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Holsteinischer Courier

10. Dezember 2016 | 21:28 Uhr

Trinkwasser : Die SWN, der Keim – und die Reaktionen im Netz

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Krisenkommunikation der Stadtwerke war gut. Gemeckert wurde trotzdem.

Neumünster | Auch im Hause der Stadtwerke (SWN) herrschte gestern eine riesige Erleichterung darüber, dass die coliformen Keime wieder aus dem Trinkwasser verschwunden sind. Die Krisenkommunikation hat gut funktioniert, aber der Aufwand war auch enorm.

Die Telefonhotline war beispielsweise rund um die Uhr besetzt (inklusive Wochenende) und wurde auch stark nachgefragt. „Wir hatten etwa 1000 Anrufe, zuletzt natürlich mit sinkender Tendenz“, sagte SWN-Sprecher Nikolaus Schmidt . Die meisten Fragen wiederholten sich aber ständig.

Auch ihre ansonsten kümmerlich betreute Facebook-Seite haben die SWN während der Coli-Phase aufgerüstet. Zwei Mitarbeiterinnen waren abgestellt, um Fragen schnell und sachlich zu beantworten. Das hat der Seite von Facebook das Prädikat „Hohe Reaktionsfreudigkeit bei Nachrichten“ und Kundenlob eingebracht. Immer wieder tauchte die Frage auf, warum nach Auskunft der SWN die Haustiere das Wasser auch ohne Abkochen trinken dürfen. Ein Kunde wollte wissen, was mit seinen empfindlichen Fischen im Aquarium sei. Ein anderes Facebook-Mitglied klagte den SWN sein Leid um zwei Meerschweinchen: „Kam gerade von der Arbeit und meine Meerlis liegen im Käfig, eines Tod der andere hat Krämpfe. Ich hab heute morgen in der Routine die Flasche mit Leitungswasser aufgefüllt. Eigentlich wollte ich es abkochen.“

Am Telefon, aber auch besonders beim klassischen Mecker-Medium Facebook wurden die SWN immer wieder für ihre Informationspolitik kritisiert. „Warum werden nicht mal Flyer verteilt für die ältere Generation unter uns die kein Internet haben und es vielleicht bis heute Werder aus der Zeitung noch aus dem Radio erfahren haben??“, schrieb dort jemand. Gern wurde auch der Mehraufwand für das Abkochen kritisiert: „Ich brauch jetzt doppelt so lange beim Abwasch. Wann is das bitte behoben?“, wollte jemand wissen.

Ein anderer Kunde wusste dagegen seit Tagen, dass die Keime ungefährlich sind. Er schrieb auf die SWN-Seite: „Ich habe mich die letzten Tage mal dem Selbstexperiment "geopfert" und seit der ersten Meldung über das erhöhte Keimaufkommen nach wie vor täglich literweise Leitungswasser getrunken. habe mich in der Zeit nicht eine Sekunde anders gefühlt als sonst. Nicht mal Placebo-Unwohlsein. “

Ein anderer nahm es ebenfalls mit Humor und kritisierte das Gemeckere: „Auf einmal haben alle Dünn***, sind plötzlich pleite weil das Abkochen ja Unsummen an Kohle kostet, keiner nutzt das Internet (obwohl sie den ganzen Tag bei Facebook rumhängen). Leute, Ihr seid goldig. Da kann man glatt den Fernseher abschaffen.“

Immer wieder bekamen die Stadtwerke in den vergangenen neun Tagen von ihren Kunden aber auch die Frage gestellt, wer ihnen den erhöhten Stromverbrauch für das Abkochen des Wassers bezahlt. Auf der Facebook-Seite blieb diese Frage allerdings stets unbeantwortet. Nikolaus Schmidt gab dem Courier auf Anfrage die Antwort: „Dafür können wir den Kunden keine Erstattung geben. Wir haben kein schuldhaftes oder fahrlässiges Verhalten gezeigt. Beim Gebrauch eines Wasserkochers kommen gerade mal zwei oder drei Cent zusammen. Die Vorwürfe mancher Leute, wir würden uns durch den erhöhten Stromverbrauch an der Sache noch bereichern, gehen ins Leere. Dieser Vorfall war für die SWN sehr, sehr teuer.“

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erstellt am 13.Aug.2016 | 05:15 Uhr

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