme: Dr. Stefan Hoffmann von der TU Braunschweig nahm Stellung zur Infrastruktur. Claudia May, Juristin des ADAC, erklärte die rechtlichen Rahmenbedingungen des automatisierten Fahrens. Und Dr. Thilo Weichert, bis 2015 Datenschutzbeauftragter des Landes, nahm Stellung zum Datenschutz, bevor Diplom-Ingenieur Jonas Kremer vom Technikzentrum Landsberg über „Testverfahren für vernetzte Fahrerassistenzsysteme“ sprach. In einer Podiumsdiskussion wurden anschließend alle Aspekte noch einmal vertieft.

Richtig spannend wurde es nach der Theorie auf dem Holstenhallenparkplatz beim ADAC-Trainer-Leiter Jens-Peter Pfeiffer und seinem Team. Dort konnten die Besucher in zehn Autos unterschiedlicher Hersteller auf dem Beifahrersitz Platz nehmen. So zeigte zum Beispiel ein Trainer, wie sich ein Wagen auf Knopfdruck selbst eine Parklücke sucht und hinein rangiert. Im Auto seines Kollegen wurde die klassische Gefahrensituation am Stau-Ende simuliert, indem der Wagen auf ein aufgeblasenes Hindernis in Form eines Autohecks zuraste. Das System soll im Idealfall erst durch ein lautes Piepen warnen und im Notfall durch eine Vollbremsung selbst eingreifen. Es klappte meistens – aber nicht immer.

Kommentar

von Dörte Moritzen

Die letzte Instanz am Steuer bleibt der Mensch

Es ist nicht jedermanns Sache, mit voller Absicht auf ein stehendes Hindernis zuzurasen. Zu meinen Vorlieben gehören solche inszenierten Stunt-Nummern auf jeden Fall nicht. Auch wenn ich weiß, dass das Autoheck vor mir nur eine aufgeblasene Attrappe ist. Und dann ist da ja auch noch diese ausgeklügelte neue Technik, die mich überzeugen soll. Ein Beitrag zur Sicherheit. Die Zukunft des Autos.

Trotz meiner Bedenken will ich die natürlich nicht verpassen. Also steige ich  tapfer neben dem ADAC-Trainer auf den Beifahrersitz, schnalle mich an.

Mit hoher Geschwindigkeit rast der Wagen auf einer abgesperrten Bahn über den Holstenhallen-Parkplatz. Der Auto-Dummy vor uns wird immer größer.  „Das ist die klassische Situation am Stau-Ende. Wenn es piept, sagt der Wagen: ‚Jetzt wird es knapp‘“, erklärt der Trainer.  Ich lerne: Greift der Fahrer nicht sofort ein, macht das Auto  selbst eine Vollbremsung – zumindest meistens. Bei meiner Testfahrt  bleiben Piepen  und Bremsen aus. Mit Schwung donnert der Wagen ungebremst auf  das Luftkissen im Autodesign. Das schießt mit einem dumpfen „Plopp“  vor uns durch die Luft.

Der Mann  am Steuer nimmt’s gelassen: „Der Fahrer darf halt den Kopf nie  ausschalten“, sagt er.  Und hat Recht. Ich habe meine Lektion in Sachen Technikgläubigkeit gelernt. Die letzte Instanz bleibt eben immer der Mensch.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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erstellt am 30.Sep.2016 | 08:15 Uhr

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