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Holsteinischer Courier

11. Dezember 2016 | 13:07 Uhr

Kinobühne : Die Facetten des Erinnerns

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Kinobühne zeigte den berührenden Dokumentarfilm „Das verschwundene M“ und verabschiedete sich in die Sommerpause.

Neumünster | Mit der Dokumentation „Das verschwundene M“ von Maria Hemmleb verabschiedeten sich die Verantwortlichen der Kinobühne in die Sommerpause und bewiesen einmal mehr ihr gutes Händchen bei der Auswahl anspruchsvoller Filme.

„Ich freue mich sehr, meinen Film hier auf einer Theaterbühne zeigen zu dürfen“, wandte sich die Hamburger Filmemacherin an ihr Publikum auf der ausverkauften Bühne. Schließlich sei „das verschwundene M“ nicht nur ein Portrait ihres Bruders, des international tätigen Opern- und Theaterregisseurs Lukas Hemleb, sondern auch eine Hommage an die universelle Sprache des Theaters. „Und welcher Aufführungsort könnte da passender sein als eine Bühne?“, fragte Maria Hemmleb. Zum Film selbst verriet die Hamburgerin vorab nichts. Dafür sei am Ende ausreichend Zeit, versprach die studierte Künstlerin. „Film ab!“

Die Kamera ist auf Lucas Hemleb gerichtet. Ruhig sitzt der Regisseur auf einem Stuhl und beschreibt seine Arbeit als „Sehnsucht nach der universellen Kraft“. Keine erklärenden Worte zu seiner Person, stattdessen erfährt der Zuschauer, dass Lucas Hemleb „vieles aus seiner Kindheit vergessen hat“. Bereits nach wenigen Szenen wird deutlich: Hier geht es nicht nur um den außergewöhnlichen Künstler Lukas Hemleb, hier steht auch das Verhältnis von Bruder und Filmemacherin im Fokus. Eingestreute Sequenzen im Normal-8-Format zeugen von einer glücklichen Kindheit in den 60er-Jahren.

Nach dem traumatischen Tod der Mutter gerät das Familienleben aus den Fugen. Maria geht zum Studieren in eine andere Stadt, Lukas bricht mit 14 die Schule ab und zieht in eine WG. Im Theaterspiel findet er neuen Halt. All das erfährt der Zuschauer in der ersten Hälfte des Films durch Fotos und Erzählungen. Das filmische Portrait Lukas Hemlebs beginnt 2009. Zu dieser Zeit ist er bereits ein international gefeierter Theater-und Bühnenregisseur.

Fünf Jahre hat Maria Hemmleb ihren Bruder begleitet, hat ihn und seine Inszenierungen in Moskau, Japan und Taiwan besucht und das Bild eines ungewöhnlichen Künstlers gezeichnet, der tief in die Kultur des jeweiligen Landes eintaucht, um mit den Schauspielern kommunizieren zu können. Nicht nur sein großes Sprachtalent versetzt den Zuschauer immer wieder ins Staunen. Lukas Hemleb ist zweifelsohne ein sehr reflektierter Mensch, der sich seiner Berufung stets mit großer Leidenschaft hingibt.

„Leben und Tod spielen in Lukas’ Arbeiten eine große Rolle“, sagte Maria Hemmleb. Den Grund hierfür sehe sie in seiner Biografie. In ihrer Dokumentation lässt sie den Zuschauer mit viel Respekt und Liebe zum Bruder an dieser Vermutung teilhaben. „,Wie erinnert man sich?‘ Diese Frage halte ich für zentral“, beschrieb die Filmemacherin den Kern ihres Films.

Das Publikum war tief berührt. „Ich hätte gerne noch viel länger zugeguckt“, hieß es am Ende spontan aus den Zuschauerreihen. 


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erstellt am 28.Apr.2016 | 09:15 Uhr

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