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Holsteinischer Courier

10. Dezember 2016 | 02:24 Uhr

Vogelpest : Die Züchter sind wütend

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Rasse- und Ziergeflügelhalter befürchten Verluste und sprechen von Tierquälerei / 116. Landesgeflügelschau muss wohl abgesagt werden

Neumünster | Der Ausbruch der tödlichen Vogelgrippe und die vom Landwirtschaftsministerium verhängte landesweite Stallpflicht für Geflügel sorgen auch in Neumünster für helle Aufregung. Laut Amtstierärztin Dr. Bettina Kohnen-Gaupp ist das gesamte Geflügel von der Anordnung aus Kiel betroffen – egal ob zum Beispiel Hühner, Gänse, Enten oder Puten. Ausgenommen sind lediglich Tauben. Sie zählen nach der Geflügelpestverordnung nicht zum Geflügel, sondern zu den sogenannten „gehaltenen Tieren“.

Außerdem rät das Ministerium in Absprache mit den Kreis-Veterinärämtern, dass keine Geflügel-Schauen mehr stattfinden sollen. Ändert sich in der kommenden Woche nichts, müssen die geplante 116. Landesgeflügelschau und die 66. Landesjugendschau am 19. und 20. November wohl abgesagt werden. „Das würde uns an den Rand des Ruins bringen. Denn wir müssten die Miete für die Holstenhallen ja trotzdem zahlen“, sagt Torsten Nagel, Landesverbandsvorsitzender des Rassegeflügelzüchtervereins. Die Vogelgrippe treffe die Mitglieder hart. Jetzt sei die Ausstellungssaison, die Züchter arbeiteten das ganze Jahr darauf hin. „Wir werden quasi um unsere Ernte gebracht, obwohl alle unsere Tiere geimpft sind“, so Nagel.

Wenig Sympathie für die Anordnungen aus Kiel hat auch Holger von Ahrentschildt vom Rassegeflügelzuchtverein Einfeld. „Gerade beim Ziergeflügel bereitet die Aufstallung erhebliche Probleme“, sagt er. Die Ställe seien oft nicht für die dauerhafte Unterbringung ausgelegt, sie müssten nun gut belüftet werden. Außerdem müssten die Tiere beschäftigt werden, sonst würden sie in der Enge irgendwann aufeinander losgehen. „Eine Woche kann man das mal machen, das wäre absehbar. Aber keiner kann jetzt genau sagen, wie lange das so geht. Deshalb kann das durchaus für einige Tiere den Tod bedeuten“, erklärt der Fachmann.

Noch drastischer äußert sich ein Züchter, der seinen Namen nicht nennen möchte: „Die Entscheidung ist überzogen und Tierquälerei. Hühner haben eine Hackordnung. Die hacken sich in der Enge eines Stalls auf die Dauer gegenseitig tot.“

Handeln müssen in Neumünster und im Umland aber nicht nur Geflügelhalter – auch der Tierpark erhält laut Gesundheitsamt keine Sondergenehmigung. Entsprechend wurden gestern Maßnahmen getroffen: Der Teich wurde gesperrt, die Fütterungen unter freiem Himmel eingestellt, insgesamt 43 Vögel kamen hinter die Kulissen in den fest überdachten Stall. „Bei uns greift ein Notfall-Quarantäne-Plan“, erklärt Verena Kaspari, zoologische Leiterin des Tierparks. Noch nicht betroffen seien zum Beispiel Adler und Pinguine. „Unsere Geflügelbestände werden zudem regelmäßig klinisch untersucht und Proben genommen“, sagt sie.

Für einige Landwirte bedeutet die Stallpflicht auch einen wirtschaftlichen Schaden. „Eigentlich verkaufen wir ja Freiland-Eier. Aber jetzt dürfen unsere 1700 Legehennen nicht mehr raus, daher müssen wir nun Bodenhaltung stempeln“, sagt Landwirt Sven Jansen vom Abreihof in Wasbek. Die Kunden, dazu zählen auch Supermärkte und Hotels in der Region, würden nun per Aushänge und Handzettel informiert. „Das ist schon ärgerlich und ein großer Aufwand“, sagt er. Mehr Glück hat Wolfgang Tackmann, Inhaber der Geflügelzucht Tackmann in Boostedt. Seine 4000 Legehennen leben ohnehin im Stall. Auch vor Umsatzeinbußen muss er sich nicht fürchten. Er handelt ausschließlich mit Eiern und hat vertraglich gebundenen Großabnehmer.

Wer sein Geflügel nicht in den Stall sperrt, riskiert ein Zwangsgeld und muss innerhalb einer sehr kurzen Frist handeln. „Als Ahndung würde ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet“, so Amtstierärztin Bettina Kohnen-Gaupp. „Kontrollen sind auf jeden Fall stichprobenartig möglich“, erklärte die Veterinärin.

Das Land hat ein Bürgertelefon eingerichtet. Dieses ist heute ab 10 Uhr freigeschaltet und werktags von 9 bis 17 Uhr besetzt unter 0431 / 160 6666.

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erstellt am 10.Nov.2016 | 07:45 Uhr

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