zur Navigation springen

Holsteinischer Courier

28. August 2016 | 07:07 Uhr

Gefahrenabwehrzentrum : Die neue Rettungswache ist schon zu klein

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Der starke Anstieg von Einsätzen im Rettungsdienst erfordert mehr Personal und mehr Fahrzeuge. Verhandlungen für eine neue Garage laufen.

Neumünster | Was sich bereits im vergangenen Jahr andeutete, ist nun Realität geworden: Rund 15 Monate nach der Inbetriebnahme der neuen Feuer- und Rettungswache im Gefahrenabwehrzentrum ist das Gebäude bereits wieder zu klein. Es fehlt mindestens ein Stellplatz für ein Einsatzfahrzeug.

Grund dafür ist ein massiver Anstieg der Rettungsdiensteinsätze. Innerhalb von zehn Jahren erhöhte sich die Zahl von gut 13  000 im Jahr 2005 um etwa 80 Prozent auf über 23  000 im vergangenen Jahr. Diese Zahlen präsentierte der Chef der Berufsfeuerwehr, Sven Kasulke, den Mitgliedern des Brandschutzausschusses am Dienstagabend. 2010 gab es noch neun Rettungsdienst-Fahrzeuge. Auf dieser Basis wurden zunächst zehn, später elf Stellplätze für die neue, 13,3 Millionen Euro teure Feuer- und Rettungswache eingeplant. Doch im vergangenen Jahr liefen bereits zwölf Einsatzfahrzeuge, davon drei Rettungstransportwagen (RTW) in der 24-Stunden-Schicht, weitere fünf RTW während des Tages sowie ein Krankentransportwagen (KTW). Hinzu kamen die vorgeschriebenen drei Reserve-Fahrzeuge. „Wir stehen in Verhandlungen mit den Krankenkassen zur Kostenübernahme für eine neue Garage auf dem Gelände“, erklärte Kasulke. Ausgaben im Rettungsdienst werden vollständig von den Kassen übernommen. Kasulke geht davon aus, dass die Einsatzzahlen im Rettungsdienst auch weiterhin steigen und damit sowohl das Personal als auch die Zahl der Fahrzeuge mittelfristig nicht ausreichen. Zudem sei ein neues Rettungsdienst-Gutachten nötig.

Ursache für die Entwicklung sind seiner Meinung nach gesellschaftliche Tendenzen, etwa die alternde Bevölkerung, aber auch eine „Vollkasko-Mentalität“: „Die Menschen fordern heute, dass für jedes kleine Problem sofort jemand da ist“, sagte Kasulke. Seine Beispiele: Wer sich früher in den Finger schnitt und blutete, band die Wunde ab und ließ sich zum Arzt oder ins Krankenhaus fahren. Heute werde dafür der Rettungswagen alarmiert. „Lag vor 15 Jahren eine tote Taube im Straßengraben, kam ein Passant und warf sie in den Mülleimer. Heute wird die Feuerwehr gerufen“, sagte Kasulke. Hinzu komme, dass Kliniken und Seniorenheime immer mehr auf wirtschaftliche Optimierung setzten. Stationen wie die Nuklearmedizin am Friedrich-Ebert-Krankenhaus würden geschlossen und Personal eingespart. Dadurch werde die Feuerwehr zum Taxiunternehmen für Kranke. Kasulke: „Wir fahren mittlerweile durchs ganze Land.“ Noch vor einiger Zeit hätten Alten- und Pflegeheime für viele medizinische Handgriffe Personal bereitgestellt, aber mittlerweile sei das anders. „Gerade nachts sitzt da vielleicht noch eine Fachkraft. Wenn dann was los ist, werden wir angerufen.“ Die Konsequenz: Fast täglich musste 2015 zusätzlich zu den vorhandenen RTW auch noch ein Löschfahrzeug für medizinische Notfälle ausrücken, weil die Zahl der Autos nicht ausreichte.

Der Brandschutzausschuss sprach sich nach dem eindringlichen Vortrag einstimmig für 3,5 neue Stellen in der Leitstelle aus – dazu eine weitere im Rettungsdienst sowie eine für die neue Servicestelle Digitalfunk. Entscheiden muss die Ratsversammlung.

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 11.Feb.2016 | 08:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert